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TIEROPFER – GEBET TEFILLA – Teil 10

GEBET TEFILLA - Teil 4
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Es gibt viele verschiedene Formen von Opfern: Speiseopfer, Trankopfer mit Wein oder Wasser, Rauchopfer und Tieropfer. Die Tieropfer stehen im Mittelpunkt aller Opferungen.

Warum wurde ein Tier geopfert? Der Mensch steht über dem Tier und ist in der Lage, sich zu vervollkommnen. Er kann seine Triebe kontrollieren, kanalisieren und sublimieren. Wenn man eine Sünde begeht, lehnt man den von G’tt geschenkten Verstand ab. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier liegt im Intellekt. Wenn man sündigt, identifiziert man sich mit dem Tier. Deshalb muss dieses Tier geopfert und auf eine höhere Ebene gehoben werden.

Auf einer tieferen Ebene kann man sagen, dass der Mensch aus zwei Elementen besteht: einem tierischen Element und einem G’ttlichen Element. Diese beiden stehen in einem ständigen Konflikt. Das tierische Element zieht den Menschen ständig zum Materiellen und Irdischen, während die G’ttliche Seele nur das Religiöse sucht. Wenn man eine Sünde begangen hatte, brachte man ein Tieropfer. Auf diese Weise wird das Tier selbst erhöht. Wenn das Tier erhoben wird, wird auch das Tier im Menschen, das sich mit dem Tier auf dem Altar identifiziert, sublimiert. Das Tier im Menschen, die Ursache der Sünde, wird unter die Herrschaft des G’ttlichen gebracht. Dies ist nur die Spitze des Schleiers der Geheimnisse des Opfersystems der Tora. Die Schlachtung des Tieres wäre brutal und barbarisch, wenn sie nicht in einer nahezu perfekten, reinen, religiösen Atmosphäre stattfinden würde. In Zeiten des moralischen und geistigen Verfalls ist das Opfersystem also nicht mehr wirksam. Daher hat sie aufgehört zu existieren.

Im Jahr 70 wurde der Tempel zerstört. Wir bringen heutzutage keine Opfer mehr dar. Heute sündigen wir so viel, dass wir fast täglich ein Opfer bringen sollten. Das ist es, was wir mit so vielen Worten während des Ne’ila-G’ttesdienstes an Jom Kippur sagen: “Es gibt kein Ende der Opfer, unzählig sind unsere Schuldopfer”. Dies ist ein weiterer Grund, warum es kein Schuldopfer-System mehr gibt.

Fett, Blut, Hefe, Honig und Salz

Normalerweise wurde das Fett der Opfertiere auf dem Altar verbrannt und das Blut auf den Altar gespritzt. Das Darbringen dieser Teile des Opfers auf dem Altar zeigt die Weihe an den Allmächtigen. Blut symbolisiert das Leben selbst, aber auch die Leidenschaften. Fett symbolisiert übermäßigen Genuss, der sich nun gegen HaSchem richtet.

Für die Opfer durften auf keinen Fall Honig oder Hefe verwendet werden. Salz war jedoch verpflichtend. Hefe wird als Symbol des Bösen angesehen. Hefe bläht den Teig auf. Unsere niederen Eigenschaften blähen unser Ego so sehr auf, dass wir glauben, die Welt sei nur für uns geschaffen worden. Hefe sollte auf keinen Fall bei Opfern verwendet werden, denn das erste Gebot in der Religion ist Bescheidenheit. Hochmut entfernt den Menschen von G’tt. Deshalb sind das Pessachopfer und Chametz unvereinbar. Das Pessachopfer wurde gebracht, um den Götzen Ägyptens zu töten. Wenn wir das mit “unserem Egoismus” zusammen essen, ist das nicht vereinbar.

Eifersucht, Lust und Ehrsucht

„Eifersucht, Lust und Ehrsucht bringen den Menschen zu Fall” (Pirke Avot). Hefe, Honig und Salz symbolisieren Ehrsucht, Leidenschaft und Eifersucht. Ehrsucht kommt von Stolz und wird durch Hefe symbolisiert. Honig, als Symbol für Süße, steht für Lust und Leidenschaft. Das Motto lautet: “Nicht zu sauer (Sauerteig) und nicht zu süß”. Die Tora weist darauf hin, dass wir den Mittelweg suchen sollten.

Salz symbolisiert Eifersucht. Eifersucht ist in der Regel eine falsche Eigenschaft, aber manchmal kann sie auch zum Guten genutzt werden. Eifersucht kann positiv sein, wenn sie dem persönlichen Wachstum dient: “Die Eifersucht der Gelehrten erhöht die Weisheit”. Deshalb ist Salz auf dem Altar erlaubt. Aber was symbolisiert das Salz?

In der Tora heißt es: “Du sollst das Salz, den Bund mit deinem G’tt, nicht von deinen Opfern fernhalten” (Wajikra/Lev. 2:13). Welche Art von Bund ist hier gemeint? Wenn wir Lebensmittel konservieren wollen, verwenden wir Salz. Salz symbolisiert die Ewigkeit. Rabbiner Hirsch (1808-1888) sieht dies als ein Gebot, die Tora zu “bewahren” und sie niemals zu verändern, so wie sich Salz niemals verändert. Salz erinnert auch an den Fall von Sedom. Sedom ist an der Ungastlichkeit zugrunde gegangen. Lots Frau wurde zu einer Salzsäule.

Unser Altar ist heute unser Tisch, an dem wir Gäste empfangen. Wenn wir essen, denken wir daran: Salz sollte nie auf dem Tisch fehlen. Gastfreundschaft ist einer der Eckpfeiler des Jüdischen Hauses.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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