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Sind Gebote noch praktisch durchführbar? – Parascha Mischpatim

Sind Gebote noch praktisch durchführbar - Parascha Mischpatim
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Hat die Tora an Wert eingebüsst, da viele Gebote jetzt praktisch nicht mehr durchführbar sind? Rabbi Mosche aus Coucy (dreizehntes Jahrhundert) vermerkt, dass die Mitzwot zwei Aspekte kennen – na’asse wenischma: tun und verstehen.

Bei vielen Mitzwot können wir glücklicherweise beide Aspekte erfüllen: wir legen zum Beispiel Tefillin und können auch den tieferen Sinn davon ergründen. Aber bei anderen Mitzwot können wir nur die vorgegebene Handlung durchführen – da die Hintergründe unseren Verstand übersteigen, wie bei scha’atnejz (das Verbot, Wolle und Leinen zusammen in einem Kleidungsstück zu verarbeiten) – oder wir können lediglich die Bedeutung studieren, da die praktische Umsetzung nicht mehr möglich ist. Aber da Haschem unendlich ist, sind alle Aspekte SEINER Ge- und Verbote das auch und überdauern Zeit und Ort!

Die Heiligkeit der Mitzwot ist nicht an irdische Umstände gebunden. Unter allen denkbaren Umständen behalten sie ihren Wert und Bedeutung, immer – wo auch immer. So vermerkt der Talmud bei der Erteilung der Regeln zum widerspenstigen Sohn – vergleichbar mit einem kriminellen Drogenabhängigen heutzutage – dass, obwohl es nie in der Geschichte zu einer Verurteilung gekommen ist, es sich lohnt, am Studium des entsprechenden Lern- und Lehrstück dran zu bleiben. Und in der Tat, gerade in unserer Zeit wird dieses Stückchen Tora wieder äußerst relevant.

Die Zeit überdauernd

Rabbi Sa’adja Ga’on (achthundertzweiundneunzig bis neunhundertzweiundvierzig, Babylon) unterscheidet zwei Kategorien von Mitzwot: sichlijot und schimmiot, intellektuelle und praktische Gebote. Manche Mitzwot sind sofort zu verstehen, aber andere sind beinahe nicht zu packen. Der Mensch soll jedoch Haschem mit “seinem ganzen Vermögen dienen” und auch von den nicht ergründbaren Geboten versuchen, die Hintergründe zu erforschen. Der anscheinende Grund der Mitzwot darf jedoch nie die Richtschnur für unser tägliches Leben werden.

Rabbejnu Bachja ibn Pakuda (elftes Jahrhundert, Spanien) schreibt, dass wir uns nicht auf die Hintergründe der Mitzwot blindlings festlegen sollten. Das Studium der Bedeutung der Gebote ist eine große Sache, aber bestimmt nicht ob und wann das alles dann nicht gültig sei.

Die Tora und die Mitzwot sind unter anderem gegeben worden “letsarejf et haberijot” – um die Menschheit in die Lage zu versetzen, den Charakter zu verbessern. Dieses bildet den Kern der Mitzwot. Da die Mitzwot selber über das hier und heute stehen, haben sie den gleichen Effekt auf uns. Die Zahl der Ge- und Verbote ist sechshundertdreizehn. Zweihundertachtundvierzig Gebote gegenüber der Anzahl unserer Knochen und dreihundertfünfundsechzig Verbote gegenüber der Anzahl unserer Blutgefässe, die unser Körper beinhaltet. Alle unsere menschlichen Aspekte werden durch die Tora abgedeckt, erhaben und geheiligt durch die Mitzwot. Ein mehr erfülltes Leben gibt es nicht!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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