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Diskussion mit dem jüdischen Gelehrten – Teil II

Noach Kuzari
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Die Leute wählen ihren mittleren Mann

Ben Noach: Trotzdem bleibt Moses eine Person wie die Begründer anderer Religionen?!

Rabbi: Sie fragen, wie wir über den g´ttlichen Ursprung der Tora sprechen können, der jetzt durch Mose zu uns gekommen ist. Die Bitte an Moses, zu vermitteln, kam vom Volk. Am Fuße des Sinai wurden die Juden von der g´ttlichen Offenbarung geschockt. Es war so überwältigend, dass es zu sterben drohte. Deshalb fragten die Leute: „Nähere dich und höre alles, was G-tt sagt, und gib dann alles an uns weiter, was G-tt zu dir spricht. Dann werden wir hören und tun “(5Mo 5,24). G-tt stimmte zu. Deshalb haben wir durch Mosche das meiste von der Tora gehört.

Das ganze Volk erlebte jedoch die Offenbarung der Gegenwart G´ttes in dieser Welt. Die Leute selbst baten darum, die Tora durch Mosche zu hören. Er nannte die Tora “min ha Schamaim”: Die Tora kommt vom Himmel. Der g´ttliche Ursprung der Tora ist ein grundlegendes Prinzip. Anscheinend hatten sie so viel Vertrauen in Mosche, als würde G’tt direkt mit ihnen sprechen. Das wird auch in der Tora wörtlich gesagt: “Sie vertrauten auf G-tt und seinen Knecht Mose” (Ex. 14: 31).

600.000 Zeugen des g´ttlichen Ursprungs

Ben Noach: Aber trotzdem war Moses nur eine Person?!

Rabbi: Das gesamte Volk hatte die Offenbarung aus erster Hand erlebt. Dann übernahm Mosche eine Vermittlerrolle. Aber der Kontakt mit dem g ttlichen Element war für alle direkt. Mosche arbeitete die Details aus und stellte die G-ttes-Tradition direkt und verbal dar. Selbst die Behauptungen Korachs haben die Reinheit der Lehren Moses nicht in Frage gestellt (4. Mose 16). Nun kann man argumentieren, dass die Gründer der großen Weltreligionen alle sagen, dass sie eine Nachricht vom Himmel erhalten haben. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen der Tora und den Büchern anderer Glaubensrichtungen. Am Fuße des Sinai sah ein ganzes Volk, wie sich G-tt ihnen offenbarte. Jeder – und nicht nur ein einzelner – erlebte die Wahrheit der g´ttlichen Gegenwart.

Mosche stellt sich nicht an erste Stelle

Ben Noach: Gibt es noch andere Hinweise auf den g´ttlichen Ursprung der Tora?

Rabbi: Moses hat mit der Tora keinen Nutzen für sich gewonnen. Als Interpret des Wortes G’ttes ist er nicht wie andere Religionen zu einem Messias oder König geworden. Mose erhielt keine Ehre. Er wurde nicht einmal ein Kohen (Priester). Er hat auch keine hohe Position für seine Kinder oder Enkel ausgehandelt. Er wollte nicht einmal Macht. Er hat die meisten seiner Funktionen auf andere übertragen. Wir lesen das in Ex. 18:24: “Moses antwortete auf die Meinung seines Schwiegervaters und tat alles, was er sagte” – er teilte die Justiz mit 78.600 anderen Richtern.

In 4. Mose 11,14 sagt Mose: „Ich allein kann dieses ganze Volk nicht ertragen, weil es mir zu schwer ist.“ Mose wollte, dass jeder ein Prophet wird. Als Eldad und Medad über den Tod von Mosche und die neue Führung von Jehoschua ben Nun prophezeit haben, antwortete Mosche seinem Schüler: „Wirst du sie für mich zum Schweigen bringen? Wenn nur das ganze Volk Propheten von Haschem (G’tt) gewesen wäre “(Num 11,29).

Keine unfehlbaren Führer

Ben Noach: Vielleicht war Mose nur ein richtiger, bescheidener Anführer?

Rabbi: Es ist erwähnenswert, dass Moses auch weniger schöne Dinge über sich selbst erzählt, wie zum Beispiel das Schlagen des Felsens, was ihn dazu veranlasst hat, nicht nach Israel einzureisen. Moses war in der Tat sehr bescheiden und extrem demütig. Die Patriarchen Avraham, Yitzchak und Ja’akov sowie die Erzmütter Sara, Rivka, Rachel und Lea erwähnen nicht nur die guten, sondern auch die weniger positiven Dinge. In den heiligen Büchern anderer Völker werden keine Negativen Dinge über spirituelle Führer erwähnt. Dies spricht für die Wahrheit der Tora.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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