in

Warum mussten wir die Synagogen verlassen?

Himmlische Botschaft (und möglicherweise Warnung)
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Nach einer langen und unfreiwilligen Pause aufgrund von Covid-19 haben wir nun wieder die Möglichkeit in den Synagogen zu beten, mit vielen Einschränkungen, aber immerhin besser als nichts.

Während dieser Zeit haben wir verstanden, wie wichtig die Synagoge und das Gemeindeleben für uns ist und wie sehr es uns gefehlt hat.

Hoffentlich haben wir beim erneuten Betreten der Synagoge eine besondere Freude verspüren können, wieder die Gelegenheit zu haben, sich im Hause G´ttes zu versammeln und gemeinsam zu beten. Manche Menschen waren besonders emotional und sind während den ersten Gebeten in den Synagogen vor Freude in Tränen ausgebrochen, endlich wieder in der Synagoge beten zu können, aber ich denke wir alle haben zumindest etwas Besonderes gespürt.

Es gibt einen Brauch, beim Betreten der Synagoge am Morgen den Vers “Ma Tovu Ohalecha Yaakov, Mischkenotecha Israel” (Bamidbar 25:5) zu sagen, in welchem von den G´ttes- und Lehrhäusern die Rede ist. Die meisten Menschen sagten ihn entweder gar nicht oder murmelten ihn schnell vor sich hin, ohne sich je in die Wörter dieses Verses hineinzudenken. In diesem Vers preist Bilam, der Prophet der Völker, voller Neid die Synagogen und Lehrhäuser des jüdischen Volkes und staunt über das außergewöhnliche Privileg des jüdischen Volkes, G´tt persönlich in ihren Synagogen empfangen zu dürfen.

Eine Synagoge ist nämlich nicht einfach ein Ort, wo sich (mindestens) 10 Männer zum Beten versammeln, sondern ein Ort, welcher die Schechina (Präsenz G´ttes) beheimatet. Nicht umsonst wird eine Synagoge als „Mikdasch Meat“ (Das kleine Heiligtum) bezeichnet, denn wie der Tempel in Jerusalem die Schechia G´tt beheimatet, so auch die Synagoge (in kleinerem Format). Die Schechina ist nicht nur während des Gebets präsent, sondern zu jeder Zeit. Im Talmud (Megila 28a) steht, dass sogar nachdem eine Synagoge zerstört oder verlassen wurde, die die Heiligkeit des Ortes erhalten bleibt und es verboten ist, davon einen anderen Gebrauch zu machen, außer darin zu beten.

Doch wir mussten die Synagogen nicht einfach so verlassen und wenn G´tt zuließ, dass es so weit kam, dann verbirgt sich dahinter eine Botschaft an uns, welche wir auf keinen Fall verpassen dürfen. Wenn die Synagogen in einer Zeit, wo die Gebete so wichtig für die gesamte Menschheit sind, geschlossen bleiben mussten, dann bedeutet dies, dass etwas nicht stimmt.

Es ist ein Hinweis vom Himmel, dass wir unsere Gebetshäuser nicht genug respektieren und es deshalb nicht verdienen, sogar in dieser schweren Zeit, darin zu beten. Möglicherweise sprachen wir während des Gebets, waren in der Synagoge zu sehr mit unseren Smartphones beschäftigt oder generell schätzten dieses Privileg nicht genug, täglich ein privates Rendezvous mit G´tt in seinem Haus zu haben.

Nun dürfen wir wieder zurück in die Synagogen und es ist unsere Wahl, ob wir dies als  zweite Chance betrachten und eventuell unser Verhalten in der Synagoge oder Verhältnis zur Synagoge verbessern oder so tun, als wäre nichts geschehen und diese himmlische Botschaft (Warnung) ignorieren!

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

Nicht im Himmel

Nicht im Himmel

Newsletter Schawuot 5780