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DAS LAUBHÜTTENFEST, DER TEMPEL, DIE 70 OPFER UND GOG UND MAGOG

DAS LAUBHÜTTENFEST, DER TEMPEL, DIE 70 OPFER UND GOG UND MAGOG
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בסייד

Die Einweihung von Salomo’s Tempel in Jerusalem ist mit dem Laubhüttenfest verbunden. Das war kein Zufall, denn die Hütte symbolisiert die spirituelle Inspiration des Heiligtums und den Schutz von den Wolken der G’ttlichen Majestät. Die Laubhütte ist eine Fortsetzung des Tabernakels, des Wanderheiligtums in der Wüste, und symbolisiert laut Talmud nicht nur die Hütten, in denen die Juden nach dem Auszug aus Ägypten lebten, sondern auch die Wolken der G’ttlichen Majestät, die die Juden während ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung beschützten.

Wenn sich die Prophezeiung von Sacharja (Kapitel 14) erfüllt, werden die Völker zunächst gegen Jerusalem ziehen, dann aber das Laubhüttenfest feiern. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Laubhüttenfest und den Völkern und den siebzig Opfern während des Laubhüttenfestes?

Das universellste Fest

Das Laubhüttenfest ist eigentlich das universellste Fest im Judentum. Während des Laubhüttenfestes wurden 70 Stiere geopfert, die für die 70 Archetypen aller Völker standen. In Numeri 29 wird ab Vers 12 für jeden Tag des Laubhüttenfestes eine Anzahl von Stieren als Opfer vorgeschrieben. Wenn wir alle diese Stiere zusammenzählen, kommen wir auf insgesamt 70: 13+12+11+10+9+8+7=70 (am ersten Tag 13 Stiere, am zweiten Tag 12 Stiere usw.).

Doppelter Zweck

Die 70 Stiere dienten zum einen als Sühne für alle 70 Archetypen von Völkern. Der Tempeldienst war für die gesamte Menschheit wichtig, um sie geistig zu erheben. Der Zweck des Tempeldienstes war es, die Verbindung zwischen G’tt und den höheren spirituellen Welten zu stärken, die ihrerseits G’ttes Strahlen und Segen auf unsere materielle Welt übertragen und so sogar unser dunkles vor G’tt verborgenes Universum auf eine höhere Ebene heben.

Durch die 70 Opfer wurden die Schutzengel aller Völker erhöht, was wiederum diese Völker auf eine höhere geistige Ebene hob. Die gesamte Schöpfung stand unter ihrem erhebenden Einfluss. Seit der Zerstörung des Tempels hat die Welt in vielerlei Hinsicht ihre Spiritualität verloren.

Andererseits war die Zahl der Stiere für die Opfer in absteigender Reihenfolge, die auf die abnehmende Zerstörungskraft der Feinde Israels hinwies. Denn zunächst wird ein Heer aus allen Nationen gegen Jerusalem ziehen.   

Doch lassen Sie uns zunächst über die Quellen sprechen.

Einweihung des ersten Tempels durch König Salomon

In 1. Könige 8,1-5, dem ersten Buch der Könige, lesen wir über die Einweihung des Tempels durch König Salomon und die Ankunft der Lade vor etwa 2854 Jahren. Die heilige Lade mit den Steintafeln und der Tora-Rolle des Moses bildete den Kern des Heiligtums: “Da rief Salomo die Ältesten Israels und alle Häupter der Stämme zusammen (…), um die Bundeslade G’ttes aus der Stadt Davids, das ist Zion, zu holen. Alle Männer Israels versammelten sich mit König Salomo zum Fest im Monat Ethanim, das ist der siebte Monat (…) und die Priester nahmen die Lade und brachten die Lade G’ttes und das Zelt der Begegnung mit allen heiligen Gegenständen, die im Zelt waren (…). Zu dieser Zeit feierte auch Salomo das Fest und ganz Israel mit ihm, eine große Schar (…) vor unserem G’tt, sieben Tage und noch einmal sieben Tage, also vierzehn Tage”. Das Fest der Einweihung des ersten Tempels wurde zusammen mit dem Biblischen Laubhüttenfest gefeiert.

Zukunft für Jerusalem

Beim Propheten Sacharja (14,1-4) lesen wir: “Siehe, es kommt ein Tag für G’tt, an dem die von euch gewonnene Beute unter euch aufgeteilt wird. Dann werde ich alle heidnischen Völker zum Kampf gegen Jerusalem versammeln. Die Stadt wird eingenommen (…). Dann wird G’tt ausziehen und gegen die heidnischen Völker kämpfen (…). Und es wird geschehen, dass der ganze Rest aller heidnischen Völker, die gegen Jerusalem heraufgezogen sind, von Jahr zu Jahr hinaufziehen wird, um sich vor dem König, G’tt der Heere, niederzuwerfen und das Laubhüttenfest zu feiern”.

Spiritueller Kampf

Im Mittelpunkt von Tischrei, dem siebten Monat (September/Oktober), steht der spirituelle Kampf, ein besserer Mensch zu werden, der vom 1. Tischrei, Rosch Haschana (jüdisches Neujahr), bis Sukkot, dem Laubhüttenfest, andauert. In Numeri (10:2) wird vorgeschrieben, das Schofar zu blasen, um das Volk zum Kampf aufzurufen. Dabei ging es vor allem um den inneren Kampf zur Überwindung unserer psychologischen und sozialen Defizite.

Das spirituelle Heil kommt nicht ohne Reue und Umkehr. Um zu überleben, müssen wir moralisch und ethisch wertvoll sein. Am 10. Tischrei, Jom Kippur, dem Großen Versöhnungstag, befinden wir uns in der Hitze des Gefechts. Es wird so dramatisch, dass es unmöglich ist, zu essen. Wir fasten, weil wir als Soldaten an der Front nicht an unsere Mägen denken. “Wer soll leben und wer soll sterben” ist Teil der Liturgie in diesen ersten Tagen des Herbstmonats Tischrei. Dieses Thema von Krieg und Kampf setzt sich bis zum Laubhüttenfest fort. Die Soldaten kommen in eilig errichteten Unterkünften in der Nähe des Schlachtfelds unter.

Fragile Hütten

Wenn wir uns in diesen fragilen Hütten niederlassen, ohne Angst vor Angriffen zu haben, bedeutet das, dass wir den Kampf gewonnen haben. Wir müssen nur warten, bis sich der Rauch vom Schlachtfeld verzogen hat. So feiern wir den ersten Morgen unserer neuen Existenz mit den vier Pflanzen. Wir halten den Lulav, den Palmzweig, der hoch über uns thront. Wir schütteln die Pflanzen in alle vier Richtungen, nach oben und nach unten. Der Lulav (Palmzweig) wird im Midrasch (Hintergrundinformationen) als das Siegesschwert nach einer schweren Schlacht gesehen. Der Sieg, das Ziel der Reise, ist erreicht. Alle Kämpfe scheinen ausgefochten worden zu sein. Wir haben bereits alle Urteile überlebt.

Die Tora ist unsere verborgene Waffe

Unsere Weisen vergleichen die Tora mit Wasser. So wie Wasser die physische Natur erweckt, ruft uns die Tora zu spirituellem Erwachen und geistigem Wachstum auf. Daher ist es leicht zu verstehen, dass wir nach dem Laubhüttenfest, wenn wir für das Wasser gerichtet werden, das Abschlußfest feiern. Dieses letzte Fest wird auch Simchat Tora, Freude am Gesetz, genannt, ein Tag, an dem wir uns an unserer Tora, dem zentralen Punkt unseres Lebens, erfreuen. Die Tora gibt uns in vielerlei Hinsicht Befreiung. Die Tora ist unsere verborgene Waffe. Die Tora garantiert uns den Sieg, wenn wir ihre Gebote erfüllen: “Und es geschah, als die Lade hinauffuhr, da sprach Mose: ‘Erhebe Dich, o G’tt, und lass Deine Feinde zerstreut werden und die, die Dich hassen, vor Dir fliehen'” (Numeri 10,35). Sukkot ist eine wunderbare Synthese aus Natur und Geist, aus Körper und Seele, aus Landwirtschaft und Symbolik, aus dieser und der zukünftigen Welt, aus Irdischem und Jenseitigem.

Was lehrt uns das Laubhüttenfest?

“Sieben Tage sollt ihr in Hütten wohnen, damit eure

        Nachkommen wissen, dass Ich die Kinder Israels in

        Hütten wohnen ließ, als Ich sie aus dem Land Ägypten

        führte” (Lev 25:42-43). Wir leben in Hütten, um uns

        daran zu erinnern, dass wir, als wir uns nach dem

        Exodus plötzlich in der Wüste befanden, große

        Schwierigkeiten hatten, uns zu akklimatisieren. G’tt hat

        dort große Wunder für uns getan und uns 40 Jahre lang      versorgt und beschützt. Außerdem können wir dankbar     sein, dass wir später in Israel ein festes Zuhause mit all    den guten Dingen bekommen haben. Diese Erklärung          der Laubhütte ist in erster Linie ein Rückblick auf die

        Geschichte.

Die Laubhütte kann aber auch als erzieherische Lektion gesehen werden: “G’tt hat uns befohlen, unser festes Zuhause zu verlassen und in einer vorübergehenden Hütte zu leben, damit wir erkennen, dass diese Welt nur    vergänglich und von geringem Wert ist. Wir sind nur Fremde und keine Bewohner hier auf Erden”, sagt Rabbi Efraim Luntshits (16. Jahrhundert). Die vorübergehende Laubhütte ist somit ein

Symbol der Vergänglichkeit.

Es könnte auch sein, dass die Laubhütte einen Gegenpol zur

Ägyptischen Kultur bildet. Architektur und die Vergötterung massiver, gigantischer Bauwerke waren im alten Ägypten von zentraler Bedeutung. Obelisken, Pyramiden, Pharaonen-Statuen und Götzenbilder beherrschten das ägyptische Denken. Pharaonen waren Götter und wurden nach ihrem Tod als steinerne Kolosse verewigt. Die Zehntausende von Sklaven, die ihr Leben für den Transport der Steine der Pyramiden verloren, waren        unbedeutend. Die toten Statuen waren das Wesentliche. G’tt wollte dieses unmenschliche Denken aus dem Jüdischen Volk verbannen.

Unmittelbar nach dem Exodus ließ G’tt Sein Volk in

provisorischen Hütten leben. Dies unterstreicht, dass der

lebende Mensch im Mittelpunkt der Beziehung zu G’tt

steht. Die Kultur der Kolosse Ägyptens wurde symbolisch abgeschafft. Heiligkeit können wir nur erlangen, wenn wir uns von der materialistischen Ewigkeit lösen, in der Naturkräfte und menschliche Kreativität im Mittelpunkt stehen.

Im Judentum geht es um den Menschen und seine Beziehung

zum Allmächtigen. Die Laubbedeckung muss transparent sein. Wir müssen in der Lage sein, von unserem irdischen Zuhause aus nach oben zu schauen und den Himmel zu sehen. Wenn wir G’tt und unsere Mitmenschen vergessen, liegen wir völlig falsch.

Gog und Magog: die Antithese

Und an jenem Tag wird Gog auf den Boden Israels kommen”, sagt G’tt, “dann wird Mein Zorn entbrennen” (vgl. Hes. 38:18 – 39:1-10). Am ersten Tag des Laubhüttenfestes lesen wir auf der ganzen Welt über den Krieg von Gog und Magog, dem Vorläufer der Messianischen Befreiung.

Der Midrasch (Hintergrundinformationen) besagt, dass Gog beim Laubhüttenfest besiegt wird. Nach Rabbiner S. R. Hirsch sind Gog und Magog die Antithese zu allem, was wir von der Laubhütte lernen. Die Zerstörung der Herrschaft von Gog bis zum Ende des Laubhüttenfestes ist in der Tat der Sieg der Idee der Laubhütte über ihre Dach-Philosophie.

Alle 70 Nationen werden Soldaten stellen

Gog wird Israel mit einer riesigen Armee angreifen. Alle 70 Nationen werden Soldaten stellen. Am ersten Tag des Laubhüttenfestes lesen wir Sacharja, Kapitel 14. Das Kriegsgerät ist überwältigend. Das Ziel dieser Armee ist es, Israel zu zerstören oder zu erobern. Letztlich will Gog die Messianische Erlösung verhindern. G’tt hat sich während der gesamten Zeit des jüdischen Exils, also während der letzten 2.000 Jahre, zurückgehalten. Sein Zorn über diesen Versuch, die endgültige Erlösung zu vereiteln, wird so groß sein, dass G’tt offen Wunder vollbringen wird. Er wird die Pläne von Gog durchkreuzen. Seine Armee wird dezimiert werden.

Gog und Gag/Dach

Es ist nicht sicher, in welchem Zeitraum der Krieg von Gog und Magog stattfinden wird. Wer diese Gog und Magog sind, ist ebenfalls unklar. In der Genesis (10:2) ist Magog ein Sohn von Jephet und ein Enkel von Noah. Auch Gog ist ein Nachkomme von Jephet. Dieser Gog wird schließlich über ein Volk oder Land namens Magog herrschen. Gog und Magog sind die Kräfte, die versuchen werden, die endgültige Erlösung zu vereiteln.

Leben ohne G’tt

Das Wort Gog ist mit dem Wort “gag” verwandt, das “Dach” bedeutet. Nach Rabbiner S. R. Hirsch ist Gog der Vertreter der Gag-Philosophie. Seit Anbeginn der Menschheit glaubten die Ungläubigen, sie könnten ihr eigenes Leben führen, ohne die Autorität G’ttes anzuerkennen. Zur Zeit des Turmbaus zu Babel zum Beispiel glaubten die Menschen, sie könnten in einem riesigen Wolkenkratzer Sicherheit und Geborgenheit finden. Sie dachten, sie könnten ihr eigenes Dach und ihre eigene Sicherheit unabhängig von G’tt aufbauen. Auch Gog denkt, er sei unter seinem eigenen Dach unbesiegbar, das ihn von G’tt trennt. Magog ist der Lebensstil, der zu dieser Dach-Doktrin passt. Daher werden beide Begriffe, Gog und Magog, immer zusammen erwähnt. Es geht um einen Initiator und eine Lebensweise.

Vertrauen auf G’tt

Am Laubhüttenfest wohnen wir in einer baufälligen Hütte mit einem sehr dünnen und durchlässigen Dach. Es zeigt uns, dass wir uns der Autorität G’ttes unterordnen. Wir vertrauen auf die Fürsorge G’ttes. Wir glauben, dass die Tora G’ttes dem Leben des Menschen eine Richtung gibt. Dieser große Krieg am Ende der Geschichte ist ein Kampf zwischen der Wahrheit der Laubhütte und der Magog-Illusion. So wie der Turm von Babel zu Beginn der Menschheitsgeschichte dem Erdboden gleichgemacht wurde, so werden sich auch die Erfolge menschlicher Stärke, Erfindungsgabe, militärischer Überlegenheit und “gut durchdachter Politik” am Ende der Tage als bedeutungslos erweisen. In der Messianischen Endzeit wird die Menschheit unter den Flügeln der G’ttlichen Majestät Frieden finden. Letztlich vertrauen wir auf das G’ttliche in der Welt.

“Siehe, die Zeit kommt und die Prophezeiung wird Wirklichkeit”, sagt G’tt, “es ist der Tag, von dem alle Propheten gesprochen haben” (Hesekiel 39,8). Sobald der Tag der endgültigen Erlösung gekommen ist, wird die Erlösung sofort sichtbar werden. Es ist bereits Realität geworden” ist in der Vergangenheitsform geschrieben. Die Verheißung G’ttes macht das Kommen dieser Messianischen Zeit gewiss.

Wie der Turmbau zu Babel wird auch die Dach-/Gag-Philosophie von Gog und Magog in der Endzeit entlarvt werden. So wird der Turm von Babel einstürzen und das Vertrauen G’ttes in das menschliche Leben wird sich neu ordnen. Mögen diese Tage bald anbrechen!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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