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JOSEF DER TZADIK STEHT FÜR PHARAO – Parascha Mikez

JOSEF DER TZADIK STEHT FUER PHARAO - Parascha Mikez
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Im Judentum gibt es nur zwei Personen, die den Titel Tzadik tragen: Noach und Josef. Der Titel Noachs steht in der Tora (Gen 6,9): “Noach war ein gerechter, aufrechter Mann unter seinen Zeitgenossen. Noach wandelte mit G’tt”. Auf Deutsch heißt ein Tzadik ein rechtschaffener Mann. Unsere Weisen nennen Josef auch einen Tzadik.

Retter der Welt

Warum werden nur diese beiden besonderen Menschen als Tzadik bezeichnet und nicht alle anderen heiligen Persönlichkeiten in unserer Geschichte? Der Begriff Tzadik ist für Menschen reserviert, die die Welt gerettet haben. Noach war der Einzige, der die Mabul (Sintflut) überlebte. Josef rettete die gesamte damalige Welt vor einer großen Hungersnot, die ursprünglich sieben Jahre dauern sollte und die niemand normalerweise überleben konnte. Am Ende dauerte die Hungersnot in Ägypten nur zwei Jahre, dank der Zechut (Verdienst) von Ja’akov, der nach Ägypten kam und durch seine Frömmigkeit und G’ttesfurcht dafür sorgte, dass die Hungersnot für alle aufhörte.

Zügellose Gesellschaft

Wie hatte es Josef geschafft, in einem promiskuitiven Land wie Ägypten, das die Tora “ervat ha’aretz” – die Nacktheit der Welt – nennt (vgl. Gen 42,9), so fromm, heilig und gut zu bleiben? Die Folgefrage lautet: Wie hat es das jüdische Volk, die Bnei Jisrael, geschafft, während der 210 Jahre der Sklaverei und Unterdrückung in einer so ausschweifenden Umgebung völlig frei von Ehebruch und Unzucht zu bleiben?

Nicht auf unmoralische Annäherungsversuche eingehen

Die Antwort finden wir in der Parscha Wajeschew, die wir letzte Woche gelesen haben. Dort sahen wir, wie Josef Tag für Tag von Sulaika, Potiphars Frau, belagert wurde, die schamlos versuchte, Josef ständig zu verführen. Josef ging nicht auf Sulaikas Avancen ein. Der Midrasch beschreibt, wie schwer sich Josef damit tat. Doch er gab nicht auf. Warum muss die Tora so ausführlich von Sulaikas unzüchtigen Versuchungen und Josefs tapferem, moralischem Widerstand berichten?

Vorbild für Bescheidenheit

Josef legte das spirituelle Fundament für das moralische und sittliche Überleben des jüdischen Volkes. Mit Josef als Beispiel für Zeniut und Bescheidenheit konnte das jüdische Volk als moralische, aufrechte und sittliche Einheit in einer degradierten Gesellschaft wie Ägypten überleben.

Das Beispiel seines aufrechten Vaters

Wie schaffte es Josef, in seiner Loyalität zu G’tt und der Tradition der Vorväter, der Erzväter, so unerschütterlich zu bleiben? Josef war den Reizen von der Frau seines Chefs Sulaika fast erlegen, als ihm plötzlich das Gesicht seines Vaters Ja’akow erschien und ihm sagte, dass er für immer verdammt sein würde, wenn er den Wünschen der Frau seines Herrn nachgäbe, abgeschnitten von der geistigen Verbindung mit seinem Vater und dem Rest der Familie Ja’akows. Dies war die Quelle von Josefs geistiger Stärke, um allen Versuchungen zu widerstehen. Sein Vater Ja’akov war sein großes Vorbild. Ja’akov hatte erst im Alter von 84 Jahren geheiratet, um seinen Umgang mit dem anderen Geschlecht zu perfektionieren. Ja’akov war das Paradebeispiel für zurückhaltendes und moralisch hochstehendes Verhalten.

Manchmal schreitet G’tt nicht ein

G’tt hatte in das Schicksal des gesamten jüdischen Volkes eingegriffen, als Josef das Gesicht seines Vaters und dessen Reaktion sah. Aber warum hat G’tt nicht eingegriffen, als die Brüder eine schreckliche awera (Übertretung) begingen? Sie verkauften Josef für 20 Schekel als Sklaven nach Ägypten. Offenbar hätte es so sein sollen.

Lange vorhergesagt

G’tt hatte dies bereits zur Zeit des Bundes zwischen den Teilen, dem Brit bejn Habetarim, vorausgesagt (Gen 15:13-14): “Da sprach G’tt zu Awram: Wisse, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das ihnen nicht gehört (Ägypten). Sie werden ihnen dienen und einer wird sie vierhundert Jahre lang unterdrücken. Aber auch das Volk, dem sie dienen werden, werde ich richten, und danach werden sie mit viel Besitz weggehen.”

Der Mensch wählt, G’tt verfügt.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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