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Respekt vor Gerim (Konvertierte zum Judentum) – Parascha Ekew

Respekt vor Gerim Konvertierte zum Judentum - Parascha Ekew
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Mitglieder des Stammes Jehuda heißen Juden. Der Begriff „Juden“ ist nicht nur anwendbar auf die Enkelkinder des Stammesvaters Jehuda, dem Sohn des Erzvaters Ja’akov, der vor ungefähr dreitausendfünfhundert Jahre lebte. Der Begriff „Juden“ ist auch anwendbar auf die Abstammenden von allen zwölf Stämmen, die im Königreich Jehuda – um Jerusalem herum – und dem nördlichen Reich Israel vereint waren.

 

Wir bilden keine Rasse, sondern sind vordergründig eine Volksgemeinschaft. Es ist uns auf wundersamer Weise gelungen, unsere Identität zwischen dem Jahr siebzig nach der Zeitrechnung – als der Tempel zerstört wurde – und heutzutage im postmodernen Israel, zu erhalten. Dankenswerterweise durch unsere Religion und Tradition und trotz aller Pogrome.

 

Jemand ist Jüdisch, wenn er (oder sie) eine Jüdische Mutter hat. Man kann auch Jüdisch werden. Das benötigt Zeit und intensives Lernen: den Erwerb von Wissen, die Umsetzung und das sich in die Kultur einleben. Wir kennen kein Missionieren. Aber es ist wohl unsere Aufgabe, andere zu inspirieren.

 

„Habet den Ger lieb, denn Ihr wart Gerim im Land Ägypten“ (10:19). Das ist die wörtliche Übersetzung. Mit „Habet den Ger lieb“ wird auch gemeint: Behandelt den Ger mit Achtung und Herzenswärme.

 

Wir dürfen Gerim (Proseliten) nicht benachteiligen oder beleidigen. Raschi erklärt hier, dass wir „unsere eigenen Mängel nicht auf Andere übertragen sollten“. Dieses ist Tora-Psychologie. Raschi hat dieses Prinzip schon verschiedene Male als Erklärung benutzt. Im Schemot/Ex. 22:20 sagt Raschi dasselbe mit Worten: „Einen Ger darfst Du nicht betrügen und verstoßen“. Und auch in Wajikra/Lev. 19:33-34 wird über die Zuneigung zum Fremden gesprochen, nachdem davor gewarnt wurde, sie zu benachteiligen.

Deshalb muss Raschi deutlich dazu sagen, dass wir unsere eigenen Mängel nicht auf den Fremdling und auf den Ger projektieren dürfen. Dieses würde zu Unterdrückung und Diskriminierung führen können.

 

In Ekev wird jedoch nur über die warmherzige Zuneigung, das Liebgewinnen des Gers, gesprochen.

„Ihr sollt den Ger liebevoll behandeln, denn Ihr wart Fremdlinge in Ägypten“. Es ist nicht notwendig, die Aussage „projektiere Deine eigenen Mängel nicht auf einen anderen“ hinzu zu ziehen, um diesen Passuk zu erklären.

 

Raw Awigdor Bontschek befasst sich mit der Logik dieses Auftrages in Bezug auf Liebe, auf lieb haben. Solltest Du jemanden gern haben, da Du irgendwann dasselbe durchgemacht hast oder getan? Sollten alle Fußballspieler andere Fußballspieler gern haben, da sie irgendwann mal Fußball gespielt haben?

Die Tora untermauert das Gebot, den Fremdling gern zu haben, indem sie uns an die Vergangenheit erinnert. „Missbrauche, besser: benachteilige den Fremdling nicht, wie die Ägypter uns missbraucht haben“. „Liebet Euern Nächsten wie Euch selbst“ wird von Hillejl erklärt als: „Was Ihr nicht wollt, dass es Euch geschieht, dann tut es auch einem Anderen nicht an“. Etwas Positives wird durch ein Verbot konkretisiert.

 

Wenn wir unsere eigenen Schwächen auf einen Anderen projektieren, verleugnen wir unsere eigenen Mängel und bürden diese der Person auf, die uns gegenüber steht. Die Tora wusste das schon VOR Freud. Hätte die Tora nur beabsichtigt, dass wir einen Ger nicht benachteiligen sollten, dann hätte die Tora nicht so weit zu gehen gebraucht, uns an zu weisen, den Ger zu mögen.

 

Aber Raschi achtete auf den Kontext, wo deutlich steht, dass G“tt der Witwe und dem Waisen gegenüber gerecht sei. Er mag den Fremdling, um ihm Brot und Kleidung zu geben (10:19). Im Grunde genommen möchte G“tt, dass wir IHM in gleicher Weise folgen. Während der gesamten Sidra kommt das Wörtchen Liebe sieben Mal vor. Das bedeutet, dass es hier um mehr geht, als nur um nicht zu benachteiligen. Wir sollten auf den Pfaden G“ttes wandeln. G“tt mag den Fremdling. Deshalb sollten auch wir das tun.

 

Auffallend ist, dass manche zwischen uns mit Gerim ein Problem haben. Ich empfinde das als eine böse Angelegenheit, zumal die Tora ernsthaft davor warnt, Gerim schlecht zu behandeln.

Einem der Gelehrten aus dem Mittelalter, dem Raschbam, einem Enkel von Raschi, wurde mal ein Schidduch mit einer Gioret vorgeschlagen. (Ein Schidduch ist die jüdisch-orthodoxe Art einer beabsichtigten Eheanbahnung). Er wollte sie nicht heiraten, da er befürchtete, dass er die sechsunddreißig Verbote der Zufügung von Schmerzen an einem Ger in seiner Ehe überschreiten würde. Hieraus können wir alle eine Lehre ziehen. 

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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