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ZWEI LIEDER DIREKT NACH LESCHANA HABAA BEEROESCHALAJIM HABENUJA

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SEDERABEND HAGADA – Teil 15

DAS LIED Wegen wajehi Bachazi Halajla – und es war um Mitternacht….

UND DAS LIED Va’amertem Zevach Pessach – Und du wirst sprechen: dies ist das Pessachopferfest

Diese zwei Lieder handeln von vielen Wundern, die genau um Mitternacht eintraten. Was charakterisiert eigentlich den Moment des Wunders? Was ist so speziell an Mitternacht? Warum singen wir mit dem Refrain „Dies ist das Fest von Pessach“ über Wunder, die so gut wie gar nichts mit dem Auszug zu tun haben?

Sieg unseres Erzvaters Awraham

Die Lieder berichten als erstes über den wundersamen Sieg unseres Erzvaters Awraham im Krieg gegen die Kena’anitischen Könige bei der Befreiung seines Neffen Lot (vgl. Bereschit 14: 16). Der Midrasch erklärt, das Awraham und sein treuer Diener Eliezer den Feind ohne Heer besiegten.

zwei zusätzliche Probleme

Eine Antwort auf die Anfangsfragen wird noch schwieriger, weil es noch zwei zusätzliche Probleme gibt. Der Talmud sagt, dass jemand das Mincha-Gebet (Mittagsgebet) mit besonderer Sorgfalt sprechen soll, weil der Prophet Elijahu nach dem Mittagsgebet eine positive G’ttliche Erwiderung erwirken konnte. Welche besondere Bedeutung hat das Mittagsgebet? Würden Elijahus Gebete morgens oder abends genauso wirksam gewesen sein?

Jochewed war 137 Jahre bei der Geburt von Mosche

Ein zweites Problem taucht auf beim Bericht über die Geburt Jizchaks. Die Tora berichtet ausführlich, dass unsere Erzmutter Sara bei der Geburt neunzig Jahre alt war. Nach dem Midrasch wurde Mosche geboren als seine Mutter Jochewed hundertsiebenunddreißig Jahre alt war. Dieses letzte Wunder bleibt in der Tora gänzlich unerwähnt. Warum wird es ignoriert?

Aller Anfang ist schwer

Etwas Ungewöhnliches ist nur beim ersten Mal einzigartig. Als der erste Mensch auf den Mond landete, saß die ganze Weltbevölkerung vor dem Fernseher. Heute würden wir vielleicht weiterzappen, wenn wieder eine Mondlandung ausgestrahlt wird. Es ist nichts Besonderes mehr. Nach der wundersamen Geburt Jizchaks war die Schwangerschaft von Jochewed nicht wirklich aufsehenerregend mehr. Das erste Wunder fand Aufmerksamkeit, danach ist es keine Neuigkeit mehr.

Während seines Mittaggebetes gelang es Elijahu, dem Propheten, vom Himmel ein Wunder zu erwirken. Elijahu hat so den Weg freigemacht für neue Wunder, die im Zuge unserer glühenden Mittagsgebete eintreten werden, auch noch in der heutigen Zeit.

Aufopferungsbereitschaft

Als Awraham hörte, dass sein Neffe Lot gefangen genommen wurde, wollte er ihn um jeden Preis befreien. Mit dem Krieg gegen eine gewaltige Übermacht setzte Awraham sein eigenes Leben aufs Spiel. Nun war Lot nicht der ganz große Zaddik, dass ihm so viel Aufopferungsbereitschaft entgegengebracht werden musste. Awraham war sogar gezwungen, in eine andere Gegend zu ziehen, weil Lot sich so schlecht benahm. G’tt war nur bereit mit Awraham zu sprechen, wenn dieser sich von seinem verdorbenen Neffen entfernte. Awraham hätte sich nicht um diesen Abtrünnigen kümmern müssen. Trotzdem riskierte er das eigene Leben. Awrahams Hilfsbereitschaft galt allen, unabhängig vom Ansehen der jeweiligen Person. So ahmte er G’tt nach, der auch keine Ausnahmen macht und alle Weltbürger, ob gut oder schlecht, unterstützt. Als Belohnung für seine Aufopferung schlug Awraham ein übermächtiges Heer.

Awraham hat die Vorarbeit geleistet

Mit diesem ersten Ausdruck von bedingungsloser Liebe zu seinen Mitmenschen setzte Awraham den Maßstab für alle nach ihm kommenden Generationen. Künftige Wunder können geschehen, weil Awraham die Vorarbeit geleistet hat. So soll dieses erste Wunder, das auch um Mitternacht geschah, uns daran erinnern, dass wir jemandem in seiner Not helfen müssen, obwohl wir sein Verhalten vielleicht nicht gutheißen.

Deckmantel des Götzendienstes

Die letzte Plage, mit der Pharao gezwungen wurde, die Juden frei zu lassen, war die Tötung der Erstgeburten um Mitternacht am 15. Nissan 2448. Genau zu diesem Zeitpunkt riskierte Awraham sein Leben für seinen Neffen Lot.

Legitimation für die Jagd nach Spaß und Vergnügen

Pessach ist die Verwerfung des Götzendienstes. Das Lamm war ein ägyptischer Götze. Der Götzendienst ist nichts anderes als ein rechtlicher Deckmantel für die Jagd nach Spaß und Vergnügen. Der Mensch sucht für seine Taten die Legitimation und Rechtfertigung in einem Abbild. Hedonismus und Selbstaufopferung gehen nicht zusammen. Nur eine Person, bei der die Spiritualität stärker ist als ihre materiellen Ambitionen, kann sich selbst für andere aufopfern.

Awraham schaffte einen Präzedenzfall für die Selbstaufopferung

Die zwei Lieder, die von Wundern handeln, bekommen jetzt eine neue Bedeutung. Die Nacht von Pessach ist ein sehr günstiger Zeitpunkt für eine wundersame Rettung, weil unser Erzvater Awraham einen Präzedenzfall schaffte für die Selbstaufopferung für andere. Wir helfen auch, wenn wir mit den Ansichten oder mit dem Verhalten einer Person nicht einverstanden sind.

Die G’ttliche Intervention beim Auszug wurde dem Jüdischen Volk zuteil auf Grund von spirituellen Errungenschaften früherer Generationen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

NACHSEDER NACH DER MAHLZEIT

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Jiwné weto bekarov – möge ER bald Sein Haus wieder errichten

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