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Der Schabbat ist ein Wesenszeichen des Judentums – Parascha Wajakhel-Pekude

Der Schabbat ist ein Wesenszeichen des Judentums - Parascha Wajakhel-Pekude
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„Aber der siebte Tag soll Euch heilig sein, ein Ruhetag für HaSchem (G“tt)“ (35:2).

Bevor wir den Mischkan, das Heiligtum, errichten durften, wurde uns zuerst die Schabbat-Ruhe angesagt: dass der Schabbat wichtiger sei, als die Erstellung des mitreisenden Heiligtums. Der Schabbat ist ein Geschenk: „HaSchem (G“tt) sprach zu Mosche: „Ich habe in meiner Schatzkammer ein prachtvolles Geschenk für Euch: den Schabbat. Erzähle den Bnej Israejl, dass ICH den ihnen schenken möchte“ (Midrasch).

Der Schabbat ist nicht so sehr eine Mitzwa, sondern eher eine Essenz des Judentums. Dieses geht auch aus dem Kiddsuch hervor, der Einweihung des Schabbats am Freitagabend. Wir sagen nicht: „G“tt hat uns den Schabbat befohlen“, sondern „G“tt hat uns mit Seinen Geboten geheiligt und Wohlbehagen in uns gefunden, uns den Heiligen Schabbat mit Liebe und Wohlwollen als ein Erbe gegeben“. Der Schabbat ist nicht nur ein Ganzes von Ge- und Verboten, sondern ein geliebtes erbliches Kulturgut.

Schabbat macht anders 

Manchen Menschen kann man es ansehen, dass es Schabbat geworden ist, auch wenn Du gerade nicht auf die Uhr geschaut hast. Verschiedene Gelehrte waren während der gesamten Woche ganz blass und fast farblos, aber am Schabbat erhielt ihre Gesicht eine Tönung. Andere Rebbes veränderten sich an Schabbat so sehr, dass Menschen sie einfach nicht erkannten.

G“tt als der Schöpfer des Universums

HaSchem (G“tt) heiligte wöchentlich EINEN Tag und segnete ihn (Genesis 2:3). Die Heiligkeit des Schabbats ist spürbar. Indem wir nicht arbeiten, zeigen wir, dass wir begreifen, dass G“tt der Schöpfer des Universums ist. Wir nehmen die neununddreißig schöpferischen Tätigkeiten nicht vor, um G“tt auch in dieser Hinsicht so viel wie möglich nach zu ahmen.

Partnerschaft

Ein Midrasch erzählt über die außerordentliche Rolle des Schabbats in unserem Menschsein: „Der Schabbat sprach zu G“tt: „Alles, was Du erschaffen hast, hat einen Partner. Aber ich habe keinen Partner!“. Da sprach G“tt zum Schabbat: „Das Volk Israel wird Dein Partner sein“.

konzentrieren, um was es tatsächlich geht 

Der Schabbat ist aus unserem Jüdischen Leben nicht mehr weg zu denken. Er ist ein integraler Bestandteil unseres Jüdischen Lebens geworden. Ist der Schabbat nicht der „darf-nicht-Kultus“? Nein! Durch allerhand Einschränkungen lernen wir und darauf zu konzentrieren, um was es im Leben tatsächlich geht.

unsere Lebenspartnerin, unser wahres ich

Der Rest der Woche ist zu stressig, alles muss schnell erfolgen. Nur am Schabbat können wir uns auf unseren tatsächlichen Sinn des Lebens fokussieren. Der Schabbat ist nicht nur ein Zeichen der Verbindung zwischen G“tt und Seinem Volk. Der Schabbat ist unsere Lebenspartnerin (wird ja „Königin Schabbat“ genannt). Nur mit dem Schabbat können wir lernen, was unser wahres ich ist.

 zum Ziel führen

Der Schabbat wird als heilig genannt. Zu heiligen bedeutet getrennt stellen. Aber auch: zum Ziel führen. Heilig ist auch die Ehe. Die Partner sind auf dem Weg, dem gemeinsamen Ziel entgegen zu streben, dieses bis dahin vor zu bereiten. Dieses Bild passt auch zur Verbindung des Jüdischen Volkes mit dem Schabbat.

Braut: keine Langeweile oder Gleichgültigkeit

Der Schabbat ist wie die Braut, die jeden Freitagabend durch den Bräutigam Israel wieder aufs Neue willkommen geheißen wird: „Lecha dodi – komme doch, Du Braut“. Der rhythmische, wöchentliche Zyklus hält unsere Beziehung zu unserem Schabbat-Status, unsere wirkliche Weise und Bestimmung, lebendig und frisch wie in der Jüdischen Ehe, in der zwölf Tage der Enthaltung die Partner vor Langeweile oder Gleichgültigkeit behütet. Am Schabbat finden wir zu uns selbst zurück und werden wieder EINS mit G“tt und mit unserer Familie.

Identifizierung mit dem Schöpfer

Der Mensch soll an Schabbat ruhen, da G“tt ruhte. Der Schabbat ist im Grunde genommen das Ideal, mit dem wir es G“tt nachmachen können. Wenn man an Schabbat ruht, tut man das, da man sich mit dem Schöpfer identifiziert. G“tt gab das Beispiel. Wir sollten wissen, wo wir uns Einhalt gebieten. Noch größer, als unsere Lust zu schaffen, ist unsere Fähigkeit, Grenzen zu setzen, um das, was wir geschaffen haben, zu beherrschen. Wir sollten verhindern, dass das von uns Geschaffene anfängt, über uns zu herrschen. Gerade in unserer Zeit ist diese Gefahr größer denn je.

G“tt nach zu machen 

Es geht letztendlich darum, dass wir uns mit G“tt identifizieren. Das Ziel dieser irdischen Schöpfung ist, das G“ttliche Element hinter dieser G“ttesverdunkelung zu suchen. Das können wir auf unterschiedliche Arten tun, aber der Jüdische Weg ist, es G“tt nach zu machen, indem wir versuchen, uns in G“tt zu versetzen, ohne uns an zu maßen, G“tt zu sein oder zu werden. Jeder Mensch hat einen Funken von G“ttlichkeit in sich und kann ein wenig versuchen, zu lernen, dieses Stückchen zu entfalten. Der Schabbat ist hierfür erschaffen worden und ist deshalb ein Wesenszug des Judentums.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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