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Die messianische Befreiung: jüdischer Geula und Messianismus – Parascha Wajigasch

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Die Offenbarung von Jossejf seinen Brüdern gegenüber wird schon mal mit der Offenbarung von HaSchem (G“tt) den Weltbürgern gegenüber zur Zeiten des Maschiach verglichen.

Die gesamte Episode des „Katz- und –Maus-Spiels“ von Jossejf, dem  Ägyptischen Vizekönigs mit seinen Brüdern, bündelte in der Mitteilung: „Ich bin Jossejf“. Die Brüder waren (hiervon) sprachlos. Sie hatten es nicht begriffen, dass sich hinter allen diesen eigenartigen Anschuldigungen und unbegreiflichen Zufällen ein Superhirn befand, dass sich einen meisterhaften Plan ausgedacht hatte, um sie – zu ihrem eigenen psychischen Wohl – für den Verkauf ihres Bruders Kappara (Versöhnung) zukommen zu lassen.

Auch zu Zeiten des Maschiach wird die Menschheit mit Sprachlosigkeit durch die Mitteilung befallen sein: „ICH bin HaSchem, der die Weltgeschicke  und –Geschichte steuert und alles unternommen hat, um Euch zum Endziel meines Meisterplanes, die Schöpfung, zu lotsen“.

Die gesamte Haftara steht im Zeichen der gelungenen Umsetzung des Schöpfungsplanes am Ende von sechs Tausend Jahre des Leidens (Jecheskjel Hauptkapitel 37:15-28).

Nach der Prophetie des Tales mit den Knochen, prophezeit Jecheskjel erst über die Einheit innerhalb des Jüdischen Volkes: „Nicht länger sollen sie aus zwei Völkern bestehen und über zwei Königreiche verteilt sein“ (37:22). Anders als zur Zeiten des Tenach, wird das Jüdische Volk nicht mehr in zwei Königreiche aufgeteilt sein, dem Nordreich, dass Israel hieß unter Leitung von Jerowam und dem Südreich, dass Jehuda hieß unter dem Sohn von König Schlomo, Rechavam.

Das gesamte Israel wird sich wieder EINEN König teilen: „David, MEIN Diener, wird ihr König sein, und zusammen werden sie EINEN Hirten haben“ (37:24).

Letztendlich ist David nur der Diener HaSchems (G“tt). Die Herrschaft G“ttes ist unbestritten: „Meine Regeln werden sie beachten und nach Meinen Gesetzen werden sie leben“.

Weshalb David hier vermerkt wird? Es könnte sein, dass dieses sich auf einen wieder auferstandenen König David bezieht, der zur Zeiten der Techiat Hamejtim, der Wiederauferstehung der Toten, wiedergeboren auferstehen wird.

Aber es kann auch der Maschiach sein, der von David abstammt, oder ein Nachkomme von König David, der unter dem allgemeinen Namen „David“ das Gemeinwesen steuert. Die Juden werden nach Israel (also nach Eretz Israel) zurück kehren: „Sie werden im Land wohnen, dass ich meinem Diener Ja’akov gegeben habe, im Land Euerer Vorväter“ (37:25).

Das Ziel des Maschiach

Was ist eigentlich das Ziel oder der Sinn der Ankunft des Maschiach? Weshalb benötigen wir einen Maschiach? Das größte Problem, dass ein religiöser Mensch haben kann, ist die Frage, wie es sein kann, dass G“tt, Der so perfekt ist, eine so schwer zu verstehende Welt erschaffen hat.

Der Maschiach wird klar und deutlich zeigen, wie perfekt die Welt zusammengesetzt ist. Die Tatsache, dass wir das jetzt nicht sehen, ist unserer spirituellen Blindheit zuzuschreiben. Unsere Augen werden geöffnet werden und wir werden die Hand G“ttes überall fest stellen.

Anzeichen

Gibt es Anzeichen eines sich anbahnenden Messianischen Zeitalters? Wir leben jetzt fünftausendsiebenhundertundachtzig Jahre nach der Schöpfung. Laut einer Talmudischen Tradition wird diese Welt in ihrer heutigen Gestalt sechs Tausend Jahre fort bestehen. Wir leben also Freitagnachmittag. An Freitagnachmittag, kurz vor Schabbat, geht in einer Jüdischen Familie alles schneller, als Vorbereitung für den Schabbat. Die sechs Tage der Woche werden auch in Millennia, also in Tausenden der Jahreszeitrechnung, zum Leben gehören.

Rabbi Aryeh Kaplan (zwanzigstes Jahrhundert, New -York) erklärt, dass wir in einer sich sehr beeilenden Zeit leben. In den vergangenen einhundert achtzig Jahren sind wir im Bezug auf die technologische Entwicklung enorm schnell voran geschritten. Wir leben in einer Zeit, in der Menschen keinen Krieg mehr tolerieren, das Unrecht und die Ungleichheit bekämpfen und all das Böse, dass früher als unvermeidlich hingenommen wurde, versuchen, aus zu löschen. Weshalb sehen wir diese plötzlichen Veränderungen?

Es sieht danach aus, dass G“tt nach und nach im Begriff ist, auf die Vervollständigung der menschlichen Gesellschaft hin zu arbeiten. Am Ende der Tage wird es sich zeigen, dass genau so wie G“tt perfekt ist, auch das Universum und das menschliche Zusammenleben im tiefsten Sinn vollkommen ist.

Aber kann EIN Mann die gesamte Welt verändern? Ich glaube schon. Hitler war im Stande, die Welt an den Rand des Abgrundes zu bringen. Dann sollte das auch in positivem Sinn möglich sein. Für diese positive Aufgabe hat der Maschiach wohl Hilfe von Oben nötig, um letztendlich das Gute innerhalb der Menschheit nach Oben zu fördern, aber er muss nicht ein unsterbliches Wesen sein.

Der Maschiach wird ein Nachkomme von König David sein. Maimonides schreibt ganz klar, wie das alles stattfinden wird: „Wenn ein Herrscher aus dem Hause David aufsteht, der sich mit der Thora und den Mitzwot intensiv beschäftigt, genauso wie sein Urahne David, der sich sowohl mit der Schriftlichen, wie mit der Mündlichen Lehre befassen wird, und Israel zur Thora zurück führt, ihre Vorgaben verstärkt und die Kriege G“ttes führt, dann dürfen wir annehmen, dass er der Maschiach ist. Wenn es ihm gelingt, den Tempel an seiner ursprünglichen Stelle wieder auf zu bauen und er es versteht, alle Verstreuten von Israel darin zu versammeln, dann ist sein Status als Maschiach bestätigt worden“ (Jad, Melachim 11:4).

Aber der Maschiach könnte sich auch vollkommen unerwartet offenbaren, wie Maimonides in seinem Igeret Teman, in seinem Brief an die Juden im Jemen, schreibt. Moderne Kommunikationsmittel könnten für eine sofortige, weltweite Offenbarung genutzt werden und dazu dienen.

Zwei Traditionen

Über die Frage, wie der Maschiach eintreffen wird, gibt es zwei Traditionen. Die eine besagt, dass der Maschiach auf wundersame Weise erscheinen wird: „Schau! Jemand wie ein Menschenkind wird mit den Wolken vom Himmel kommen“ (Daniel 7:13). Aber es steht beim Prophet Secharja (9:9), dass es auch möglich sei, dass „Euer König zu Euch kommt, demütig und auf einem Esel reitend“.

Wenn wir für Wunder würdig sein sollten, wird der Maschiach auf Himmlische Weise kommen. Sollten wir keinen Wundern würdig sein, wird er uns auf natürliche Weise erscheinen. Krankheiten werden verschwinden. Schwere körperliche Arbeit wird nicht mehr nötig sein, so dass man sich der höchsten geistigen Vervollständigung wird widmen können.

Die Kabbala, die Mystik-Lehre, hatte voraus gesagt, dass in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein enormer technischer Fortschritt erfolgen würde. Tatsächlich steht im Sohar (1:117a), dass die Quellen der Weisheit im sechsten Millennium sprudeln werden. Das ist, was wir in unserer Zeit, im Anno Mundi (dem Schöpfungsjahr) 5780, erleben.

Wir haben die industrielle und andere technische Revolutionen mit gemacht. Das wird wohl ein oder der Anlauf zum Anfang einer Messianischen Zeit sein können.

Die Beschleunigung und die Intensivierung internationaler Verbindungen führten zu einem noch nie da gewesenen technologischen Fortschritt, zu sozialen Veränderungen und zu ideologischen Umwälzungen.

Die Frauen brauchen nicht mehr mit Schmerzen zu gebären. Die Männer brauchen nicht mehr im Schweiß ihres Angesichts Geld zu verdienen. Alle Völker werden den Wahnsinn des Krieges einsehen. Schwerter werden zu Pflugscharen um geschmiedet werden, der Wolf wird neben dem Lämmlein liegen, diejenigen mit gebrochenem Herzen werden gesund werden, für alle, die gefangen gehalten werden, wird die Freiheit ausgerufen werden und diejenigen, die geknechtet sind, los lösen (Jeschaja 61:1). Maimonides besagt dieses alles bereits in seinem großen Gesetzbuch vorab (Jad, Melachim 12:1).

Große Probleme

Trotzdem wird die Ankunft des Maschiach mit großen Problemen verknüpft sein. Unsere Weisen haben gesagt, dass vor der Ankunft des Maschiach große Veränderungen erfolgen würden und die Welt von einem großen Leid betroffen sein würde. Aber das hängt von der Art ab, wie der Maschiach kommt. Sollte er uns auf eine wundersame Art erscheinen, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass diese „ Geburtswehen des Maschiach“ vermieden werden könnten.

Aber die Welt ändert sich schnell. Der Talmud sagt vorher (B.T. Sota 49b), dass die überlieferten Traditionen missachtet würden. Die Generationen werden in unterschiedlichen Welten aufwachsen, ein Phänomen, das wir bereits jetzt mit erleben.

Die Chutzpe wird triumphieren

Es bestehen mehr Anzeichen eines sich nähernden Messianischen Zeitalters. Der Talmud setzt mit der Behauptung fort, dass die Regierungen gottlos würden und man religiösen Menschen nur noch mit Missachtung begegnen würde. Die Ungläubigen werden ihre Stimmen erheben und niemand wird mehr vor dem anderen Respekt haben.

Es wird selbst vorher gesagt, dass die Chutzpe (die Brutalität) den Sieg erzielen wird und dass die Menschen immer neue Dinge werden sehen und hören wollen und mit den alten Dingen unzufrieden sein würden. Innerhalb der Familie würden die Menschen einander feindselig begegnen und niemand wird die Ausreißer, also diejenigen, die die althergebrachten Normen missachten, in die Schranken weisen können. Es ist klar, dass die religiöse Tradition hierunter ernsthaft leiden wird. Die Zersplitterung wird zunehmen. Jede Gruppierung, auch innerhalb des Judentums, wird behaupten, dass sie die Weisheit gepachtet hat. Die Wahrheit zu finden, wird äußerst schwierig werden.

Das Land Israel spielt bei der Messianischen Entflechtung eine bedeutsame Rolle. Die meisten Juden werden noch vor der Ankunft des Maschiach nach Israel zurück kehren. Zu diesem Zeitpunkt, also bei der andauernden und fortschreitenden Rückkehr, ist das ein Zeichen eines sich anbahnenden Messianischen Zeitalters. Der Tempel jedoch ist noch nicht wieder aufgebaut. Hoffnung lässt leben und wir bleiben hoffen…  

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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