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Bescheidenheit gegenüber G’tt – Parascha Ki Tawo

Bescheidenheit gegenüber G'tt - Parascha Ki Tawo
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בסייד

Wir befinden uns am Vorabend von Rosch Haschana. Das Wichtigste an Rosch Haschana ist, dass wir G’tt als König über das Universum verkünden. Wir müssen auch G’tt als den leitenden Faktor in unserem persönlichen Leben anerkennen. Wir tun dies aus voller Überzeugung. Aber es erfordert viel Demut und Bescheidenheit von uns, G’tt Raum zu geben. Wenn wir völlig mit uns selbst beschäftigt sind und ein viel zu großes Ego haben, bleibt wenig oder kein Platz für G’tt. Auch ein großer Anführer muss G’tt und seine Gebote an die erste Stelle setzen. Die Tora gibt ein typisches Beispiel dafür in der Gesetzgebung über den jüdischen König. Er muss ein Ausbund an Demut und Bescheidenheit vor dem Höchsten Wesen sein.  

Als Staatsoberhaupt hat der König in der Tora einen besonderen Auftrag und einige zusätzliche Verbote (Dtn 17:16-17): “Er darf nicht viele Pferde für sich selbst kaufen (…). Er darf sich auch nicht viele Frauen nehmen, sonst wird sein Herz abschweifen. Er darf für sich auch nicht zu viel Silber und Gold nehmen”. Aber er hat auch eine gewichtige Pflicht (Dtn 17,18-20): “Außerdem soll er, wenn er sich auf den Thron seines Reiches setzt, für sich selbst eine Abschrift dieses Gesetzes auf eine Schriftrolle schreiben (…). Dies muss er bei sich haben und darin lesen alle Tage seines Lebens, damit er lernt, seinen G’tt zu fürchten und alle Worte dieses Gesetzes und dieser Vorschriften zu beachten, indem er sie hält, damit sein Herz sich nicht über seine Brüder erhebt, damit er nicht vom Gebot abweicht, weder nach rechts noch nach links, und damit er seine Tage in seinem Königreich verlängert, er und seine Söhne, in der Mitte Israels.” Er muss ständig aus der Tora lesen.

die Tora und ihre Ideale verkörpern

In der Tora hat der König keine zeremoniellen Pflichten. Wie alle anderen Bürger unterliegt er in vollem Umfang dem Gesetz. Seine Hauptaufgabe als erster Bürger ist es, die Tora und ihre Ideale zu verkörpern. Die Person des Königs und sein Lebensstil stehen für die Idee, dass das Gesetz, die Ideen und die Heiligkeit der Tora den Menschen veredeln und ihn auf eine höhere Ebene heben.

Tora-Rolle selbst schreiben

Diese Tora-Rolle schreibt er selbst und trägt sie überall mit sich, im Krieg, bei der Justiz, aber auch bei den normalsten irdischen Tätigkeiten wie den Mahlzeiten. Als Träger der höchsten Staatsgewalt unterwirft er sich den Gesetzen der Tora, die er überall hin mit sich führt. Er steht nicht über dem Gesetz, ganz im Gegenteil. Es ist seine Pflicht, ein gewissenhaftes und genaues Tora-Leben vorzuleben.

Eine doppelte Haltung

Er muss stets bescheiden bleiben, andererseits aber auch Würde, Mut und Entschlossenheit ausstrahlen. Nach innen hin – zu seiner eigenen Familie und seinen Verwandten – kann er mitfühlend und vergebend sein. Aber nach außen hin muss er als Führungskraft und Vollstrecker von Ordnung und Disziplin eine klare Autorität ausstrahlen. Hier das richtige Gleichgewicht zu finden, ist schwierig. Am Ende der Tora übergibt Moses die Führung an Josua (Dtn 31,7): “Moses rief Josua und sagte zu ihm vor ganz Israel: ‘Sei stark und mutig, denn du wirst mit diesem Volk in das Land ziehen (…)'”. Man kann diesen Text auch so lesen: “Sei stark und mutig vor den Augen von ganz Israel”. Zu Hause können Sie bescheiden und freundlich sein, aber wenn Sie vor das Volk treten, müssen Sie Stärke, Autorität und Führung ausstrahlen.

König Salomon gekrönt

Es gab Streit um die Thronfolge. Im Buch der Könige lesen wir, wie König David seinem Sohn Salomo die Autorität übertrug (I, 1: 33-38): “Und der König sprach zu ihnen: Nehmt die Knechte eures Herrn mit euch, und lasst meinen Sohn Salomo auf dem Maultier reiten, das mir gehört, und lasst ihn hinabsteigen zum Gihon. Dort soll ihn der Priester Zadok zusammen mit dem Propheten Nathan zum König über Israel salben. Dann bläst du die Trompete und rufst: “Es lebe König Salomo!”.

Einfachheit für sich selbst, aber stark in der Öffentlichkeit

Warum hatte König David als einziges königliches Reittier einen Maulesel und nicht ein Pferd? Ein Maulesel ist eine Kreuzung zwischen einem Pferd und einem Esel. Als König hätte ein Pferd besser zu ihm gepasst. Ein Pferd ist ein edles Tier. Ein Esel ist nur ein Lasttier. König David wollte damit deutlich machen, dass ein König, wenn er erfolgreich sein will, beide – fast widersprüchlichen – Eigenschaften in sich vereinen muss: die Demut eines Lasttiers wie eines Esels, aber gegenüber dem Volk das edle Auftreten wie eines Pferdes. Das Maultier ist symbolisch die ideale Kombination aus beidem: einfach für sich selbst, aber kraftvoll in seinem öffentlichen Auftritt.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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