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TU BISCHWAT: DAS NEUJAHRSFEST DER BÄUME

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TU BISCHWAT: DAS NEUJAHRSFEST DER BÄUME

Tu Bischwat ist keine allgemeine Gesellschaftsfeier, aber wir sind doch mit der sprießenden Natur befasst.

Tu Bischwat wird heutzutage als ein Fest betrachtet, an dem wir unsere Verbindung mit Israel erneut empfinden. Wir sitzen noch in der Kälte. Aber in Israel ist Tu Bischwat der Anfang des Frühlings. Das Frühjahr ist gekommen. Schulkinder schwärmen aus, um Setzlinge zu pflanzen.

An Tu Bischwat arbeiten wir normal. Zu Hause wird der Übergang vom Winter zum Frühling durch den Verzehr von so vielen Arten von Früchten wie nur möglich begangen, wobei Früchte aus Israel bevorzugt werden.

Der Name „Tu Bischwat“ kommt von den Buchstaben Tet und Waaw, zusammen ausgesprochen als „Tu“, die zusammen den Zahlenwert „15“ ergeben. Schwat ist der elfte Monat, ab Nissan gerechnet, der Frühlingsmonat, in dem wir aus Ägypten aus zogen und Pessach feiern. Tu Bischwat bedeutet den 15ten des Monats Schwat.

Tu Bischwat heißt auch Chag La’ilanot, das „Neujahrsfest der Bäume“.

QUELLEN

Über Tu Bischwat ist den alten Jüdischen Quellen fast nichts zu finden. Vor beinahe zwei Tausend Jahren wurde im Talmud in der Tat bereits über das Neujahr der Bäume geschrieben. Aber das war nicht das Pflanzfest, wie wir es heutzutage feiern.

NEUES FEST

Die Bräuche an Tu Bischwat – wie die Pflicht, Früchte zu essen – sind in einem späteren Zeitraum entstanden. Durch den Einfluss der in Israel im sechzehnten Jahrhundert aufblühenden Kabbala, bekam Tu Bischwat mehr Bedeutung. Die Kabbalisten schrieben vor, an Tu Bischwat vier Becher Wein zu trinken, wobei man allerlei Texte spricht und viel Obst isst.

So regte der bekannte Kabbalist R. Chaim Vital (1542-1620) an, am liebsten 30 unterschiedliche Früchte zu essen. Andere essen 15 Arten an Früchten, aber es gibt auch Minhagim (Bräuche), selbst 50 oder 100 Arten an Früchten – roh, gekocht, getrocknet oder konserviert – zu essen.

Die Sefardischen Juden hauptsächlich übernahmen die Kabbalistischen Bräuche. Es entstand eine besondere Liturgie mit religiösen Gedichten, Gebeten, Texten aus dem Tenach, der Bibel, aus der klassischen Rabbinischen Literatur und aus mystischen Werken. Die Texte werden in einer Art von Lernzusammenkommen, das abends statt findet, rezitiert, unterbrochen durch den Verzehr großer Mengen Früchte. Bevorzugt werden Früchte aus Israel; am liebsten von den „sieben Arten“, mit denen Israel gesegnet ist: Mais, Gerste, Datteln, Oliven, Granatäpfel, Trauben und Feigen. Hierbei stehen die Brachot, die Segenssprüche, im Mittelpunkt. Wovon handeln diese Brachot?

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BRACHOT ALS GEGENGEWICHT

„Wenn Du gegessen hast und gesättigt bist, dann musst Du G“tt für das gute Land loben, das ER Dir gegeben hat“ (Deut. 8:10). Dieses ist die Quelle des Abschnittes, in denen die Brachot gelehrt werden – Segenssprüche, die durch die Thora nach dem Verzehr von Brot an erster Stelle vorgeschrieben werden. Die Chachamin (Gelehrte) haben dieses zu einem ganzen System von Segenssprüchen für alle Arten von Genüssen erweitert. In unserer heutigen Konsumgesellschaft bilden die Brachot ein mögliches Gegengewicht zur Denkart, dass „meine Kraft und Macht mir dieses alles ermöglicht hat“ (Deut. 8:17). Mit dem Sprechen der Brachot vor und nach dem essen, versuchen wir uns bei jedem Bissen daran zu erinnern, dass es G“tt ist, der uns die Kraft und die Einsicht verleiht, unseren irdischen Auftrag mit Erfolg ausführen zu können.

DANKBARKEIT

Die Dankbarkeit bildet die Basis unserer Lebensphilosophie und dieses Gefühl wird manchmal sehr weit ausgedehnt. Selbst leblose Gegenstände werden also in dieses Dankbarkeitsdenken mit einbezogen. Nichts ist von ungefähr. Alles ist von einer G“ttlichen Absicht und von einem Himmlischen Funken durchdrungen.

Kabbalisten wundern sich über das merkwürdige Phänomen, dass tote Materie, Flora und Fauna uns Lebenskraft schenken. Der Mensch, der unendlich viel höher zu stehen scheint als die Mineralien, das Pflanzen- und Tierreich, ist hiervon jedoch völlig abhängig. Ein Grund mehr, um uns in das Brachot-System zu vertiefen, in dem jedes Mal aufs Neue betont wird, dass der Mensch „nicht nur von Brot allein lebt“(Deut.8:3). Jeder Bissen bildet ein Zusammenspiel zwischen Körper und Geist. Die Verbundenheit von Körper und Geist findet unter dem Titel „Psychosomatik“ auch in der medizinischen Welt ihre Anerkennung.

Oft stellt man uns die Frage, ob G“tt sich wirklich damit befasst, was und wie wir essen. Und doch ist das unsere Jüdische Lebensüberzeugung. Rabbi Samson Rafael Hirsch (1818-1888) erklärt deutlich, dass die Jüdischen Vorschriften uns für unseren erhabenen Auftrag sensibilisieren müssen. Der Begriff Koscher zeigt auch in diese Richtung. Koscher bedeutet geeignet. Koscher zu essen macht uns geeigneter und empfindsamer für das Spirituelle.

WAS UND WIE

Die Kaschrut bestimmt WAS wir essen, die Brachot lenken unsere Aufmerksamkeit auf das WIE. Die Jüdische Nahrungsaufnahme erfolgt nicht gedankenlos. Im Gegenteil: jedes Mal, wenn wir im Begriff sind, etwas zu uns zu nehmen, erklären wir „Baruch ata HaSchem“.

Baruch, dass üblicherweise mit „gelobt“ übersetzt wird, bedeutet auch „nähergebracht“. Mit jeder Bracha wird unser Verständnis für das G“ttliche stärker. Danach erkennen wir G“tt als den König der Welt an.

Die Aristotelischen Philosophen sprechen von einem desinteressierten und weitentfernten G“tt. Wir erkennen HaSchem als den Allmächtigen an, der über jede Einzelheit bestimmt. Wir sprechen über jedes koschere Geschenk aus dem Himmel dankbar einen Segensspruch. Wir sehen in jedem kleinen Schöpfungswunder G“tt, der uns gleichzeitig Kraft schenkt.

Brachot unterscheiden sich je nach Art der Nahrung. Brachot zwingen uns, bei jeder Eigenart jeder Frucht inne zu halten, bei jeder Einzelheit im Reich G“ttes, in Seiner Welt.

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