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Warum lösen wir Erstgeborene aus? – Parascha Bo

Heiligung des irdischen Lebens
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In unserem Wochenabschnitt Bo wird das Gebot gegeben, die Erstgeborenen von den Kohanim auszulösen (Pidyon HaBen). Bis dahin ruht auf den Erstgeborenen eine besondere Keduscha (Heiligkeit) und der Sforno schreibt, dass diese Heiligkeit ihnen die Ausführung von irdischen Tätigkeiten verbieten würde.

Es stellt sich die Frage, warum ist Pidyon HaBen im Judentum so ein feierliches Ereignis und es ist der Brauch, dass man anlässlich dessen sogar eine Seudat Mizwa (feierliche Mahlzeit) macht, denn die Auslösung degradiert die Erstgeborenen nur von ihrer Heiligkeit und macht sie “normal”?

Rav Yakov Kamenetsky erklärt, dass ein wesentlicher Unterschied zwischen dem jüdischen Volk und allen anderen Völkern besteht: Bei den anderen Völkern gibt es eine klare Grenze zwischen dem Körper und dem Geist. Spirituelle Tätigkeiten speisen nur den Geist und haben mit dem Körper nichts zu tun. Umso mehr man sich von den irdischen Tätigkeiten zurückhält, desto “heiliger” wird man dadurch. 

Aus diesem Grund können Nicht-Juden nur das Ganzopfer (Olah) im Beit Mikdasch (Tempel) opfern, weil dieses gänzlich auf dem Mizbeach (Altar) verbrannt wird und weder die Kohamin noch die Besitzer einen Anteil daran haben. In ihrem Verständnis kann an einer heiligen Tätigkeit (in diesem Fall: dem Opfern) keine materielle und triviale Tätigkeit (in diesem Fall: Essen des Fleisches) beteiligt sein, wie sie dadurch erniedrigt wird. 

Im Judentum ist es genau umgekehrt: Unsere Aufgabe in dieser materiellen Welt ist es, materielle Sachen und Tätigkeiten zu erheben und heilig zu machen, indem wie sie für den Dienst von Haschem verwenden. In Rav S.R. Hirschs Worten, der Platz des Judentums nicht nur in der Synagoge und dem Bet Medrasch, sondern hauptsächlich in unserem täglichen Leben und Alltag. Das Judentum lehrt uns, wie man ein vollkommen heiliges und erhobenes Leben lebt, obwohl man den normalen “menschlichen” Tätigkeiten nachgeht und sich nicht davon enthält. 

Die Erstgeborenen würden ohne die Auslösung einer vollkommen spirituellen Lebensweise nachgehen müssen, so wie es der Sforno schreibt und dürften nicht das “Nichtheilige” heiligen. Indem wir sie auslösen, geben ihnen die Möglichkeit, die irdischen Tätigkeiten zu heiligen und somit ein noch höheres Niveau zu erreichen, als sie vor der Auslösung hatten und aus diesem Grund wird dieses Ereignis im Judentum so gefeiert.  

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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