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Wie können wir die Jüdische Einheit stärken? – Parascha Pinchas

Wie können wir die Jüdische Einheit stärken - Parascha Pinchas
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בסייד

Parascha Pinchas (Bemidbar/Numeri 25:10 – 30:1)             

Als Pinchas die unzüchtigen Zimri und Kozbi tötete, gab es einen großen Streit darüber, ob er richtig gehandelt hatte. Die Seuche – 24.000 Tote – wurde gestoppt. G’tt bot Pinchas einen Friedensbund an. Mit fester Hand wurde die Einheit wiederhergestellt.

Volk des Buches

Diese Episode ist hochaktuell. Wie können wir die Jüdische Einheit stärken? Der Zionismus hat einen Jüdischen Staat geschaffen. Aber er ist noch nicht zu einer einheitlichen Jüdischen Gesellschaft geworden. Das Judentum will ein Volk des Buches auf die Weltkarte setzen. Das ist unsere nationale Identität. Unser Ziel ist eine gerechte Gesellschaft, die auf der Würde des Menschen, Ehrlichkeit und Mitgefühl beruht. Das Judentum strebt nicht die Herrschaft von Macht und Eliten an. Wir setzen uns für Gerechtigkeit und nationales Mitgefühl ein. Israel war und ist im Grunde eine egalitäre Gesellschaft, umgeben von hierarchischen Staaten. Das Biblische Israel basierte auf einer religiösen Idee.

Respekt vor dem G’ttlichem im Menschen

Die Gleichheit Israels besteht in der Gleichheit vor G’tt. Jedes Individuum spiegelt das G’ttliche wider. Der Respekt vor dem G’ttlichen im Menschen war die Grundlage der Gesellschaft. Israel kann den Krieg nicht aufgrund militärischer oder technologischer Überlegenheit gewinnen. Israel kann nur durch außergewöhnliche Moral triumphieren. Die soziale Stärke der Gesellschaft ist der Garant dafür. Die soziale Solidarität ist das stärkste Fundament der Jüdischen Gesellschaft.

Kollektive Verantwortung

In den Tagen von Mosche wurden wir zu einer Nation. In den Tagen Samuels und Sauls wurden wir ein Königreich. Der soziale Bund macht einen Staat lebensfähig. Letztlich geht es aber nur um Eigeninteressen.

Beim sozialen Bund geht es jedoch um moralische und kollektive Verantwortung. Die gemeinsame Identität beruht auf einem Gefühl der gegenseitigen Verantwortung.

Die Gründerväter kannten die Tora

Erst in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten (1776) wurde dieser Bund als Verfassung formuliert. Dies war kein Zufall. Die Gründerväter kannten die Tora wie ihre Westentasche. Der soziale Bund erwies sich als stärker als der soziale Vertrag. Vor 2000 Jahren wurde der Jüdische soziale Vertrag abgeschafft. Doch das Miteinander, die gegenseitige Verantwortung und das gemeinsame moralische, hehre Ziel sind geblieben.

Der jüdische Säkularismus nahm im Laufe des 19. Jahrhunderts verschiedene Formen an.

In Westeuropa beteiligten sich die Juden an der Aufklärung. Das Judentum wurde zu einer reinen Religion, ohne Bindung an ein Land oder einen Staat. Die Juden wollten vollwertige Bürger ihres Heimatlandes werden. Ihr einziges Alleinstellungsmerkmal war die Religion, die kein Hindernis für den gesellschaftlichen Erfolg sein durfte. Das Judentum wurde als eine ethische Lebensphilosophie dargestellt, die nicht speziell an eine ethnische Einheit gebunden ist. Die Verbindung zum Heiligen Land wurde aufgegeben. Die neue Emanzipation schien der alte Messianismus zu sein. Selbst in Marokko und im Irak wurden diese Gedanken gehegt und gepflegt.

Hervorhebung der Nationalität

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Russland jedoch eine völlig andere Definition des Judentums. Russische Denker gingen davon aus, dass das Jüdische Volk eine völlig eigenständige Einheit darstellte. Die Religion wurde nur als eine ihrer kulturellen Ausdrucksformen betrachtet. Jetzt lag der Schwerpunkt auf der Nationalität.

Ein Jude ist automatisch Teil dieser Jüdischen nationalen Identität, auch wenn er die Religion nicht ausübt. Juden haben eine gemeinsame Geschichte, einen gleichen Kalender, sprechen mehrere gemeinsame Sprachen und haben gemeinsame Zukunftsideale. Am wichtigsten war das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer eigenen nationalen Familie.

Reduzierung vom echten Judentum

Beide Neuerungen lösten sich von der Tradition und entfernten sich vom Wesen des Judentums. Das Judentum als bloße Religion in Verbindung mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft oder das Judentum als Nationalität ohne jegliche Verbindung zur Religion war ein völliges Novum.

Die Verwirrung über die Jüdische Identität entsteht durch Reduzierung: das Judentum als Religion ohne Nationalgefühl oder als Nationalität ohne Verbindung zur Religion. Nationalität und Religion lassen sich nicht trennen.

Die vage Erkenntnis heutzutage

Das moderne Judentum ist jedoch noch vager als alle früheren vereinigenden Kräfte. Gegenwärtig scheint die Jiddische Geselligkeit zum verbindenden Faktor geworden zu sein. Das Judentum mit harter Hand – das Pinchas-Modell – scheint sogar in unserer toleranten Gesellschaft verboten. Die Verbindung zur Religion – das Modell der Aufklärung – ist äußerst diffus geworden. Nur wenige können Jüdische Texte lesen oder verstehen. Die Bindung an den Staat – das Russische Modell – ist auf dem absteigenden Ast, was teilweise auf die negative Haltung der Medien zurückzuführen ist. Was bleibt, ist ein gemütliches Judentum, in dem “alles in Ordnung” ist, solange es dieses “warme-Bad Gefühl” vermittelt. Die Menschen des Buches hingegen haben sowohl viel Wärme als auch Inhalt zu bieten…

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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