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HAVDALA – Verabschiedung des Schabbats

HAVDALA - Verabschiedung des Schabbats
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Seit der Corona-Krise haben die Rabbiner der jüdischen Gemeinde Düsseldorf damit begonnen, Havdala durch soziale Medien für alle diejenigen in der Gemeinde zu schaffen, die daran teilnehmen möchten.

Aber was ist dieses Havdala?

Havdala bedeutet wörtlich übersetzt Unterscheidung, wird aber als Verabschiedung des Schabbats verstanden.

Nach dem Abendgebet, Motzaei Schabbat, (ausgehender Schabbat) wird die Havdala sowohl in der Synagoge als auch zuhause gesprochen, wodurch wir uns offiziell vom Schabbat verabschieden.

Hierbei wird eine Beracha über den Wein und über Besamim, duftende Kräuter, gesagt.

Wein – Jajin

Wir machen Havdala über Wein, weil der Wein unseren Zeremonien zu Beginn und am Ende des Schabbats besonderes Gewicht verleiht. Das Kiddusch bekommt zusätzliches Gewicht, weil es über dem Wein ausgesprochen wird, aber auch mit Havdala bekommt der Abschied vom Schabbat mehr zeremoniellen Wert, wenn wir ihn über dem Wein aussprechen.

Besamim – Gewürze

Wir nehmen an der Havdala besondere Gewürze ein, weil unser Neschema jetera, unsere zusätzliche Schabbatseele, sich nach dem Ende des Schabbats verabschiedet. Um die Trauer über diese Trennung etwas zu lindern, riechen wir köstlich duftende Gewürze um das:

-Aroma und den Geruch des Schabbats und

-unserer “Neschama jetera”, unserer zusätzlichen Schabbatseele, die uns besonders empfindlich für das geistige Leben macht,

nostalgisch als ein Stückchen der Heiligkeit des Schabbats noch ein Bisschen festzuhalten.

Beracha über Feuer

Bei der Havdala wird auch eine Beracha über Feuer in Form einer brennenden geflochtenen Kerze gesprochen. Diese Beracha heißt Bore me’ore ha’esch, G’tt kreiert die Lichter des Feuers. Feuer symbolisiert den Motor unserer Energie und Produktivität. Die Arbeitswoche beginnt von vorne.

Bore me’ore ha’esch

Aktivismus, Rationalität und Kontrolle scheinen in manchen Kontexten eine negative Konnotation zu haben. In der jüdischen ‘Weltanschauung’ ist es ein g-ttliches Gebot, zum Aufbau dieser Welt beizutragen: “G‘tt schuf sie als Männer und Frauen. Und G-tt hatte sie gesegnet und zu ihnen gesagt:” Sei fruchtbar und vermehre dich, erfülle die Erde, und herrsche über sie “ (Bereschit / Gen. I: 27-28).

G-tt begrenzt sich

Das Judentum fördert, dass der Mensch G-ttes Partner werden kann. G-tt begrenzt sich sozusagen um dem Menschen Raum zu bieten, seine Fähigkeiten zu entwickeln. Hellenismus und Judentum haben sehr unterschiedliche Traditionen, wenn wir die Frage aufwerfen, wie der Mensch zum Feuer kam, dem Element, das jeglichen (technischen) Fortschritt garantiert.

Nach griechischen Mythen wollten die Götter dieses Geschenk nicht an Menschen weitergeben. Prometheus musste dies stehlen und dafür viel bezahlen. Die Herrscher hatten das Feuer niemals freiwillig aufgegeben. Der Mensch konnte nicht mehr als eine Marionette der Götter sein.

G-ttes Partner

Die jüdische Tradition lehrt uns, dass G-tt Adam unmittelbar nach der Vertreibung aus dem Paradies – genauer gesagt am Samstagabend – das Feuer übergab und ihm sogar zeigte, wie man es benutzt! Adam, der erste Mensch, dankte G-tt spontan mit einem Segensspruch.

Wir sagen immer noch am Ausgang des Schabbats einen Segensspruch über das Feuer und öffnen die Hand, um zu zeigen, dass wir wieder arbeiten können. Denn die strengen Shabbatruhe ist vorüber.

positive Konzepte

Aktivismus, Rationalität und Kontrolle sind positive Konzepte im Judentum. Dennoch sollten Menschen in diesem und aus diesem Grund nicht übermütig werden. Unsere Religion enthält natürliche und religiöse Elemente, die uns an unsere Endlichkeit und Begrenztheit erinnern, um das Bewusstsein zu schärfen, dass wir niemals wirklich g-ttlich sind.

unsere Endlichkeit und Begrenztheit

Im Schlaf wird uns klar, dass unsere Kreativität und Energie begrenzt sind.

Die obligatorische Shabbatruhe, die Gebetsmomente und die Lernstunden zum Studieren der Tora lassen uns über die:

-Quantität,

-Qualität und

-Richtung des Aktivismus nachdenken, den unser G-tt gegeben hat.

Schavua tov – Wir wünschen Ihnen allen eine gute Woche!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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