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WIR FINDEN G“TT IN DIESER WELT – Parascha Ki Tawo

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Tischa be’Av, Elul, Rosch Haschana, Jom Kippur, Sukkot (das Laubhüttenfest) und Simchat Tora (das Fest der Gesetzesfreude) bilden EINE durchgehende Reihenfolge.

Im Monat Av machen wir nach der enormen Vernichtung aus tiefster Trauer Teschuwa (gelangen wir zur inneren Einkehr).

Zu Rosch Haschana und an Jom Kippur, an den Jamim Noraim (an den Ehrfurcht erbietenden Tagen) machen wir aus Furcht und Achtung Teschuwa.

Und mit Sukkot (dem Laubhüttenfest) steigert sich die Freude an Simchat Tora, der Freude der Welt.

Die aufsteigende Linie begannen wir vorigen Monat mit Tischa be’Av. Ein Rückblick auf kurze Daten und auf lange Daten lässt uns einsehen, wie weit wir uns von unserer tatsächlichen Berufung entfernt haben.

Beflügelnde Energie

Als wir im Bejth Ha’Mikdasch verweilten, verspürten wir die G“ttliche Anwesenheit, die Schechina. Das gesamte Universum ist hiervon durchdrungen. Alles, was auf Erden ist, ruft danach. Sie gibt uns das Gefühl von Bestimmung und Erfüllung.

Das einzige Gegengift gegen den Egoismus ist die G“ttliche Presenz. Der Glaube ist die höchste beflügelnde Energie, die uns die Kraft zu tun verleiht, noch bevor wir verstehen oder begreifen.

Die G“ttliche Anwesenheit im Bejth Ha’Mikdasch versetzte uns in die Lage, über unseren eigenen Schatten zu springen. Alle Dunkelheit wurde durch das spirituelle Licht verdrängt. Da konnten wir die Nähe G“ttes verspüren.

Trotz der vielen Jahrhunderte des Exils, Vertreibung und Verfolgung ist sich Klal Jisraejl noch immer von de Nähe der Schechina hier auf Erden bewusst.

Zwei Begegnungspunkte

Tischa be’Av wird ein Mo’ejd (ein Fest der Begegnung) genannt. Es gibt Festtage der Nähe und Festtage der Entfernung. Manchmal müssen wir bei unserem Abstand inne halten um uns bewusst zu werden, wie weit wir vom wahren Auftrag der Tora entfernt sind.

Tischa be’Av wird ein Mo’ejd genannt, da wir uns immer noch bewusst sind, dass Ha’Schem hier nahe neben uns steht, dicht bei uns im irdischen Gewühl und dass alles Behaschgacha Peratit (die G“ttliche Vorhersehung) ist.

Den Bejt Ha’Mikdasch gibt es nicht mehr. Aber auf zwei Gebieten besteht die Schechina vor unseren Augen aus Fleisch und Blut noch tastbar, spürbar. Das sind

a. in den vier Ellen der Halacha, dem Lernen

und

b. in der Jüdischen Ehe, da sowohl Mann wie Frau ihr gesamtes Leben und das Zusammensein in die Dienste von Ha’Schem, der Tora und dem Judentum stellen und „bekowed“ mit einander umgehen, so wie Rambam (Maimonides) beschreibt, ist die Schechina tatsächlich tastbar, spürbar anwesend.

Nicht depressiv und nicht böse

Maimonides (elfhundertfünfunddreißig bis zwölfhundertvier) schreibt in seinem beeindruckenden Codex (Isjut 15:19): “Unsere Weisen haben uns angewiesen, dass man seine Frau mehr als sich selber ehren und wie sich selbst liebhaben soll. Wenn der Mann über genügend finanzielle Mittel verfügt, muss er das Geld seiner Frau spenden bezw. aushändigen. Er darf ihr nicht zu viel Angst ein jagen und er soll ruhig mit ihr sprechen, nicht traurig sein und nicht böse oder schlecht“.

Aber andererseits schreibt Maimonides auch, dass die Frau ihren Mann besonders ehren sollte und Respekt ihm gegenüber beweisen. Eine „gute Frau befolgt die Wünsche ihres Mannes“. Einige erklären das mehr gekünstelt wie folgt: „eine koschere Frau ist eine Frau, die bei ihrem Mann ein Gefühl für höhere Werte und ein Verlangen zu Spiritualität erzeugt“.

Absolute Verpflichtungen

Diese Verpflichtungen sind nicht gegenseitig. Wenn der oder die EINE den vorgegebenen Verhaltensregeln nicht nach kommt, will das nicht heißen, dass der oder die Andere davon auch entbunden ist. Auch in der Ehe gilt: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“.

Der Talmud berichtet über verschiedene schlechte Ehen zwischen Tannaim und Amoraim, Gelehrte aus der Mischna und dem Talmud. Rav (zweihundertfünfzig nach der Zeitrechnung) hatte eine Frau, die genau das Gegenteil tat, um das er gebeten hatte. Wenn er Linsen wollte, kochte sie Erbsen und wenn er Erbsen haben wollte, kochte sie Linsen. Ihr heranwachsender Sohn hatte das durchschaut und gab immer das Gegenteil der Wünsche seines Vaters an seine Mutter weiter. Irgendwann erfuhr das Rav. Er verbot seinem Sohn, die Unwahrheit zu sagen.

Rabbi Chija (zweihundertdreißig nach der Zeitrechnung) wurde durch seine Frau sehr gequält, aber er brachte ihr trotzdem immer die prächtigsten Geschenke mit nach Hause.

Rav sah das und fragte sich ab, weshalb er zu seiner so unwirschen Frau so freundlich sei. Darauf antwortete Rabbi Chija: „Es genügt, dass sie unsere Kinder erzieht und uns vor der Sünde rettet“.

Das Wichtigste ist, dass man sich immer auf die positiven Eigenschaften des oder der Anderen konzentriert.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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