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Ursprung des 1.Januars und dessen halachische Konsequenzen

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 Warum wünschten Rabbi Levi Izchak und der “Ohev Israel” ihren Chassidim „ein gutes neues Jahr“  am 1.Januar?

Heutzutage wird der 1.Januar fast universell auf der ganzen Welt als Jahresbeginn betrachtet und gefeiert und viele Menschen denken, dass es schon immer so gewesen ist. In Wahrheit jedoch, war dies nicht immer so der Fall und es dauerte fast bis in die Gegenwart, dass der 1.Januar seine weltweite Akzeptanz als Jahresbeginn erhielt. 

Lasst uns also verstehen, was der historische Ursprung dieses Datums ist, ob er eine religiöse Bedeutung hatte und welche Bedeutung er heutzutage für die meisten Menschen hat?

Sie fragen sich sicherlich, warum sollte sich ein jüdisch-orthodoxer (angehender) Rabbiner dafür interessieren, aus welchem Grund der Beginn des gregorianischen Kalenders am 1.Januar gefeiert wird? 

Nun, zum Einen gehört meiner Meinung nach auch dies zur Allgemeinbildung eines weltoffenen Menschen und zum Zweiten haben diese Fragen eventuell halachische Konsequenzen für das Judentum, wie wir später sehen werden:

Bis zum Jahr 153 v.d.Z. galt bei den Römern der 1.März in allen Hinsichten als Beginn der neuen Jahres. Auch bei der anschließenden Reform  wurde nur der Beginn des Amtjahres (Amtsantritt der Magistrate) auf den 1.Januar verschoben, während der 1.März als Beginn des Kalenderjahres beibehalten blieb. Erst durch die Kalenderreform durch Julius Cäsar im Jahr 45 v.d.Z. begannen Kalender-und Amtsjahr am 1.Januar zu Ehren der römischen Gottheit Ianuarius. 

Laut der Kirche war jedoch der 25.Dezember der Beginn des Jahres (Nativitätsstil) und sie versuchte mit allen Mitteln, dieses Datum als Jahresbeginn durchzusetzen. So verbot das Konzil von Tours im Jahr 567 das Feiern des Jahresbeginns am 1.Januar, aber im bürgerlichem Gebrauch blieb der Brauch bestehen, das Neujahr am 1.Januar zu feiern. 

Ab dem 11.Jahrhundert begannen einzelne Länder zuweilen, beginnend mit England, den 1.Januar als Jahresbeginn zu betrachten, weil an diesem Tag die “Circumcisio Domini” (Beschneidung) stattfand (daher Circumcisionsstil genannt). 

Dennoch dauerte es bis zum 17.Jahrhundert, dass sich der 1.Januar als Jahresbeginn in den meisten Ländern Europas durchsetzte, danach 1700 in Russland durch Zar Peter der Große, anschließend England (1764) und die Republik Venedig (1797) und schließlich Thailand (1941). 

Somit wäre geklärt, dass der 1.Januar als Neujahrstag auf jeden Fall einen religiösen Hintergrund hat, bei den Römern zu Ehren von Ianuarius und später anlässlich der Beschneidung. Jedoch sind sich heutzutage die meisten Feiernden dieses historischen Ursprungs nicht bewusst und der Grund zur Freude ist hauptsächlich der Beginn eines neuen Jahres. 

Ich hatte zu Beginn erwähnt, dass die historischen Bedeutung dieses Feiertag eventuell ausschlaggebend für die Halacha ist und dazu komme ich jetzt:

Ist es erlaubt seinem/ihrem nicht-jüdischen Nachbarn/Kollegen/Bekannten am 1.Januar ein “Gutes bzw. frohes neues Jahr” zu wünschen? 

Vom Schulchan Aruch (Y”D 148:5) lässt sich ableiten, dass es laut der Halacha verboten ist, einen nicht-jüdischen Bekannten am Tag des Feiertags zu seinem Feiertag zu gratulieren, falls der Feiertag für den nicht-jüdischen Bekannten eine religiöse Bedeutung hat. Es gibt gewisse Ausnahmen z.B. wenn dadurch Antisemitismus verstärkt wird u.Ä (basierend auf dem Darkei Mosche 149:12 im Namen des Trumat HaDeschen), aber generell ist es verboten. 

Basierend auf der Erläuterung des Hintergrundes, wäre dies verboten, wenn man sicherlich weiß, dass der Gesprächspartner den 1.Januar als religiöses Fest feiert (so wie es bei manchen Katholiken der Fall ist), außer wenn es zu Antisemitismus führen würde. 

Wenn der Nachbar/Kollege/Bekannte den 1.Januar nur Beginn des neuen Jahres feiert, ohne den religiösen Hintergrund zu kennen oder zu berücksichtigen, dann ist es erlaubt und wenn man es nicht weiß, dann kann man davon ausgehen, dass die meisten Menschen heutzutage beim Feiern des Neujahrtages keine religiösen Hintergedanken haben.

Rabbi Levi Izchak aus Berdichev (1740-1810) und Rabbi Avraham Yehoshua Herschil MiApta (1748-1825, auch “Ohev Israel” genannt) hatten den Brauch, ihren “Chassidim” am 1.Januar “ein gutes neues Jahr” zu wünschen. Sie erklärten diese interessante Tradition damit, dass die Nationen der Welt an diesem Tag gerichtet werden und das himmlische Gericht bestimmt, was im kommenden Jahr passieren wird. 

Weil das Wohl des jüdischen Volkes auch von den Geschehnissen in den Welt abhängt, somit ist es auch in unserem Interesse, dass das Urteil der Nationen der Welt zum Guten entschieden wird, daher dieser Wunsch am 1.Januar.

Quelle: Jüdische Allgemeine

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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