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Sonstige Bräuche und Vorschriften – ERKLÄRUNGEN ZU ROSCH HASCHANA (Teil III)

Sonstige Bräuche und Vorschriften - ERKLÄRUNGEN ZU ROSCH HASCHANA (Teil III)
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von einem unserer Korrespondenten

15.Minhag von Rosch Haschana

Taschlich Brauch – symbolisch werfen wir am 1. Tag am Nachmittag Brotkrumen in einen Fluss, um die Sünden abzustreifen, aber auch weil man früher den König am Fluss gekrönt hat. Von dort aus ist man dann mit dem König zum Palast gezogen.

16. Gottesdienstablauf von Rosch Haschana

Beim Ausheben der Tora sagt man: “Wajehi Binsoa…” und auch die “13 Attribute”: Haschem, Haschem, Kel Rachum Wechanun. .. Wenn Rosch Haschana auf Schabbat fällt, wird letzteres nicht gesagt. Am Rosch Haschana werden die üblichen Verse zum Ausheben der Tora gesagt, nur wird bei dem Vers “Echad Eloikeinu …” das Wort “Nora, Ehrfürchtiger” hinzugefügt.

Es werden zwei Torarollen ausgehoben, aus der einen liest man: “WaHaschem Pakad Et Sara” – die Erzählung von der Geburt Jizchaks (Bereschit 21). Es werden fünf Personen aufgerufen.

Aus dem zweiten Sefer wird der Text über die Opfer des Festes vorgelesen (Badmidbar 29, 1-6). Als Haftara liest man Schmuel I 1-2, 10. Sie enthält den Bericht über die Geburt Schmuels, denn auch Chana wurde, wie Sara, am Rosch Haschana bedacht. Auch Chanas Dankgebet ist in der Haftara enthalten. Die neun Segenssprüche des Mussafgebets von Rosch Haschana sind nach diesem Gebet aufgebaut.

Am zweiten Tag werden ebenfalls fünf Personen aufgerufen. Man liest die ״Akeida – die Bindung Jizchaks” (Bereschit 22). Jizchaks Opferbereitschaft soll Fürsprecher für seine Nachkommen an diesem Tag sein. Aus dem zweiten Sefer liest man wieder über die Opfer des Festtages. Die Haftara stammt aus Jirmijahu 31, 5-20. Diese Haftara enthält eine Schilderung unserer Stammmutter Rachel, die sich weinend weigert, Trost für ihre aus dem Land verbannten Kinder anzunehmen. Auch die Verdienste der Wüstengeneration werden erwähnt, die dem jüdischen Volk beistehen sollen an diesem Tag des Gerichts, G”ttes Erbarmen zu wecken.

An beiden Tagen wird morgens in der Synagoge aus der Tora gelesen:

Am 1. Tag geht es um die Geburt Jizchaks und am 2. Tag um die Bindung Jizchaks. Bei dem Widder, der sich mit seinen Hörnern im Gebüsch verfängt, wird das Schofar erwähnt. Der Widder wird anstatt Jizchaks geopfert. Jüdinnen und Juden glauben, dass Gott den Glauben Abrahams, der bereit war Jizchak auf dem Berg Morija zu besonders schätzt und deshalb rechnet Gott diesen großen Glauben noch späteren Generationen von Juden und Jüdinnen als Verdienst an.

Die Haftara stammt aus Jirmijahu und enthält eine Schilderung unserer Stammutter Rachel, die sich weinend weigert, Trost für ihre aus dem Land verbannten Kinder anzunehmen.

Auch die Verdienste der Wüstengeneration werden erwähnt, die dem jüdischen Volk beistehen sollen an diesem Tag des Gerichts, Gottes Erbarmen zu wecken.

17. Gebete von Rosch Haschana

Awinu Malkenu sagt man zum Abschluss des Schacharit – des Morgengebetes.

Es wird jedoch nicht gesagt, wenn Rosch Haschana auf Schabbat fällt.

Die wichtigsten Änderungen für den Tag des Gerichts finden ihren Ausdruck im Mussafgebet von Rosch Haschana: Es sind dies die ״Malchujot, Sichronot und Schofarot’.

In vielen Gemeinden wird Psalm 130 vor “Jozer Or” hinzugefügt: “Schir Hama’alot Mima’amakim Keraticha Haschem … – aus der Tiefe rufe ich Dich, G”tt”.

Einfügungen beim Mussaf Gebet

Mussaf erinnert an drei Bereiche:

Malchujot (Gottes Königstum), Sichronot (Gottes Gedenken) und Schofarot (Schofar)

Einfügungen bei bei allen Schemonee Esree Gebeten

1.       den zwei ersten und den zwei letzten Segenssprüchen werden vier Einschaltungen hinzugefügt:

2.       a) “Sochrenu Lechaim … – gedenke unser zum Leben.. “

3.       b) “Mi Chamocha . – wer ist wie Du . “

4.       c) “Uchetow … – schreibe uns ein zum Leben … “

5.       d) “Besefer Chaim … – in das Buch des Lebens … ״

Diese Einschaltungen werden während der “Asseret Jemei Teschuwa – der 10 Busstage” – bis zu Ne’ila – dem Schlussgebet an Jom Kippur – gesagt. (Beim Ne’ilagebet erfolgt eine zusätzliche Änderung: statt “Ketiwa – Einschreiben” wird “Chatima – Besiegeln” gesagt.)

–        Der dritte Segensspruch schliesst während der “Asseret Jemei Teschuwa – der 10 Busstage” immer mit: “Hamelech Hakadosch – der Heilige König”. Diese Änderung gilt ebenfalls für alle zehn Busstage. Wenn Sie das Wort “Hamelech“ vergessen haben, müssen Sie das ganze Gebet noch einmal sprechen.

Am Rosch Haschana soll der Mensch seinen Sinn auf das Gebet richten, hauptsächlich auf G”ttes Herrschaft und auf Anliegen der Gemeinschaft, mehr als auf persönliche Bitten. Man wendet sich an den Richter der Welt, um Freispruch für die ganze Menschheit zu erhalten, man bittet um Weltfrieden und um Offenbarung des G”ttlichen Königreiches, für all Seine Geschöpfe.

Jeder einzelne auf der Welt möge anerkennen, dass es G”tt ist, Der ihn erschaffen hat, jeder Erdenbürger soll verstehen, dass Er es ist, Der ihn gebildet hat, und alles, was Atem hat in seinem Antlitz, spreche: G”tt, G”tt Israels ist König, und Seine Regierung waltet über alles. Dieser Gedanke steht im Vordergrund des Gebetes für den Tag des Gerichts, an dem alle Erdenbürger vor Ihm vorüberziehen wie Schafe vor ihrem Hirten, damit Er sie richte, sei es zum Leben oder zum Tode.

Jeder bittet um Erbarmen, sowohl für sich selbst als auch für die gesamte Menschheit

Wenn ein Mensch weiss, dass der Tag gekommen ist, an dem er sich vor dem Hohen Gericht verantworten muss für alle seine Taten, kann er sich nicht einzig und allein für seine eigenen Anliegen einsetzen. Sogar wenn er sicher ist, dass er selbst freigesprochen wird, kann er sich nicht ausschliesslich für sich selbst verwenden. Er wird sich bewusst, dass das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel steht.

Wird die Menschheit bestraft oder begnadigt werden? Darum bittet jeder um Erbarmen, sowohl für sich selbst als auch für die gesamte Menschheit, damit alle in das Buch des guten Lebens eingetragen werden. So möge Er, Der das Leben jedes Menschen bestimmt, die Wünsche aller erfüllen und an nichts mangeln lassen. So sagen unsere Weisen: “Der, der das Leben gibt, sorgt auch für Lebensunterhalt.”    

18. Vorschriften aus der Tora an Rosch Haschana

Es wurde uns von der Tora geboten, am Rosch Haschana Schofar zu blasen. “Uwachodesch Haschewi’i … und im siebten Monat, am ersten des Monats, Ruf zum Heiligtum sei euch. Keinerlei Werk dürft ihr verrichten, ein Tag der Terua – des erschütternden Tones – soll er euch sein” (Bamidbar 29, 1). Lischmoa Kol Schofar – Den Klang des Schofars hören. Wir hören insgesamt 100 Schofartöne: Dreißig (30) sind notwendig zur Erfüllung der Mizwa.

19. Warum hören wir einen Tag vor Rosch Haschana kein Schofar?

Weil das Hören des Schofars im Monat Elul ein Minhag (Brauch) ist und wir eine Unterscheidung zu Rosch Haschana machen, wo den Klang des Schofars hören ein Tora Gebot ist.      

20. Ordnungen an Rosch Haschana:

An Rosch Haschana ist die Synagoge weiß geschmückt und wir tragen weiße Kleider in Erwartung eines gerechten Urteils im Wissen darum, dass HaSchem seinem Volk Wunder tut.      

22. Was wünschen wir uns an Rosch Haschana?

„Schana tova“ und wir segnen am 1. Abend einander mit den Worten „Leschana towa tikkatew wetechatem lealtar leChajim towim“ (mögest Du für ein gutes Jahr eingeschrieben und besiegelt werden sofort, für ein gutes Leben), denn jeder soll seinen Mitmenschen als Zaddikim Gemurim – vollkommenen Gerechten – betrachten, die sofort ins Buch des Lebens geschrieben wirden.        

23. Seudot (Mahlzeiten) Rosch Haschana

Nach dem Abend- und Morgengebet jedes Festtages sagen wir einen Kiddusch über dem Wein und den Segensspruch über die runden Challot und genießen ein Festtagsmal.  

Symbolträchtigen Bräuchen /Simanim zu Rosch Haschana

Von unseren symbolträchtigen Bräuchen /Simanim zu Rosch Haschana erhoffen wir uns ein gutes rundes Jahr. Am ersten Abend von Rosch Haschana tauchen wir Apfelstücke in Honig und essen den Kopf eines Fischs, was dem ״Kopf des neuen Jahres“ entspricht, bzw. wir sollen der Kopf und nicht der Schwanz sein. Granatäpfeln symbolisieren, dass wir uns so viele Mizwot wie der Granatapfel 613 Samen hat, im kommenden Jahr zu erfüllen wünschen. Wir tunken über Rosch Haschana die Challa nicht in Salz, sondern in Honig, – und wünschen uns gegenseitig ein ״Schana tova umetuka“, ein wunderschönes süßes Jahr.

24. Welche Bedeutung haben die einzelnen Lebensmittel

Simana Milta Hi – Zeichen haben eine Bedeutung

So ist es am ersten Abend von Rosch Haschana Sitte, während der Mahlzeit verschiedene Speisen zu essen, die durch ihre Beschaffenheit oder ihren Namen eine symbolische Bedeutung für ein gutes, angenehmes Jahr haben. Darum wird die Challa, über die man Hamozi macht, in Honig getaucht. Hat man davon die vorgeschriebene Menge gegessen, so nimmt man einen Süssapfel und taucht auch diesen in Honig ein. Man spricht dann zuerst den Segensspruch “Bore Peri Ha’ez”, isst davon und anschliessend “Jehi Razon… Es sei Dein Wille, unser G”tt und G”tt unserer Väter, dass ein gutes und süsses Jahr für uns erneuert werden möge.” Man soll dies erst nach dem Genuss des Apfelstückchens sagen, damit keine Unterbrechung zwischen der Beracha “Bore Peri Ha’ez” und dem Genuss der Frucht entsteht.

verschiedene Gemüsesorten

Nun werden verschiedene Gemüsesorten verzehrt, deren Namen im Hebräischen oder auch in anderen Sprachen Andeutung und Symbolik für ein gutes neues Jahr sein könnten. Z. Bsp:

Lauch, aramäisch Karti- Schejikartu Oiwecho – es mögen Deine Feinde ausgerottet werden.

Rüben – Schejirbu Sechujotenu – unsere Verdienste mögen grösser werden.

Silka, aramäisch für Mangold – Schejistalku Oiweinu – mögen unsere Feinde verschwinden.

Karotten, hebräisch Geser- Schetikra Roa Gesar Dineinu – Du mögest die Härte unseres Urteils zerreissen.         

25. Hawdala

Am Ende des zweiten Tages des Jom tov machen wir Hawdala ohne Kerzen und ohne Besamim (Gewürze).

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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