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Warum sollte man sich vor dem Coronavirus hüten? Es ist doch schon alles vom Himmel entschieden worden!

Warum sollte man sich vor dem Coronavirus hüten Es ist doch schon alles vom Himmel entschieden worden!
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Originaltext auf Russisch finden Sie hier

Frage an Rabbiner:

Schalom, rav Reuven! Ich möchte Sie gern fragen, ob es Sinn macht alles so sehr zu waschen, sich isolieren und vor dem Coronavirus zu hüten? Oder werden nur diejenigen krank, die erkranken sollen? Entschuldigen Sie die Störung!

Ihre Meinung ist sehr wichtig.

Vielen Dank im Voraus.


Antwort:

Alles, was auf dieser Welt geschieht, geschieht nur nach dem Willen G-ttes. Daher werden zweifellos diejenigen krank, über die der Schöpfer im himmlischen Gericht entschieden hat, dass sie dazu bestimmt sind, krank zu werden.

Es bleibt jedoch die Frage: In Bezug auf wen wird eine solche Entscheidung getroffen? Es ist möglich, dass dies denjenigen passiert, die sich nicht im erforderlichen Umfang schützen werden.

Ich erkläre es.

Der Große Ramhal schreibt in dem Buch „Der Weg des Schöpfers“, dass der Allmächtige beschlossen hat, dass es einen Staatsanwalt am himmlischen Hof geben soll – dies ist Satan, dessen Zweck ist, ein Gerichtsverfahren gegen Menschen einzuleiten. Und wenn er dies tut, wird der himmlische Hof den Fall in Anspruch nehmen (in einem solchen Moment sind der Zustand, das Verhalten und die Handlungen des Menschens selbst besonders wichtig).

Ramhal fährt fort: “Eine der Manifestationen des Merkmals der Herzgütigkeit des Allmächtigen ist, dass ein Mensch erst dann beurteilt wird, wenn der Staatsanwalt ihn beklagt, obwohl die Sünden eines Sünders vor dem Schöpfer auch ohnehin offen sind.”

Man muss wissen, dass die Befugnisse des Staatsanwalts begrenzt sind und er seine Anklage nicht erheben kann, wann immer er dies wünscht – er hat das Recht, dies nur zu einem bestimmten Zeitpunkt zu tun. Einer dieser Momente ist, zum Beispiel, wenn eine Gefahr besteht. Darüber sprechen die jüdischen Weisen im Midrasch (Bereschit Raba, 91).

Im Traktat Schabbat (32a) steht: „Ein Mensch sollte niemals sich selbst in Gefahr brinen, in der Hoffnung, dass der Himmel um seinetwillen ein Wunder vollbringt, denn es kann vorkommen, dass es wird kein Wunder für ihn geben. Und wenn doch, dann wird es von seinen Verdiensten abgezogen.“

Aus dem obenstehenden können wir schließen, dass wir uns in diesem Fall vor der Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen sollten, damit, Gott bewahre, der Ankläger nicht gegen uns selbst aufstachelt.

Darüber hinaus verpflichtet Tora jeden Juden, Gefahren zu vermeiden und sagt: „Nur hüte dich für dich und hüte deine Seele sehr“ (Dewarim, 4:9). Laut unseren Weisen ist dies eines der wichtigsten Gebote.

Daher begeht ein Mensch, der nicht genügend Anstrengungen unternimmt, um Gefahren zu vermeiden, eine große Sünde, aufgrund derer er die Bestrafung dieser gefährlichen Krankheit oder sogar, Gott bewahre, den Tod verdienen kann.

Gleichzeitig ist es absolut wichtig zu verstehen, dass vorbeugende Maßnahmen in keinem Fall mit Panikangst, Überhöhung, Hysterie oder Depression einhergehen dürfen.

Es ist notwendig, ein Gleichgewicht in eigener Seele zu finden und mit zuversichtlichem Optimismus auf die Barmherzigkeit des Allmächtigen zu vertrauen, wobei Seine Gebote (siehe 1. unten) und gute Taten besonders zu beachten sind, was für unser Leben von großer Bedeutung ist und natürlich die Entscheidungen des himmlischen Hofes beeinflusst. Bei alledem muss man die notwendigen, von der Medizin vorgeschriebenen Maßnahmen, pedantisch ergreifen.

Und noch etwas. Das Leben ist ein wunderbares Geschenk, das einem Menschen von oben gegeben wird. Wenn er dieses Geschenk mit Sorgfalt annimmt, zeigt er, dass es für ihn wichtig ist, und dann hilft ihm der Allmächtige selbst, es zu retten. Wenn jemand ein solches Geschenk vernachlässigt, Fahrlässigkeit demonstriert, zeigt Unachtsamkeit, dann ist es durchaus möglich, dass der Schöpfer beschließt, seine Lebenszeit zu verkürzen.

Daher ist es bei aller Verantwortung sehr wichtig, angemessene (nicht übermäßige, aber vorgeschriebene) Anstrengungen zu unternehmen, um nicht mit dem Coronavirus infiziert zu werden. Und dies widerspricht keinesfalls der Tatsache, dass “nur diejenigen krank werden, die erkranken sollen”.

In der Tat hängt alles, was geschieht, mit dem Willen des Schöpfers zusammen. In seinen Händen befinden sich das Gericht und die Krankheiten und der Schutz vor ihnen, sowie alles andere, was unser Leben ausmacht. Unsere Rolle in dem, was geschieht, sollte jedoch nicht minimiert werden.

Fußnoten

1. Welche Gebote im Zusammenhang mit dieser Situation besonders wichtig sind, lesen Sie in meinem Artikel “Zwei Ratschläge vom Gaon unserer Generation, wie man sich vor dem Coronavirus hüten kann” vom 19. März 2020.

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Written by Rav Reuven Kuklin

Der Autor stammt aus Russland und immigrierte im jungen Alter nach Israel. Dort studierte er viele Jahre Torah und sammelte
Erfahrung bei Toldot Yeshurun als Redner und beantwortete Fragen zu allen möglichen Themen des Judentums aus aller Welt. Danach machte er sich selbstständig und gründete den russischsprachigen Verein IMREY NOAM, mit dem Ziel Torah im russischsprachigen Raum zu verbreiten. Seine Website imrey.com ist sehr erfolgreich mit über 500.000 Besuchern pro Monat.
Als Leiter von IMREY NOAM steht er Judentum.online, welches Teil von IMREY ist, mit Rat und Tat zur Seite.

Sprachen: Hebräisch, Russisch, Englisch

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