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Respekt vor G“tt und Liebe – Parascha Noach

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Respekt vor G“tt und Liebe – Parascha Noach

Respekt vor G“tt und Liebe

Es würde eine Sintflut kommen. Die Menschen waren verkommen, auf tiefsten moralischem und sittlichem Niveau angelangt. Alles musste erneuert werden, von Mensch bis Tier.

Aber weshalb wurden auch die Tiere bestraft, die keinen freien Willen haben? Raschi (tausendvierzig bis elfhundertfünf) erklärt, dass die Tiere ausschließlich für den Menschen erschaffen wurden. Da die Menschen jetzt von der Bühne verschwinden, gehen auch die Tiere mit.

„Noah, ein anständiger Mann, war unter seinen Zeitgenossen vollkommen“ (6:9)

Noah wird unter seinen Zeitgenossen, wenn wir uns mit seiner biblischen Figur beschäftigen, als vollkommen bezeichnet. Was dieses bedeutet, führte zum Meinungsunterschied:

  1. Manche unserer Gelehrten erklärten dieses als einen Lob für Noah. Wenn er schon in einer schlimmen Zeit so gut war, dann würde er in einer Generation guter Menschen sicherlich noch viel besser gewesen sein!
  2. Aber andere legten das zu Noahs Nachteil aus. Noah war im Verhältnis zu seiner Generation ok, aber hätte er zu Zeiten Abrahams gelebt, so hätte er überhaupt keine Bedeutung gehabt.        (Noah war ein „Gerechter“ in seinen Zeiten).

Laut der letzteren Erklärung lebte er als „Einäugiger König“ im Land der Blinden. Hätte er zu Zeiten von Mosche oder des Propheten Schmu’ejl gelebt, dann wäre Noah unbedeutend gewesen. Wie können wir diese beiden Aussagen oder Meinungen harmonisieren?

 

Die erste Erklärung lautet: Noah war anders als unsere Erzväter. Unsere Erzväter taten MEHR, als von ihnen erwartet wurde. Noah machte genau das, was G“tt von ihm verlangte. Er tat das Gute und blieb dem Schlechten fern. Deshalb nennt ihn die Thora auch einen Tzaddik, einen Heiligen oder Gerechten. Jedoch wird er unterschwellig kritisiert, da er nicht mehr tat als von ihm erwartet wurde.

Awraham dagegen tat viel mehr, als von ihm erwartet wurde. Am dritten Tag nach seiner Brith-Mila, seiner Beschneidung, ging er, trotz heftiger Schmerzen, auf die Suche nach Gästen. Er suchte Anlässe, um Chessed (Liebe) zu bezeugen. Als keine Gäste vorbei kamen, ging er auf die Suche nach Besuchern. Dadurch, dass Awraham seine Grenzen überschritt, wurde er erwählt und letztendlich eine komplett andere und neue Persönlichkeit. Die Moral der Geschichte: tue MEHR als von Dir erwartet oder verlangt wird!

Aber es ist auch eine zweite Erklärung möglich. Noah wird in der Thora ein perfekter Tzaddik genannt.

Wie ist es dann möglich, noch an Noahs Charakter zu zweifeln, ihn zu relativieren und zu behaupten, dass, hätte er zu Zeiten von Awraham gelebt, er keine Bedeutung gehabt hätte?

In der Religion wird deutlich ein Unterschied zwischen Jirat Ha’Schem, dem Respekt vor G“tt, und Ahawat Ha’Schem, der Liebe zu G“tt, gemacht.

In der Schöpfungsgeschichte steht G“ttesfurcht, also Respekt als genauere Bezeichnung, an erster Stelle. Jedes Zeitalter hat seine Aufgabe bei der Entfaltung des Schöpfungsplanes. Das Gleiche betrifft jeden Menschen und jede Generation. Noah war bestimmt worden, diese Basis an G“ttesfurcht oder Respekt in der Welt zu schaffen, bevor Awraham ans Werk gehen konnte, auf seine liebevolle Art G“tt zu dienen.

Deshalb vermerkt die Thora, dass Noah ein vollkommener Tzaddik in seinen Generationen war, da er die von G“tt bestimmten Aufgaben seiner Generationen aus führte. Hätte Noah die Art, G“tt zu dienen, wie Awraham das tat, übernommen, dann hätte er seine eigene Aufgabe nie anständig durchführen können. In der Art, wie er G“tt diente, durch Respekt und Entsagung, steigerte sich Noah vollkommen auf höchster Ebene.

Naoh war, im Vergleich zu seiner Generation, ok, aber hätte er zu Zeiten von Awraham gelebt, hätte er keine Bedeutung gehabt, da G“tt mit Respekt und Entsagung zu dienen, bei G“tt aus Liebe zu dienen, vollkommen ins Nichts verschwindet.

Da die Einstellung von Awraham die Liebe war, bekehrte er auch viele Proseliten (Gerim) aus anderen Völkern. Awraham wollte, dass sich jeder die G“ttliche Botschaft teilen sollte, daran Teil haben sollte. Deshalb hatte Awraham wohl auf seine Zeitgenossen Einfluss und Noah viel weniger.

 

MIT MEHR MITLEID

G“tt versprach Noah, dass er als Einziger gerettet werden würde. In diesem Augenblick hätte Noah zu G“tt um Mitleid mit der Welt Dawwenen (Beten) müssen.

Noah ließ jedoch diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen. In dieser Hinsicht unterschied er sich von Mosche, der sich sofort für das Jüdische Volk einsetzte, als es nach dem Debakel um das Goldenen Kalb durch G“tt bedroht wurde.

Deshalb heißt die Sintflut „das Wasser von Noah“.

Wurde es für den Menschen nach der Sintflut besser oder schlechter? Einige Chachamim (Gelehrte) behaupten, dass die Welt nach der Sintflut viel feiner und edler wurde. VOR der Sintflut war alles grob und sehr materiell.

Genau wie die zu körperlich ausgerichtete Menschheit, waren auch die Wolken dick, physisch und voll hartem Regen. Die Erscheinung des Regenbogens ist ein Zeichen von Veredlung und Verfeinerung, die in der Schöpfung entstand. Aber jetzt würde alles viel unterschiedlicher sein, genau wie der Regenbogen ein Farbspiel vieler Abstufungen ist.

Sowohl Menschen wie Wolken änderten sich. Deshalb würde es künftig keine komplette Zerstörung oder Vernichtung mehr geben.

Aber andere Chachamim empfanden, dass die Schöpfung sich nachteilig veränderte.  VOR der Sintflut war das Klima viel besser. Man musste nur ein Mal in vierzig Jahren säen.

Das Korn blieb aufgrund der günstigen Wetterverhältnisse lange Zeit verwendbar. Auch Regen war nur EIN Mal in den vierzig Jahren erforderlich.

Die Veränderungen in der Natur würden auch den Charakter des Menschen beeinflussen. Nach der Sintflut wurde die Gesundheit des Menschen schwächer, so dass auch die strenge Eigenschaft G“ttes ein Wenig nach ließ und an den Menschen weniger strenge Anforderungen gestellt wurden.

ersten Bund mit der Menschheit

Nach der Sintflut schloss G“tt den ersten Bund mit der Menschheit. G“tt würde die Menschheit nie mehr in Gänze vernichten. Das Zeichen des Bundes wurde der Regenbogen. Wenn der Regenbogen erscheint, ist es so, als ob G“tt uns sagen möchte, dass ER mit der Menschheit nicht zufrieden sei, aber nun Mal versprochen hatte, die Welt nicht mehr zu ertränken. Der Regenbogen ist eine Art Warnung und – trotz seiner schönen Farbenpracht – kein positives Zeichen.

„Meinen Bogen habe ICH in den Wolken gestellt, so dass er ein Zeichen des Bundes zwischen MIR und der Erde sein soll“ (9:13)

Lobesspruch

Wenn man einen Regenbogen sieht, spricht man sofort die Beracha, den Lobesspruch, aus:

„Gelobst seist Du, o G“tt, unser G“tt, König der Welt, der den Bund gedenkt und Seinem Bund treu ist und Seiner Aussage  Bestand verleiht“.

Man darf nicht zu lange zum Regenbogen hin sehen. Wenn man die Beracha spricht, schaut man nur so eben zum Regenbogen hin. Bei manchen Aschkenasim (Westlichen Juden) ist es Brauch, mit Niemandem über den Regenbogen zu sprechen, da er letztendlich ein schlechtes Zeichen ist. Aber die orientalischen Juden haben die Angewohnheit, es einander doch zu erzählen, damit jeder die Beracha sagen kann.

selbst mehrere Male am Tag

Jedes Mal, wenn der Regenbogen erneut am Himmel erscheint, spricht man die Beracha aus (selbst mehrere Male am Tag, wenn es nicht der gleiche Regenbogen ist, über den man die erste Beracha gesprochen hatte).

Nur innerhalb der Wolken

Man darf selbst problemlos einen Regenbogen erschaffen, aber über einen selbst erschaffenen Regenbogen spricht man keine Beracha. Bei den Niagara-Wasserfällen ist der Regenbogen eine ganz normale Erscheinung. Hierüber spricht man keine Beracha, da diese Beracha nur über einen Regenbogen ausgesprochen werden darf, der sich innerhalb der Wolken befindet.

analog zum Regenbogen in der Wolke: gemäßigt und mit Mitleid

Der Regenbogen erscheint in den Wolken, wenn der Himmel nicht mit Wolken vollständig bedeckt ist. Die Wolken VOR der Sintflut waren sehr dick und undurchdringbar. Das Mitleid G“ttes bestand darin, dass die Wolken viel dünner und transparenter wurden.

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Der Regen würde nach der Sintflut nicht mehr so maßlos sein. Der Umgang G“ttes mit der Welt ist analog zum Regenbogen in der Wolke: gemäßigt und mit Mitleid. Der Regenbogen symbolisiert somit das milde Urteil G“ttes über die Menschheit.

DER WEINGARTEN VON NOAH

Sem, Cham und Jafet verließen die Arche. Alle Menschen, die heutzutage leben, stammen von ihnen ab. Noah „schlüpfte in die Rolle eines Bauers“ und pflanzte Rebstöcke auf einem Feld.

Er trank Wein und wurde „schicker“ (Jiddisch für betrunken). In seinem Zelt zog er sich vollständig aus. Cham sah die Nacktheit seines Vaters und erzählte das seinen Brüdern, die sich draußen befanden. Sem und Jafet nahmen eine Decke und bedeckten Noahs Nacktheit, ohne hin zu schauen. Noah erwachte aus seinem Rausch und verwünschte Kanaan, den Sohn von Cham. Noah wurde neunhundertfünfzig Jahre alt.

 

Ich finde es komisch, dass das Erste, was die Thora über Noah vermeldet ist, dass er einen Weingarten pflanzte. Die Thora teilt uns nichts über seine Beweggründe mit.

Es könnte sein, dass Noah über den Anblick einer total verwüsteten Welt, die lange Zeit unter einer neun Kilometer hohen Wasserflut begraben lag, schwermütig geworden war. Durch den Wein hoffte er vielleicht, ein Wenig aufgemuntert zu werden. Aber das ist lediglich nur eine Vermutung.

Zehn verlorene Stämme

Im Hebräischen Text steht das Wort „Zelt“ („er zog sich in der Mitte seines Zeltes aus“) einigermaßen komisch oder falsch geschrieben. Normalerweise hätte da stehen müssen: Ohalo – sein Zelt mit einem „O“ am Ende. Aber es steht – wenn der Text ohne Punktierungen gelesen wird – OHALA, also mit einem „A“ am Ende. Laut verschiedener jüdischer Erklärer würde dieses einen Hinweis auf oder eine Andeutung der zehn verloren gegangenen jüdischen Stämme sein, die in die Verbannung gezogen waren (und nie wieder zurück gekehrt sind), da sie sich durch übermäßigen Alkoholgenuss schlecht benommen hatten. Bei diesen zehn verlorenen jüdischen Stämmen steht auch der Ausdruck OHALA.

Der Davidstern

Was ist die Verbindung zwischen Exil und dem Alkohol-Missbrauch? Der Mensch wurde als intelligentes Wesen erschaffen und mit einem hohen Maß an Verstand, Einsicht und Klugheit versehen.

Der Mensch wurde mit diesen Fähigkeiten ausgestattet, da G“tt von ihm erwartete, dass er sich mit seinem Geist an G“tt heften würde. Der Geist des Menschen ist an den Himmel geheftet, wie ein Baum mit seinen Wurzeln im Boden verankert ist. Der Davidstern symbolisiert diese doppelte Symbolik beidseitig.

Wenn ein Mensch „Schicker“ wird, wird dieses Band unterbrochen und er entfernt sich von G“tt.

In den Pirkej Awot (den Sprüchen der Väter) steht hierzu ein schöner Vergleich (3:17).

Viele Zweige, aber wenige Wurzeln

Dort steht wie folgt: „Rabbi Elasar ben Asarija (erstes Jahrhundert) sprach weiter: Wem ähnelt jemand, dessen Weisheit größer als seine Taten ist? Er ähnelt einem Baum, dessen Zweige zahlreich, seine Wurzeln jedoch gering sind. Kommt da ein Wind, dann entwurzelt der ihn und stellt ihn auf den Kopf (durch zu wenige gute Taten lösen wir uns schnell von unserem religiösen Fundament).

Keine Sprüche, sondern Taten

Womit wird jemand verglichen, dessen Taten mehr sind als seine Weisheit? Mit einem Baum, dessen Zweige gering, aber seine Wurzeln zahlreich sind. Auch wenn es um ihn herum stürmt, der Baum bewegt sich nicht von seinem Platz.

Nicht im G“ttlichen Element verankert

Aber wem ähnelt jemand, dessen Weisheit größer ist als seine Taten? Dieses bezieht sich auf jemanden, der viel studiert hat, aber das Erlernte nicht in die Praxis einbringt (Raschi, zwölftes Jahrhundert). Sein Geist ist nicht immer im G“ttlichen Element hinter dieser materiellen Scheinwelt verankert. Er verliert zum G“ttlichen in der Welt schnell die Verbindung, wodurch er verloren gehen könnte.

Ein Becher ohne ein festes Standbein

Elischa ben Awuja (erstes Jahrhundert) vergleicht jemanden, der viele gute Taten vollbringt, mit einem Becher mit einem festen Standbein. Aber jemand, der kein Gutes tut, obwohl er viel die Thora studiert hat, ist mit einem Becher ohne Standbein vergleichbar. Sobald der Becher gefüllt wird, fällt er um. Was sich in ihn befand, fällt auf die Erde (Avot (Sprüche) von Rabbi Natan, Hauptteil 24).

Der Vergleich mit einem Baum, dessen Wurzeln sich aus dem Erdreich lösen, ist nicht nur ein Hinweis auf ungehörigem Verhalten oder unmögliches Benehmen, sondern kann auf lange Sicht zu Verbannung oder Exil führen, was wir in der Jüdischen Geschichte oft fest stellen können. Immer, wenn die Juden sich fehl verhielten und G“tt verließen, wurden sie aus ihrem Vaterland verjagt oder durch fremde Völker unterdrückt.

leichtere oder schwerere Arten von Versklavung

Die Alkoholsucht und die entsprechende Versklavung damit ist leider nicht die einzige Versklavung, durch die wir uns von G“tt entfernen können. Es gibt leider viel mehr leichtere oder schwerere Arten von Versklavung, durch die man sich immer weiter vom Allmächtigen entfernt.

Wir entfremden uns von uns selbst, verlieren unseren geistigen Kompass unterwegs. Das ist gefährlich, denn wir verlieren unsere spirituelle Verbindung zu G“tt viel zu leicht.

besprechen 

Es ist sehr wichtig, jede neue Initiative mit einem spirituellen Ratgeber oder mit einem guten Freund, der aus gutem Holz geschnitzt ist, zu besprechen. Sonst könnte das Licht gelöscht werden…

Der Zweifler  Noach

Noach baute eine Arche. Doch dass es tatsächlich zu einer Sintflut kommen würde, glaubte er lange nicht.
Die Sintflut-Erzählung ist wahrscheinlich die einzige Geschichte, die es in fast allen Kulturen gibt. Zwar variieren die Details, aber fast immer geht es um Wassermassen, die wegen der Sünden der Menschen auf die Erde niedergingen. Nur eine einzige gerechte Familie blieb von der Sintflut verschont – von ihr stammen wir alle ab.

Diese Legende begegnet uns in der altgriechischen Sagenwelt (Deukalion-Mythos), der indischen Mythologie oder der altisländischen Schöpfungsgeschichte. Und selbst die australischen Aborigines, amerikanische Indianer und die Chinesen erzählen eine ähnliche Geschichte von der Sintflut und einer mysteriösen Arche.

WASSER Die Tora leitet die wohl berühmteste Erzählung der Welt so ein: »Und Noach tat alles, wie der Ewige ihm geboten. Und Noach war 600 Jahre alt, als die Flut des Wassers auf der Erde war. Da gingen Noach und seine Söhne und seine Ehefrau und die Ehefrauen seiner Söhne mit ihm in die Arche, vor dem Gewässer der Flut« (1. Buch Mose 7, 5–7).

Raschi (1040–1105) kommentiert und zitiert den Midrasch Bereschit Raba: »Auch Noach gehörte zu denen, die klein an Vertrauen waren. Er war nicht ganz davon überzeugt (im Original: Er glaubte und glaubte nicht), dass die Sintflut kommen werde, und ging erst in die Arche, als ihn das Wasser drängte.«

Unsere Weisen sagen, Noach habe bis zum Ende bezweifelt, dass eine Sintflut kommen werde. Erst als das Wasser ihm bis zum Hals stand, begab er sich mit seiner Familie auf die Arche. Doch stimmt dieser Midrasch mit unserer Vorstellung von Noach überein? Es steht doch in der Tora, dass er ein Gerechter gewesen ist, und dass er alles tat, was G’tt ihm befohlen hat. Außerdem baute er ganze 120 Jahre an seiner Arche. Wie kann es dann sein, dass er an der Sintflut zweifelte?

Ein ähnliches Muster erkennen wir bei unserer Urmutter Sara. Die Tora erzählt uns, dass Sara sehr lange keine Kinder bekommen konnte. Jahrelang betete sie, dass ihr sehnlichster Wunsch, ein Kind zu bekommen, in Erfüllung gehen möge. Doch als sie erfährt, dass sie einen Sohn zur Welt bringen wird, fängt sie an zu lachen und am Wahrheitsgehalt der Nachricht zu zweifeln, sodass G’tt sagt: »Ist dem Ewigen ein Ding zu schwer?« (1. Buch Mose 18,14). Wie kann es sein, dass auch Sara an G’ttes Möglichkeiten zweifelte?

MASCHIACH Der Chofez Chajim, Rabbiner Israel Meir Kagan (1839–1933), weist darauf hin, dass auch wir dieses Gefühl des Zweifels und der Ungläubigkeit erleben werden – nämlich, wenn unser lang ersehnter Erlöser, der Maschiach, kommt. Und das, obwohl wir Tag für Tag den zwölften der 13 Glaubensgrundsätze von Maimonides sagen oder singen: »Ani maamin be emuna schelema bewiat Hamaschiach« (Ich bin vollkommen von der Ankunft des Maschiach überzeugt).

Trotzdem werden wir voller Zweifel sein, selbst wenn eines Tages alle Fakten dafür sprechen, dass der Maschiach gekommen ist. Vielleicht meint genau das der Vers aus Schir Hama’alot, dem Psalm, den wir immer an den Feiertagen vor dem Birkat Hamason sagen: »As jemale s’chok pinu« (Dann werden unsere Münder sich mit Lachen füllen). Dort geht es um die Zeit des Maschiach, und vielleicht werden wir dann genauso ungläubig lachen wie einst Sara.

Und auch wenn Sara jahrelang dafür gebetet hat, Kinder zu bekommen, und viele Juden aufrichtig und mit ganzem Herzen an das Eintreffen des Maschiach glauben – wenn es so weit sein wird, werden wir es nicht glauben können, genauso, wie es bei Noach der Fall gewesen ist.

Doch wie kann ein Mensch gleichzeitig glauben und nicht glauben? Ganz einfach: Die Theorie unterscheidet sich sehr oft von der Praxis. In der Theorie sind die meisten gewillt, vieles zu tun – doch wenn es ernst wird, springt die Mehrheit ab. Den Kampfesmut eines Soldaten kann man nur bei einem Militäreinsatz richtig einschätzen: Vor dem Kampf geben viele Männer mutige Sprüche von sich, doch sehr oft sind gerade sie diejenigen, die als Erste vom Schlachtfeld rennen. Und auch die Tatsache, dass man die theoretische Fahrschulprüfung mit Bravur gemeistert hat, bedeutet noch lange nicht, dass man die praktische Prüfung besteht.

BRIEFTASCHE Reb Chaim von Sanz (1793–1876) stellte einst seinen Chassidim eine Frage: »Was würdet ihr tun, wenn ihr eine Brieftasche mit einer großen Summe Geld gefunden hättet, und es gäbe deutliche Zeichen, die auf ihren Besitzer hinweisen?« Ein Chassid rief in aller Aufrichtigkeit und großer Sicherheit in der Stimme: »Ich würde die Brieftasche sofort an den Besitzer zurückgeben.« Der Rebbe erwiderte: »Das ist eine Dummheit!«

Der nächste Chassid, mit derselben Frage konfrontiert, sagte: »Rebbe, ich würde die Brieftasche ganz einfach behalten!« »Du bist ein Dieb!«, schrie der Rebbe. Ein dritter Chassid sagte: »Ich weiß nicht, was ich tun würde, Rebbe. Aber ich hoffe, dass ich die moralische Standhaftigkeit hätte, das Richtige zu tun, und würde die Brieftasche an den rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.« Der Rebbe von Sanz atmete auf und sagte: »Das ist ein weiser Mann!«

Wir können nicht wissen, wie wir in bestimmten Situationen handeln werden. Das Einzige, was wir tun können, ist zu versuchen, uns zu besseren Menschen zu erziehen, uns durch das Studium der Tora mit verschiedenen Fällen zu konfrontieren. Wir müssen lernen, welches Verhalten in diesen Situationen moralisch und halachisch richtig ist, und sollten dafür beten, in diesen Situationen standhaft und mutig zu sein, sodass wir richtig reagieren.

Deshalb sagen auch unsere Weisen, dass man niemals einen Menschen verurteilen darf, bis man nicht in seine Situation gekommen ist. Denn man kann nie wissen, wie man selbst reagieren würde.

Parascha Noach (Bereschit 6:9 – 11:35)

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