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Mikwe

Mikwe
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Was an Yom Kippur in Ruchniut – Spiritualität und geistigem Sinne– geschieht, erfolgt bei einem Besuch in der Mikve in Gaschmiut – in einer verkörperten Form. Alles geht um den Kontakt zu haSchem. Dieser Kontakt mit G“tt schenkt die totale Versöhnung. Dieser Kontakt bringt alle Ebenen der Seele zusammen.

Sobald es einen direkten Kontakt zum Höchsten Wesen gibt, verschwinden alle menschlichen Schwächen wie Schnee in der Sonne. Diese G“ttliche Berührung bringt überall in der Seele Versöhnung. G“ttliche Berührung kann eine Millisekunde dauern, nicht desto trotzt reinigt diese unsere Seele.

Genauso, aber auf eine andere Art und Weise, spüren und empfinden wir die Reinigung unserer Seele durch die Mikve.

Sich nicht von Gaschmiut entfernen – vom Materiellen

Der große Unterschied zwischen Judentum und vielen anderen Religionsformen ist, dass die Thora sich auf die irdische Gegenwart, auf das hier und jetzt, mit anderen Worten auf die Realität, konzentriert.

Die große Stärke des Judentums liegt darin, dass die Thora in der Lage ist, die erhabenen und abstrakten Begriffe und Bewegungen in ganz bestimmten und konkreten Linien und Formen um zu setzen, indem sie es schafft, eine gute Balance zwischen Spiritualität und Materie her zu stellen.

Die vier Flüsse aus dem Gan Eden

Ich möchte Sie zu Beginn an die Erschaffung des Menschen erinnern: Genesis 2: 8-17 (gekürzt): „Und haSchem pflanzte einen Garten in Eden im Osten, und Er setzte dorthin den Menschen. Und haSchem ließ allerlei Bäume wachsen…den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und den Baum der Erkenntnis zwischen das Gute und das Böse. Ein Fluss kam aus dem Gan Eden, zur Wasserversorgung. Von dort teilte sich den Fluss in vier andere Flüsse:

  • „Der erste wurde mit Pischon (Nil) benannt.
  • Der zweite Fluss ist Gihon (Identität unklar, vielleicht der Fluss Ganges).
  • Der dritte Fluss ist der Chidekel (Tigris).
  • Der vierte Fluss ist der Euphrat“ (Ende des Zitats).

Warum wurde die Geschichte der Einführung von Adam ins Paradies durch die Ankündigung unterbrochen, dass vier Flüsse im Gan Eden entsprangen? Adam symbolisierte Perfektion und Vollkommenheit; das Böse war kein Teil des Menschen, sondern war außerhalb.

Aber nach der Sünde von Adam kam das Böse in den Menschen. Und ab diesem Ereignis gibt es den ständigen Kampf zwischen Gut und Böse.

Das Böse war nun ein integraler Bestandteil des Menschen. Das führt uns zu einer grundsätzlichen Frage: Weshalb schaffte G“tt diese irdische Welt mit allen Prüfungen? Da G“tt das absolut Gute ist, muss diese Aktion reiner Altruismus gewesen sein. Was ist das Schönste, das haSchem uns geben könnte? Dass wir Ihm so weit wie möglich ähnlich sein würden. Darum gab G“tt dem Menschen einen kompletten freien Willen, um ihn, so weit wie möglich, G“tt ähnlich zu machen.

Der Preis für die menschliche Wahl der Freiheit ist, dass das Böse geschaffen werden musste. Wenn der Mensch nur Gutes tun könnte, würde er wie ein Roboter sein. Das Gute könnte daher keine heilende Wirkung haben. Natürlich lebte Adam im Paradies in völliger Harmonie mit sich selbst und mit seiner Umgebung. Sein Geist war total frei um mit dem G“ttlichen zu kommunizieren. Er war unsterblich. Sein Lebensunterhalt war kein Problem. Adam entnahm seine pflanzliche Nahrung direkt aus der Natur. Er tötete keine Tiere. Das Böse war extern, in einer Schlange, verkörpert. Adam und Eva hatten nur ein Verbot: sie durften nicht vom Baum der Erkenntnis zwischen Gut und Böse essen.

Sobald sie dieses Verbot brachen, nahmen das Gute und das Böse ihren Besitz über die Menschen, sie nisteten sich in Geist und Körper ein. Ab diesen Moment  beeinflusste dieser Kampf zwischen Gut und Böse nicht nur die Menschen, sondern die ganze Welt. Das Böse durchdrang alles und überall. Das gesamte Leben müssen wir gegen diese Mischung aus Gut und Böse kämpfen.

Eine Verbindung mit dem Gan Eden

Wie entsteigen wir unserem gefallenen Zustand und wie verbinden wir uns mit dem Gan Eden? Der Talmud (Bechorot 55a) besagt, dass alle (natürlichen) Gewässer der Welt schließlich mit dem Fluss verbunden sind, der im Gan Eden entspringt. Adam tauchte vollständig in den Fluss ein, als er aus dem Garten Eden vertrieben wurde.

Obwohl wir den Gan Eden nicht mehr betreten können, haben wir aber die Möglichkeit, wieder in Kontakt mit diesem perfekten Zustand zu kommen, in dem wir in natürliches Wasser eintauchen. Das erfolgt durch das Eintauchen in die Mikve. Damit erhält man ein wenig von der himmlischen Perfektion. Hierdurch verschwindet die Tum´a (Verunreinigung) wie Schnee, der in der Sonne schmilzt.

Natürliches Wasser

Daher ist es erforderlich, dass sich in der Mikve natürliches Wasser befindet, das heißt Regenwasser oder Schmelzwasser, von Eis oder Schnee. Es soll auf natürliche Art in die Mikve (Ritualbad) gelangen, also über Auffangbecken, die über Kanäle oder Leitungen mit der Mikve verbunden sind. Diese Kanäle sollten auch natürlich sein, d.h. nicht durch den Menschen und seine Werkzeuge geschaffen, die keine Perfektion enthalten und symbolisieren.

Dass Wort Mikve hat die gleichen Buchstaben wie das hebräische Wort “Koma”, Aufstehen oder Steigen. Der Kontakt zur Perfektion von G“ttes Schöpfung ist für uns notwendig, um den jetzigen, unvollkommenen Zustand zu verbessern und um G“tt nahe zu kommen. Am Anfang schuf haSchem den Gan Eden mit dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse in der Mitte. Dieses ermöglichte es dem ersten Menschen, zu sündigen.

haSchem schuf die Refua, die Medizin, vor der Makka, der geistigen Krankheit. Die Refua bietet die Möglichkeit, geheilt zu werden. Das Heilmittel ist der Fluss im Paradies, welcher heilt und die spirituelle Ebene des Menschen steigert. Das Wasser der Mikve ist unsere Verbindung mit dem Fluss im Paradies.

Geistiges Gegenstück

Jede materielle Sache hat einen geistigen Aspekt. Wenn ein Mensch körperlich in das materielle Wasser der Mikve eintaucht, dann taucht auch sein Geist, seine Neschama, in die geistige Mikve mit ein.

Wasser

Wasser ist das deutlichste Beispiel für Flüssigkeit und auch für (Ver-)Änderung. Der Hauptunterschied zwischen Flüssigkeit und fester Materie ist die Veränderung. Wenn wir uns vorstellen, dass sich auf das Erde nichts bewegt, alles ist statisch und es gibt keine Flüssigkeit, dann können wir sagen, dass in unserer Welt nichts wächst und sich nichts verändert, so wie ein Stein.

Das Leben ist aber eine kontinuierliche Kombination von Veränderung und Widerstand. Der menschliche Körper besteht z.B. 70% aus Wasser. Vor der Entstehung des Universums war nur „haSchem”, es gab keine Zeit und keine Veränderung. Der flüssige Zustand ´Wasser´ war der erste Urzustand des Universums.
Dieses Universum ist eine Welt mit Dynamik: „Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; der Geist G“ttes schwebte über das Wasser. G“ttes Geist bewirkte eine Bewegung (merachefet) auf der Oberfläche des Körpers des Wassers“ (Gen. 1: 1-2). Der G“ttliche Geist bewirkt Bewegung, pflegt und bietet Führung und Richtung zum Ewigen Plan und Programm der Veränderung des Universums, um uns schließlich zu den messianischen Zeiten zu führen. Dieses schafft Licht gegenüber der Dunkelheit. Wajehi OR!

 

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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