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Der Spion Kalev warf sich auf das Grab der Erzväter, weil er an einem heiligen Ort davvenen (beten) wollte – Parascha Schlach Lecha

Der Spion Kalev warf sich auf das Grab der Erzväter, weil er an einem heiligen Ort davvenen (beten) wollte - Parascha Schlach Lecha
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בסייד

Parascha Schlach Lecha

Der Spion Kalev warf sich auf das Grab der Erzväter, weil er an einem heiligen Ort davvenen (beten) wollte.

Auf ihrem Weg nach Israel kamen die Spione an Chevron vorbei (Num. 13:22). Nur ein Spion hat die Stadt betreten. Wer war dieser Spion? Dem Talmud zufolge war dies Kalev, der sich über den Gräbern unserer Erzväter ausbreitete. Er bat um Hilfe gegen die bösen Absichten der Spione: “Meine Vorfahren, bittet für mich um Mitleid, damit ich vor den bösen Plänen der übrigen zehn Spione bewahrt werde.”

Darf man sich im Gebet an verstorbene Vorfahren wenden? Verstößt man damit nicht gegen das Verbot in Wajikra (Levitikus) “Du sollst die Toten nicht versuchen”  (Deut. 18:11)? Das Judentum ist reiner Monotheismus und kennt keine Vermittler. Wir dürfen niemals zu Mittelsmännern oder Mediums beten. In verschiedenen Gebeten, z. B. in den Slichot – Bittgebeten – finden wir Ausdrücke wie: “Engel der Barmherzigkeit, Diener des Höchsten, bittet G’tt für uns” oder “Eigenschaft der Barmherzigkeit breite dich über uns aus, lass unsere Gebete deinen Schöpfer erreichen”. Auch mittelalterliche Gelehrte, wie Rabbi Meïr von Rottenberg, zitieren dieses Gebet. Wenn es erlaubt ist, die Engel zu bitten, ist es auch erlaubt, für die Seelen der Verstorbenen zu beten.

G’tt ist der Einzige, der es wert ist, dass man ihm dient

Andererseits gibt es viele Gelehrte, die davor warnen, mit den Toten zu sprechen, sie nicht zu einem Mittel zu machen oder sie gar als Fürsprecher anzurufen. Das Gebet muss an G’tt gerichtet sein.

So sagt auch Maimonides (1135-1204): “G’tt ist der Einzige, der es wert ist, dass man ihm dient. Niemand außer Ihm, nicht einmal die Engel, denn sie tun nur, was ihnen vorgeschrieben ist. Niedere Lebewesen haben keine freie Wahl. Es ist also nicht richtig, ihnen als Mittel zu dienen, um zu G’tt zu kommen. Nur auf Ihn müssen wir unsere Gedanken konzentrieren”. Der Chatam Sofer (1:166) erklärt, dass er diese Gebete gar nicht erst gesprochen hat, weil er nicht zu den Engeln davvenen (beten) wollte.

Nie Sholem Aleichem gesungen

Rabbi Chaim von Wolozhyn hat für die Engel am Freitagabend nie das bekannte Begrüßungslied vom Gruß Shalom Alechem oder Sholem Aleichem gesungen. Er glaubte, dass die Engel im Himmel nichts zu sagen haben und nur Abgesandte G’ttes sind.

Er spricht auch über die Ereignisse von Kalev. Der Spion Kalev warf sich auf das Grab der Erzväter, weil er an einem heiligen Ort beten wollte, damit sein Gebet erhört würde. Aber die meisten Menschen kennen den Unterschied nicht und es ist besser, nicht auf einen Friedhof zu gehen, um zu beten.

durch die Verdienste der dort begrabenen Vorfahren

Dennoch ist es zum Minhag (Brauch) geworden, zu feierlichen Zeiten des Jahres, wie vor Rosch HaSchana (jüdisches Neujahr) und am strengen Fastentag Tischa beAv, einen Friedhof zu besuchen. Man muss zu G’tt beten, dass man durch die Verdienste der dort begrabenen Vorfahren nicht von allen Arten von Tsores (Elend) betroffen wird.

die Toten haben an den Seelen der Lebenden teil

Maharam Schick (I:293) ist jedoch der Ansicht, dass Gebete auf einem Friedhof erlaubt sein sollten, weil wir davon ausgehen, dass die Toten an den Seelen der Lebenden teilhaben.

Die Verstorbenen wissen, was in dieser Welt geschieht, und wenn die Lebenden in Zeiten äußerster Bedrängnis an ihre Gräber kommen und den Himmel um Erbarmen bitten, ist es sicher, dass die Toten an ihren Sorgen teilhaben.

G’tt sieht, dass das Schlechte auch andere betrifft

So können wir auch verstehen, warum Tefillot (Gebete) von anderen auch helfen können. Wenn ein Tzadik an den Tsores anderer teilhat, wird die Barmherzigkeit G’ttes geweckt. G’tt sieht, dass das Schlechte auch andere betrifft, die nicht bestraft werden sollten, und sorgt dafür, dass das Elend aufhört.

ein guter Fürsprecher bei G’tt

Dennoch ist es erlaubt, sich an einen Engel zu wenden und ihn zu bitten, ein guter Fürsprecher bei G’tt zu sein, aber man sollte immer G’tt selbst im Auge behalten. Wenn man befürchtet, dass eine Mauer aus Eisen zwischen uns und G’tt steht, kann man sich an einen Tzadik wenden, um ein guter Fürsprecher zu werden. Der Zohar erlaubt auch dies. Selbst verstorbene Tzadikim, wie unsere Erzväter, können gebeten werden, als gute Fürsprecher zu fungieren. Dies geschieht regelmäßig in unseren Gebeten.

Das ist es, was Kalev auf dem Grab unserer Erzväter in Chevron getan hat. Er davente zu G’tt für die Verdienste des Verstorbenen in der Hoffnung, dass die Erzväter ein guter Fürsprecher sein würden.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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