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Der Tabernakel – Parascha Teruma

Der Tabernakel - Parascha Teruma
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Der Tabernakel, also das Stiftzelt, das mobile Heiligtum in der Wüste, war in drei Bereiche unterteilt: ein Innenraum, das Heiligtum und das Allerheiligste.

Im Allerheiligsten befand sich die (Bundes)Lade, darin die Steinernen Tafeln und die Thora-Rolle von Mosche. Die gesamte Lade war mit sauberem Gold überzogen. Auf dem Deckel befanden sich zwei goldene Cherubine, Engel mit Kindergesichtern, die ihre Flügel nach oben entfalteten (25:20). Verschiedene Aspekte benötigen Erläuterungen.

1.        Laut Maimonides deuteten die Cherubine symbolisch an, dass es in der Tat Engel gibt. Diese Engel überbringen die Worte G”ttes als Botschafter den Menschen. Durch Engel wird Prophezeiung möglich.

2.        Um diesen Glauben zu bekräftigen, hat G”tt angewiesen, die Heilige Lade mit zwei Engel zu zeigen. Der eine Cherubin hatte ein Jungensgesicht und der andere das Gesicht eines Mädchens. In unserem Heiligtum befinden sich die Kinder in der Mitte!

3.        Die Kindergesichter der Cherubine auf der Lade mit der Thora unterstrichen die Wichtigkeit der Wissensvermittlung an die Jugend: “Aus dem Mund kleiner Kinder habet Ihr Kraft gefestigt”. Wissen ist Macht.

4.        Die Cherubine hatten die Form zweier kleiner Kinder, die unbefleckt und frei von Sünde waren. Sie befanden sich auf der Lade mit den zwei Steinernen Tafeln und der Thora-Rolle. Das lehrt uns, dass das höchste Ideal des Menschen die Verbundenheit mit der Thora ist.

5.        Weshalb gab es zwei Cherubine? Nur EIN Cherubin war nicht möglich, da man hätte denken können, dass dieses das Antlitz G”ttes hätte sein können. Die Tatsache, dass es zwei Engel waren, deutet darauf, dass es mehr Engel gibt.

6.        Wie kann die Thora vorschreiben, Engel im oder auf dem Allerheiligsten zu befestigen? Verstoßen wir nicht gegen: “Du sollst/Ihr sollt Dir/Euch kein einziges Bild und Abbild machen, nichts von dem, was oben im Himmel oder unten auf der Erde ist”?

Abarbanel (fünfzehntes Jahrhundert, Spanien) erläutert, dass dieses Verbot nur die Erstellung von Bildern verbietet, die man anbeten wollte. Aber das Tempelbauwerk und alle Gegenstände darin waren ausschließlich auf den Einen Allmächtigen ausgerichtet. Engel symbolisieren die ewige Verbindung zwischen dem Menschen und dem Allmächtigen.

7.        Die zwei Cherubine symbolisierten weiterhin Bescheidenheit: jeder, der sich sprichwörtlich “auf der Heiligen Lade” befindet und das Jüdische Volk als Talmid-Chacham (Gelehrter) führt, sollte wissen, dass er lediglich die Ebene junger Leute erreicht hat, die noch nicht genügend gelernt haben. Deshalb heißen Gelehrte bei uns auch Talmidé Chachamim, Schüler von Weisen und selber keine Gelehrte. Dieses verweist darauf, dass jeder im Lernprozess zu verbleiben hat – education permanente – und spirituell wachsen sollte.

8.        Rabbi Baruch Epstein (zwanzigstes Jahrhundert) vermerkt, dass die Cherubine die Formen von Kindern hatten, um das Mitleid G”ttes zu erwecken. Wenn das Jüdische Volk sündigt, ist die symbolische Botschaft, dass dieses aus “jugendlichem Leichtsinn” erfolgt, für den der Allmächtige hoffentlich ein Suge zu drückt.

9.        Andere erklären (B.T. Joma 54b), dass als die Juden nach Jerusalem pilgerten, man den Parochet (den Vorhang vor dem Allerheiligsten) zusammen rollte und den Pilgern die Cherubine zeigte, die zu einander schauend ausgerichtet waren.

Die Kohanim (Priester) sprachen dann zum versammelten Volk: “Sehet her, wie beliebt Ihr bei G”tt seid, wie die Liebe zwischen Mann und Frau”. Die zu einander ausgerichteten Cherubine betonten die gegenseitige Liebe zwischen dem Jüdischen Volk und G”tt.

10.     Kabbalisten glauben, dass das Goldene Kalb, analog zu den Cherubinen im Allerheiligsten, angefertigt wurde. Sie wussten, dass die Cherubine als Symbol für die Verbindung zwischen dem Höheren und dem Niedrigeren dienten. Das Objekt oder die Figur Goldenes Kalb war also nicht so sehr eine Äußerung von Abkehr oder Verneinung von G”tt. Das Problem mit dem Goldenen Kalb lag eher in der Tatsache, dass sie etwas konkretisieren wollten, dass nicht in grober irdischer Weise eine Gestalt erhalten durfte, nach menschlichen Vorstellungen und Ideen erstellt.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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