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Nur wenn Matza und Maror vor dir sind

Nur wenn Matza und Maror vor dir sind
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SEDERABEND HAGADA – Teil 7

„Nur wenn Matza und Maror vor dir sind“

Jachol („Ich hätte denken können“)

„Jachol“ handelt von der Zeit, in der wir vom Auszug aus Ägypten sprechen sollten.

1) Ich hätte an Rosh Chodesh Nissan denken können, denn dort gab G-tt Mosches Befehle über das Pessach und Mosches begann, die Gesetze des Pessach zu lernen.

2) Ich hätte auch denken können: „bajom hahu“ an diesem Tag, d.h. Erev Pessach, weil dort das Pessachopfer geschlachtet wurde.

Deshalb heißt es aus diesem Grund „ba’avur se“. Ich muss es nur sagen, wenn die Matza und der Maror vor mir sind, und das ist erst am Abend 15. Nissan, der Abend des Seders.

Wir müssen es nachts erzählen, denn das war der Moment der Plage der Erstgeborenen, die den Exodus auslöste.

„Nur wenn Matza und Maror vor dir sind“

Warum brauchen wir all diese Vorschriften und Verbote so dringend? Nur an den Auszug aus Ägypten zu denken, kann zu tiefen Einsichten führen, muss aber nicht zu unserem spirituellen Wachstum beitragen. Wir müssen auch trockene Matze essen, um zu erfahren, wie billig sich Sklavenfutter anfühlte. Wir müssen die bitteren Kräuter probieren, um diese Bitterkeit zu erfahren, bevor wir uns mit unseren Vorfahren identifizieren können. Es geht um emotionale Veränderungen und sie werden nur durch praktische Handlungen und klar identifizierbare Objekte hervorgerufen, die vor uns liegen.

Einsicht wird kommen

Matsa und Maror vor uns, erinnern uns an die Aussage zu Beginn: „Na’ase Wenishma“ – „Wir werden es tun und wir werden es verstehen“. Das Warten, bis die intellektuelle Einsicht durchbricht, dauert zu lange. Wir haben die Gebote als Taten in unserem täglichen wirklichen Leben angenommen. Vielleicht werden wir später die tieferen Hintergründe verstehen.

Jachol

Was ist der Chiddush (das Neue) in diesem Stück, welche neuen Fakten gibt es hier, die wir noch nicht kannten?

Vor Matan Tora (dem Geben der Tora) war Matsa überhaupt keine Mitzwa, es war nur ein flaches Stück Brot, und ein Korban des Pessachfestes war nichts besonderes, nur ein Lamm, und Maror war noch nicht Maror, nur bitteres Kraut.

Matan Tora hat all diese Dinge zu einer Mitzwa gemacht und festgestellt, dass ein Schwein und ein Pferd trejfe Tiere sind und dass eine Kuh koscher ist. Materielle Angelegenheiten haben von Matan Tora einen religiösen Stempel erhalten. Es gibt Dinge auf der Welt, die ok sind, und Dinge, die sich nicht dazu qualifizieren, „jüdisch“ (koscher) zu werden.

Die Welt ist in koscher (geeignet) und nicht koscher unterteilt. Das heißt: Vor Matan Tora waren die Mitzwot nur persönliche Verpflichtungen, nach Matan Tora ist es Teil der Heiligkeit geworden, die Handlung selbst hat eine Kedusha erhalten. Aus einem Stück Pergament, ursprünglich ein mit Tinte beschriebenes Rindsleder, ist eine SeferTora (Keduscha) geworden. Das ist der wesentliche Unterschied zu Prä-Matan Tora.

Das jüdische Volk entstand beim Auszug aus Ägypten. Die Besonderheit des jüdischen Volkes ist, dass es Mitzwot in dieser Welt hat, Dinge, die kadosch oder non-kadosch sind (Trejfa oder tame).

Ich kann die Mitzwa des Erzählung über der Exodus nur tun, wenn ich Dinge vor mir habe, die Hakadosch Baruch Hu als Mitzwot bezeichnet hat, mit anderen Worten: konkrete Objekte. HaSchem kann sogar in der irdischsten, materiellsten Realität wohnen, und wir sehen, dass in jenen Dingen, die zu Kadosch werden, auch konkrete Objekte sind, die zu Mitzwot erhoben werden.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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