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Awimelech, der König der Philister, zeigt sein Interesse an Riwka – Parascha Toldot

Awimelech, der König der Philister, zeigt sein Interesse an Riwka - Parascha Toldot
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Awimelech, der König der Philister, zeigt sein Interesse an Riwka.

  • „Jitzchak wohnte in Gerar. Als die Männer des Ortes nach seiner Frau fragten, sagte er: „sie ist meine Schwester“, denn er hatte Angst „meine Frau“ zu sagen, damit die Männer des Ortes ihn nicht wegen Riwka töten sollten, denn sie war schön von Antlitz“ (Bereschit 26:6 usw.)
  • Ihre eheliche Beziehung wurde jedoch von Awimelech entdeckt, als er sah, dass Jitzchak mit Riwka „scherzte“, eine klare Andeutung für Zusammen leben. Jitzchak hatte Angst, getötet zu werden, genau wie sein Vater Awraham dieses befürchtete, als er beim Pharao in Ägypten und später im Land der Philister verblieb.

Eine hoch entwickelte Kultur

  • Die Philister konnten zur damaligen Zeit auf eine hoch entwickelte Kultur verweisen. Sie kannten ein juristisches System mit einer ausgeglichenen Gesetzgebung. Aber ist ein Rechtsstaat ohne inneres G“ttesbezug eine Garantie gegen die Entstehung von Fremdenhass, das Ausufern der niedrigsten Triebe und Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Das Judentum geht davon aus, dass dieses nicht der Fall sei. Ist die Gerechtigkeit eine Garantie gegen Barbarei? Aus der Thora und dem Talmud geht hervor, dass selbst ein solider und gefestigter Rechtsstaat allein zu wenig Schutz bietet.

Das Diktat des menschlichen Verstandes

  • Die Kultur von Abimelech fußte auf dem Diktat des menschlichen Denkens, der Redlichkeit und des Anstandes. Oberflächlich betrachtet, war am Himmel der Philister kein Wölkchen zu sehen. Ihr Rechtssystem war gut aufgestellt, die öffentliche Ordnung wurde anständig befolgt.
  • Genau wie sein Vater Awraham, vermisste Jitzchak jedoch bei den Philistern eine G“ttesfurcht. Sobald das Gefühl fehlt von „G“tt schaut mir über die Schulter zu“, kann alles geschehen, wie gut das gesellschaftliche Leben auch geregelt sein möge und wie ehrlich auch verwaltet wird. Es bestand die Angst vor der Polizei und vor öffentlichen Würdenträger. Man hatte vor dem starken Arm Respekt, aber das war Jitzchak zu wenig. Im Geheimen befürchtete er, getötet zu werden, so dass niemand gegen die Schändung seiner Frau Beschwerde erheben würde. Selbst in einem Rechtsstaat wie dem der Philister bestand keine Sicherheit für Leib und Leben.

Die prächtigsten Philosophien sind keine Garantie für Gerechtigkeit

  • Wir haben die furchtbaren Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts durchleiden müssen. Die Demaskierung der westlichen Zivilisation während des zweiten Weltkrieges wurde während des Stalinismus fort gesetzt. Die prächtigsten Philosophien und die gerechtesten Gesetze sind keine Garantie für eine gerechte Gesellschaft. Sobald die Leidenschaft entflammt und die Lust zuschlägt, ist man nicht mehr sicher. Deshalb ist eine moralische Erziehung, wo ehrliche Beispiele die Vorbilder sind, eine wirksame Vorgehensweise, eine anständige Gesellschaft an zu streben. Unterstützend wirkt der Glaube an den Allmächtigen, der es den Menschen in die Hand gegeben hat, anständige Gesellschaften zu schaffen.
  • Das Judentum geht davon aus, dass, wenn der Weisheit nicht die Achtung vor Gott vorausgeht, nicht einmal die Weisheit weiter bestehen wird. Wir verstehen das heutzutage leider nicht mehr so, aber die Thora-Psychologie geht davon aus, dass wenn man auch zwischenmenschliche Thora-Vorschriften übertritt, man im Grunde genommen zuerst die Existenz G“ttes leugnen muss. Wir begehen erst Awerot (Verfehlungen), wenn wir G“tt abgelehnt haben.

Der Mangel an Achtung oder Respekt vor G“tt ist die Quelle allen Übels

  • Einen Rascha übersetzen wir ins Deutsche mit „ein Bösewicht“, aber in Grunde genommen ist das eine verkehrte Übersetzung: „der Rascha verfestigt in seinem Herzen, dass es keinen G“tt gibt“. Der Mangel an Respekt vor G“tt ist die potenzielle Quelle alles Bösen. Jemand, der aufrichtig religiös ist, wird nicht sündigen können (aber ‚nobody is perfect‘). Aber sobald diese Basis fehlt, kann niemand dafür garantieren, dass er vor welche Sünde auch immer zurückschrecken wird. Wo ist die innerliche Bremse, die ihm oder ihr zuruft: STOP! Eine Zivilisation ohne Glauben hat keinen Bestand. Sie verändert sich schnell zu einem äußerlichen Anstrich, den man sehr leicht durchstechen kann, behauptete Jitzchak.

Durch das Durchstechen des Anstriches eine Beschädigung verursacht

  • Abimelech rastete letztendlich heftig aus: „Was hast Du uns da angetan! Beinahe hätte EINER aus dem Volk Deiner Frau beigewohnt und dann hättest Du Schuld über uns gebracht“. Sein Ärger kannte keine Grenzen, da durch die Verletzung des Anstriches Schaden entstanden war. Abimelech benahm sich jedoch besser als der Pharao. Er ließ Jitzchak und Riwka in seinem Land wohnen und ordnete an, dass „jeder, der diesen Mann oder Frau auch nur anrührt, getötet würde“.

Eifersucht: eine der vordergründigen Quellen des Antisemitismus

* Jitzchak war im Land der Philister sehr umtriebig und erntete viel Erfolg. G“tt ließ ihn sehr reich werden. Das hatte jedoch negative Nebenerscheinungen. Denn Abimelech sprach zu Jitzchak: „Gehe von uns weg, denn Du bist uns zu mächtig geworden“ (26:16). Auch die Eifersucht war den Philistern nicht fremd. Eine (allgemein) bekannte Quelle für Antisemitsmus.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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