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Wie Efraim und Menasche – Parascha Wajechi

Die friedlichen Brüder
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Es gibt einen sehr bekannten und verbreiteten Brauch im jüdischen Volk am Freitagabend nach dem Gebet vor der festlichen Seuda (Mahlzeit) die Kinder zu segnen. Dieser Brauch wird als solcher erstmals im Siddur von Rabbi Yaakov Emden (Yaabez) gebracht, aber er basiert auf einem Vers in unserem Wochenabschnitt Vajechi: Yakov spürt, dass seine Tage auf dieser Welt gezählt sind und er bald aus ihr scheiden wird. Vor seinem Tod möchte er noch seine Kinder und Enkel segnen. Er lässt Josef rufen, um auch seine Kinder Efraim und Menasche zu segnen. 

„Und er segnete sie an diesem Tag mit den Worten, so soll Israel segnen, möge Haschem dich machen, wie Menasche und Efraim…“

Bereschit Kap. 48, Vers 20

Raschi kommentiert darauf, dass jedes Mal, wenn ein Vater seine Kinder segnen möchte, so soll er ihnen wünschen, so wie Efraim und Menasche zu sein.

Es stellt sich die Frage, warum wir unsere Kinder segnen, ausgerechnet so wie Efraim und Menasche zu sein? Man könnte sie segnen, so wie Awraham, Yizchak und Yakov zu sein oder wie Mosche und Aharon oder wie zahlreiche andere Gerechte des jüdischen Volkes. Was ist so besonders an Efraim und Menasche, dass wir unseren Kindern tausende Jahre später wünschen so wie dieses Geschwisterpaar zu sein?

Eine mögliche Erklärung ist, dass von allen Protagonisten der Tora, sie die ersten Brüder und Verwandten sind, welche keine Streitigkeiten zwischen sich hatten und in Frieden miteinander lebten.

Kain hat Hewel getötet, Awraham und Lot mussten sich trennen und Yizchak und Jischmael waren verfeindet. Yakov musste vor Eisav flüchten, weil dieser ihn umbringen wollte und Josef wurde von seinen Brüdern in die Knechtschaft verkauft.

Sogar jetzt, als Yakov Efraim bevorzugte und seine rechte Hand auf ihn legte, obwohl dieser der Jüngere war, blieb alles wie es vorher war und Menasche beneidete Efraim nicht darum.

Obwohl man selbstverständlich versuchen soll, kein Kind mehr als die anderen zu privilegieren, um Streit und Neid zu vermeiden, lässt es sich manchmal nicht verhindern, dass es passiert. Deswegen segnen wir am Freitagabend unsere Kinder, dass sie so wie Efraim und Menasche sein und stets den Frieden anstreben sollen.

Diese Woche war der 10. Tewet. In der jüdischen Tradition ist dieser Tag ein Fasttag. An diesem Tag begann die Belagerung Jerusalems, welche letztendlich zur Zerstörung des Tempels und der Vertreibung des jüdischen Volkes aus dem Heiligen Land führte. Unsere Weisen lehren, dass diese Strafe wegen Hass und Neid zwischen den Juden kam. Solange wir noch im Exil sind, ist dies leider ein Zeichen dafür, dass die Ursache des Exils noch immer gegenwärtig ist und die Geula (Erlösung aus dem Exil) behindert.

Wenn wir unsere Kind segnen, friedlich zu sein und sich gegenseitig zu lieben, sollten wir auch daran denken, dass wir unsere jüdischen Brüder und Schwestern lieben sollen. Sobald die Welt mit gegenseitiger Liebe und mit Frieden erfüllt wird, steht er Geula nichts mehr im Wege!  

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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