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Hielten sich auch die Stammväter – wie Re’uwen, Shimon, Levi und Yehuda – an die Gebote der Tora, so wie es die drei Erzväter taten?- Parascha MIKEZ

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בסייד

Im Talmud gibt es dazu zwei Meinungen: Rabbi Yehuda sagt, dass sie tatsächlich nur Jüdische Frauen heirateten, aber Rabbi Nechemiah ist der Meinung, dass sie kena’anitische Frauen heirateten. Die Frage wird in dieser Woche erneut aufgeworfen, als der Pharao Osnat, die Tochter des Potiphar, mit Josef verheiratet.

Durch diese Heirat machte der Pharao allen klar, dass die Ehebrecher-Vorwürfe von Potiphars Frau Sulaika unbegründet waren – denn wer würde seine Tochter den Mann heiraten lassen, der versucht hatte, sie zu vergewaltigen? Osnat erzählte Potiphar übrigens, dass Sulaika seit einem Jahr versucht hatte, Josef zu verführen, und dass nicht er, sondern sie den Ehebruch begangen hatte.

 ► Wenn Osnat tatsächlich eine Ägypterin gewesen wäre, hätte Josef sie zweifellos dazu gebracht, Giur zu machen (sie zum Judentum konvertieren zu lassen) und eine Chuppa mit ihr zu feiern. Das schreibt auch Raschi in so vielen Worten (48:9), als Ja’akow Josef fragt: “Wer sind diese Kinder – Efraim und Menasche”. Um seinen Vater davon zu überzeugen, dass sie Kinder aus einer koscheren Jüdischen Ehe sind, zeigt Josef Ja’akow die Heiratsurkunde und die Ketuba.

► Nach Ansicht der Tosafisten (1250, Frankreich) war diese Osnat eine Nichte von Josef, die von Potiphar als Pflegetochter adoptiert wurde. Nachdem Dina von Sichem geschändet worden war, bekam sie eine Tochter. Dina wollte nicht täglich an ihre Vergewaltigung erinnert werden und schickte ihre Tochter mit einem Anhänger nach Ägypten, auf dem stand, dass sie ein Nachkomme von Ja’akows Familie sei. Osnat war also Jüdin, weil ihre Mutter Jüdin war.

► Wie konnte Ja’akow ein jüdisches Mädchen allein ins heidnische, hedonistische und unzüchtige Ägypten schicken? Nachmanides (1194-1270) argumentiert daher, dass bis Matan Tora – der Tora-Gesetzgebung am Berg Sinai – das Kind dem Vater folgte und nicht automatisch den jüdischen Status seiner Mutter teilte. Wenn Osnat keine Jüdin war, musste Josef sie zum Judentum konvertieren lassen.

► Es stellt sich die Frage, wie er das ohne Bait Din, ein Jüdisches Gericht, hätte tun können. Wahrscheinlich stammt auch das Gebot, dass ein Giur nur durch ein Bait Din bewirkt werden kann, aus der Zeit nach Matan Tora, weil erst dann eine wirkliche Verpflichtung zum Halten der Mizwot entstand. Awraham und Sara “bekehrten” viele Menschen, und auch Batja, die Tochter des Pharaos, die Mosche das Leben rettete, war durch Untertauchen im Nil Jüdin geworden. Dennoch waren diese Bekehrungen noch nicht von so schwerwiegender Art wie nach Matan Tora. Giur war in Ägypten auch ohne Bait Din möglich.

►      Auch aus anderen Angaben in dieser Sidra geht hervor, dass Josef und seine Brüder die Vorschriften der Tora so weit wie möglich befolgten. Josef fordert seine Brüder, die ihn noch nicht erkannt hatten, auf, zu ihm zu kommen und mit ihm zu essen. Er befiehlt seinem Haushalt, Essen zuzubereiten. Der Talmud (B.T. Chulin 91a) leitet aus den Worten “schlachtet die Tiere und bereitet sie vor, denn heute Nachmittag werden diese Männer mit mir essen” (43:16) ab, dass Josef meinte, dass die Tiere koscher geschlachtet und der gid hanasche (der verdrehte Muskel) entfernt werden musste.

Josef wollte nicht, dass die Brüder ihn verdächtigten, Treife zu essen. Obwohl koscheres Essen vor der Matan Tora noch nicht verpflichtend war, hielten sich auch die Kinder Ja’akows an diese Verhaltensregeln. Viele Menschen fragen sich, wie es möglich war, sich an die Tora zu halten, bevor sie überhaupt gegeben wurde. Die Antwort lautet: Die Tora war den Eingeweihten schon lange bekannt, aber sie war noch nicht für ein ganzes Volk verbindlich. Das war die Größe unserer Vorväter: dass sie bereits das G’ttliche Gesetz befolgten, obwohl sie dazu nicht verpflichtet waren. Eigeninitiative wird immer belohnt.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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