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Chanukka, Einweihungsfest. Was ist für jüdische Gläubige das Besondere des Chanukka Festes?

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Chanukka ist ein Segen des Lichts mit messianischen Zügen!

Chanukka ist das jüngste jüdische Fest, das erst nach dem Abschluss der Tenach eingeführt wurde. Es ist als eine Einführung in die messianische Zeit gedacht.

Beim Anzünden der Lichter zu Chanukka lesen wir eine bemerkenswerte Erklärung: “Diese Lichter, die wir anzünden, sind nur dazu da, um sie anzuschauen”. Das Anzünden der Chanukka-Lichter dient nicht dem rein praktischen Zweck der Erleuchtung. Der Zweck ist das Vorhandensein der Lichter selbst. Die Lichter symbolisieren das Licht der Thora, die die Menschheit von allen Arten des Götzendienstes befreite, zuerst von der Selbstverehrung des Menschen.

Durch die Beleuchtung des Chanukkia wird uns bewusst, dass der Beitrag des Judentums zur spirituellen und religiösen Erhebung der Menschheit so lebendig und real wie vor zwei- oder dreitausend Jahren ist.

Die Thora macht uns widerstandsfähig gegen all die von Menschen gemachten Philosophien von gestern, gegen die großen Ideologien, die sich erst am Ende des letzten Jahrhunderts als bloße Lichtblitze erwiesen haben. Wir beleuchten die Straßen, um uns selbst und andere daran zu erinnern, dass das Licht der Thora uns alles gegeben hat, was wir brauchen, um geistig zu wachsen. 

Weiß man, seit wann es gefeiert wird?

Ja, seit 2185 Jahre. Während der Zeit des Zweiten Tempels – vor etwa 2200 Jahren – erließ die syrische, hellenistische Regierung alle möglichen Dekrete gegen das Jüdische Volk in dem Versuch, seine Religion auszurotten. Sie verbaten den Juden, die Thora zu studieren und die Mitzwot (Gebote) zu befolgen. Auch griff die Regierung nach dem Besitz und Töchtern der Juden. Hellenisten drangen in den den Tempel in Jerusalem, ein, verwüsteten alles und stellten dort eine Götzenstatue von Zeus auf und verunreinigten alles, was rein war.

Die Juden wurden schwer unterdrückt und litten unter den Griechen, bis HaSchem, der G`tt ihrer Vorfahren, Mitleid mit ihnen hatte und sie erlöste. Die Söhne der Chasmonäer, die Söhne des Hohepriesters Mattitjahu, überwältigten die griechischen Herrscher, besiegten sie und erlösten die Juden aus ihren Händen. Sie ernannten einen der Kohanim, Priester zum König. So wurde die Souveränität Israels für einen Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren wiederhergestellt, bis zur Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahr 70 n.d.Z..

Am 25. des jüdischen Monats Kislev (in diesem Jahr am Abend des 10. Dezember 2020) überwältigten und besiegten die Juden ihre Feinde. An diesem Tag betraten sie das Heiligtum. Aber sie konnten nicht mehr als einen Krug mit reinem Öl, mit dem intakten Siegel des Hohepriesters darauf, finden. Dieser Krug enthielt genug Öl, um den großen Kerzenständer (Menora) im Heiligtum genau für einen Tag lang brennen zu lassen. Doch HaSchem belohnte sie mit einem Wunder: Sie konnten die Menora acht Tage lang zünden. In diesen acht Tagen hatten sie genügend Zeit, um aus den gepressten Oliven neues, reines Öl herzustellen.

Aus diesem Grund beschlossen die Chachamim, Gelehrte, dieser Generation, dass sie von nun an jedes Jahr acht Tage lang, beginnend mit dem 25. Kislew 164 v.d.Z, diese Freude zu feiern und G‘tt dafür zu loben. Jeden Abend sollten am Eingang der Häuser Lichter angezündet werden, damit das Wunder allen offenbart werden konnte.

Ist es das einzige Fest im Jahreskreis, bei dem das Licht eine Rolle spielt? 

Nein! Jeden Freitagabend zu Beginn des Sabbats und an allen jüdischen Feiertagen am Vorabend zu Beginn der Feiertage wie Pesach, Schavuot (Pfingsten) und Sukkot (Laubhüttenfest) zünden wir Kerzen an als Symbol für die Freude, die wir an diesen besonderen Tagen erleben. Wir sagen in jüdischen Kreisen: Wo Licht ist, da ist Freude.

Wie begehen Sie/die Gemeindemitglieder es dieses Jahr? 

Dieses Jahr feiern wir Chanukka gemeinsam im ZOOM, wo jeder zu Hause seine eigenen Kerzen anzündet, den entsprechenden Segen ausspricht und die Lieder singt. Trotz aller räumlichen Distanz haben wir immer noch viele Gemeinsamkeiten.

Chanukka, Geschichte und Hintergründe

Die Geschichte

Während der Zeit des Zweiten Tempels – vor etwa 2200 Jahren – erließ die syrische, hellenistische Regierung alle möglichen Dekrete gegen das Jüdische Volk in dem Versuch, seine Religion auszurotten. Sie verbaten den Juden, die Thora zu studieren und die Mitzwot (Gebote) zu befolgen. Auch griff die Regierung nach dem Besitz und Töchtern der Juden. Hellenisten drangen in den Bait-HaMikdasch, den Tempel in Jerusalem, ein, verwüsteten alles und stellten dort eine Götzenstatue von Zeus auf und verunreinigten alles, was rein war.

Die Juden wurden schwer unterdrückt und litten unter den Griechen, bis HaSchem, der G`tt ihrer Vorfahren, Mitleid mit ihnen hatte und sie erlöste. Die Söhne der Chasmonäer, des Hohepriesters Mattitjahu, überwältigten die griechischen Herrscher, besiegten sie und erlösten die Juden aus ihren Händen. Sie ernannten einen der Kohanim, Priester zum König. So wurde die Souveränität Israels für einen Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren wiederhergestellt, bis zur Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahr 70 n.d.Z..

Am 25. des jüdischen Monats Kislev überwältigten und besiegten die Juden ihre Feinde. An diesem Tag betraten sie das Heiligtum. Aber sie konnten nicht mehr als einen Krug mit reinem Öl, mit dem intakten Siegel des Hohenpriesters darauf, finden. Dieser Krug enthielt genug Öl, um den großen Kerzenständer (Menora) im Heiligtum genau für einen Tag lang brennen zu lassen. Doch HaSchem belohnte sie mit einem Wunder: Sie konnten die Menora acht Tage lang zünden. In diesen acht Tagen hatten sie genügend Zeit, um aus den gepressten Oliven neues, reines Öl herzustellen.

Aus diesem Grund beschlossen die Chachamim, Gelehrte, dieser Generation, dass sie von nun an jedes Jahr acht Tage lang, beginnend mit dem 25. Kislew, diese Freude feiern und HaSchem dafür loben werden. Jeden Abend sollten am Eingang der Häuser Lichter angezündet werden, damit das Wunder allen offenbart werden konnte.

Zwei Bedeutungen

Diese Tage wurden daher fortan “Chanukka” genannt. Dieses Wort hat zwei Bedeutungen. Man kann es in zwei Wörter unterteilen: Chanu und Ka. Chanu bedeutet auf Hebräisch: sie ruhten, während Ka auf Hebräisch als Chaf-He geschrieben wird, was 25 bedeutet, also: sie, die Chasmonäer, ruhten am 25. vor ihren Feinden. Die zweite Bedeutung ist “Weihe”, denn an diesem Tag wurde der Tempel erneut geweiht, nachdem er von den Feinden entweiht worden war.

Deshalb sagen einige Gelehrte, dass man diese Tage mehr feiern sollte als an anderen Tagen des Jahres. Ein weiterer Grund, ein besonderes Fest zu feiern, ist, dass der Bau des Mischkan, des transportierbaren Heiligtums in der Wüste, ebenfalls in diesen Tagen abgeschlossen wurde, obwohl der Mischkan erst im Frühjahr, im Monat Nissan, geweiht wurde.

Das Hausherr eines jeden Haushalts muss seinen Kindern die Geschichte des Wunders erzählen, das unseren Vorfahren damals geschah. Ein Festmahl allein reicht nicht aus, um die Mitzwa, Chanukka zu feiern, durchzuführen. Man muss auch ein Loblied auf HaSchem singen. Es ist üblich, während Chanukka großzügig Tsedaka (Wohltätigkeit) zu spenden, denn das ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, unsere Unzulänglichkeiten zu verbessern. Diese Tsedaka sollte insbesondere für die Unterstützung armer Thora-Gelehrter sein.

Hintergründe

Obwohl wir Juden nur eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung sind, wurde uns die fast unmögliche Aufgabe gestellt, die ganze Welt mit dem Licht der Thora zu erleuchten. Wir sollen ein Licht für die Nationen sein. Ist das nicht ein bisschen zu viel verlangt? Nein, sagten unsere Chachamim (Weisen): “Die Beleuchtung ist eine Mitzwa (Gebot)“. Damit geben sie uns einen Hinweis darauf, was von uns erwartet wird.

Die Beleuchtung ist die Hauptsache, sagt der Talmud. Natürlich hat die Thora selbst G`ttliche Kräfte, um überall akzeptiert zu werden. Aber was von uns verlangt wird, ist, dass wir trotz aller Hindernisse einen Anfang machen. Die Beleuchtung ist unsere Pflicht, den Rest können wir der kraftvollen Botschaft der Thora überlassen.

Die Rolle der Frauen

Es ist erlaubt, während Chanukka zu arbeiten. Für Frauen jedoch gilt der Minhag (Brauch), während der Zeit, in der das Chanukka-Licht in ihren Häusern brennt, nicht zu arbeiten. Der Grund dafür, dass Frauen dabei strenger sind als Männer, liegt darin, dass die hellenistischen Erlasse sehr hart für Frauen waren. Sie hatten festgelegt, dass jedes Mädchen, das heiraten wollte, zuerst mit dem Gouverneur schlafen musste (Ius primae noctis).

Das Wunder wurde auch von einer Frau vollbracht. Jehudit, die Tochter Jochanans, dem Kohen Gadol, dem Hohepriester, war sehr hübsch. Der feindliche Herrscher hatte ihr vorgeschlagen, mit ihm zu schlafen. Sie tat so, als würde sie zustimmen. Als sie zu seinem Zelt kam, bereitete sie alle möglichen Käsegerichte für ihn zu, was ihn sehr durstig machte, so dass er viel Wein trank. Das machte ihn schläfrig. Als er eingeschlafen war, schlug sie ihm den Kopf ab und brachte ihn nach Jerusalem.

Als die Armeeführer sahen, dass ihr Hauptmann besiegt worden war, floh die Armee. In Erinnerung an dieses Wunder haben einige die Angewohnheit, zu Chanukka milchige Speisen zu essen.

Die Praxis

Zum Zünden der Chanukkia kann jede Art von Öl verwendet werden. Aber die Mitzwa erfüllt man am besten mit Olivenöl, denn das Wunder im Bait HaMikdasch, dem Tempel in Jerusalem, geschah auch mit Olivenöl.

Wenn kein Olivenöl zur Verfügung steht, kann man auch andere leichte und reine Öle verwenden. Und ansonsten verwendet man Kerzen aus (Bienen-)Wachs, weil sie ebenfalls eine reine Flamme ergeben.

Ein einziger Docht

Man soll nicht zwei Dochte zusammenfügen, denn dann entsteht eine Art Fackel. Man soll einen einzigen Docht verwenden. Die Dochte für die Chanukka-Kerzen können aus jedem beliebigen Material hergestellt werden. Aber die beste Art, die Mitzvah zu erfüllen, ist die Verwendung von Baumwolldochten. Es ist nicht notwendig, jede Nacht neue Dochte zu nehmen. Dochte, die bereits am Vorabend gezündet wurden, dürfen Sie wieder zünden, bis sie abgebrannt sind.

Der Minhag, ein Brauch der Aschkenasim, der westlichen Juden, besteht darin, dass jedes Familienmitglied nach der Meinung von Maimonides, dem Rambam, jeden Abend ein zusätzliches Licht anzündet. Das Minhag der Sephardim ist, dass nur jeder Haushalt nach der Meinung der Tosafot jeden Abend ein zusätzliches Licht anzündet, nur ein Chanukkia für die ganze Familie.

Auswahlproblem

Im Prinzip ist es besser, die Chanukka-Lichter mit Olivenöl als mit Kerzen anzuzünden. Auch die Menora im Tempel brannte mit Olivenöl. Wenn man jedoch nicht genug Geld für Olivenöl hat, aber genug Geld, um Kerzen zu kaufen, dann steht man vor folgendem Problem. Man könnte Olivenöl kaufen und nur ein Licht pro Abend anzünden, aber man könnte auch Kerzen kaufen und die Mitzwa nach der Meinung der ‚sehr fromme Gelehrten, der Mehadrin min Hamehadrin‘ (jeden Abend eine Kerze mehr), zu erfüllen.

Die Mischna Berura und der Chaje Adam – zwei Gelehrte des 20. Jahrhunderts – entscheiden für die Praxis, dass es bei diesem Wahlproblem besser ist, Kerzen zu kaufen, um die Mitzwa zu erfüllen, nach der Ansicht der Mehadrin min Hamehadrin, die vorschreiben, jeden Abend eine weitere Kerze anzuzünden.

Reisen an Chanukka

Die zunehmenden internationalen Handelsbeziehungen haben auch auf die Halacha, das jüdische Gesetz, Einfluss genommen. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass die Hausherrin mit ihren Kindern in Europa ist, der Hausherr aber in Hongkong oder New York. Rabbi Mosche Isserles (1520 – 1577) beschließt, dass der Hausherr auch sein Hotelzimmer mit Kerzen beleuchten und auch die zugehörige Bracha sprechen muss (NB.: Achtung auf die Rauchmelder!).

Da seine Frau zweifellos auch zu Hause die Kerzen zündet – und dies ist in der Tat die wichtigste Beleuchtung – und dadurch der Mann eigentlich damit seine Pflicht tut, rät Mischna Berura (677:15 und 16), dass der abwesende Ba’al HaBait (Hausherr) die ausdrückliche Absicht haben muss, seine Pflicht, nicht durch die Chanukka-Lichter seiner Frau zu erfüllen. Wenn möglich – in Hongkong ist das einfach, in New York ist es sehr schwierig – muss der Hausherr im Hotel oder Haus eines Fremden Licht zünden, bevor es in seinem Haus gezündet wird.

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Die großen technischen Entwicklungen im Transportbereich warfen für unsere Gelehrten weitere Fragen auf. Ein Reisender wird oft an Ort A schlafen und an Ort B essen (z.B. in einem Restaurant). Im Allgemeinen stellen die Poskim (Rechtsgelehrte) fest, dass der Ort, an dem man abends die Mahlzeit einnimmt, auch bevorzugt die Chanukkia zündet.

Die Frage, ob man auf einem Schiff die Chanukkia zünden sollte, wurde vor langer Zeit von Rabbi Shalom Mordechai, dem berühmten Maharascham, behandelt (4:146). Maharascham fragt sich, ob eine Kajüte als Behausung bezeichnet werden kann. Er beantwortet diese Frage positiv. Wenn man für den Sitz bezahlt, ist man Mieter dieses Platzes und ist verpflichtet, diesen zu beleuchten. Die Tatsache, dass sich das Schiff bewegt, d.h. man keinen festen “Fuß auf der Erde” hat, ist kein Einwand. Obwohl Raschi (1040 – 1105) immer noch sagt, dass ein Kapitän auf seinem Schiff nicht die Chanukkia zünden muss, ist diese Ausnahme nur auf alten, offenen Schiffen zu sehen, auf denen es sehr windig war. Die heutigen Kajüten sind jedoch mit einem Haus auf dem Land vergleichbar.

Chanukkia in einem Flugzeug zünden?

Das Zünden in einem Flugzeug wird schwieriger sein. Feuergefahr? Aber im Raucherbereich durfte man früher die Chanukkia zünden! Rabbiner Betsalel Stern (20. Jahrhundert) befasst sich mit der Frage des Zündens im Flugzeug (Antwort 4:127). In der Praxis (beschließt) er, dass, wenn es möglich ist, im Flugzeug die Chanukkia in einer Schüssel o.ä. auf dem Sitz oder in der Küche des Flugzeugs ohne Brandgefahr zu zünden und der Kapitän erlaubt die Menora eine halbe Stunde lang brennen zu lassen, man für dieses Zünden auch die Bracha sprechen kann. Aber wenn es zum Beispiel am siebten Tag nicht möglich ist, sieben Kerzen zu zünden, nur eine Kerze anzuzünden soll – denn das ist die Mindestverpflichtung – und sie auf den Tisch vor seinem Sitz zu stellen.         

Wenn auch dies nicht möglich ist, zünden Sie eine oder mehrere Kerzen ohne Bracha an. Wenn andere die Menora löschen, ist das besser, aber wenn man selbst dazu verpflichtet ist, darf er die Menora selbst auslöschen. Elektrisches Licht wie Chanukka-Kerzen wird von den meisten Poskim (Rechtsgelehrten) abgelehnt. Diese Option ist also in einem Flugzeug nicht wirklich hilfreich. 

Überschreiten der Zeitzone

Auch die Frage nach der Zeitzone haben viele Gelehrte diskutiert. Ich werde nur auf ein Beispiel aus der inzwischen umfangreichen Literatur zu diesem Thema eingehen:

Jemand, der westlich der Zeitzone wohnt und am 23. Kislew abfliegt und über die Beringstraße – also nach Osten – fliegt, befindet sich in einer schwierigen Lage. Einen Abend später ist der 24. Kislew bei ihm zu Hause, in seinem Hotel ist es bereits der 25. Kislew, der erste Abend Chanukka. Wenn der Ort, an dem er sich jetzt aufhält, ein Jüdischer Ort ist und er sich dort alle acht Tage zu Chanukka aufhält, folgt er dem Minhag (Brauch) des Ortes und zündet eine Kerze an.

Wenn dies kein Jüdischer Ort ist, dann ist unser Reisender an das Datum des Abreiseortes gebunden und zündet daher keine einzige Kerze an (vgl. Responsa Betseel hachochma 1,31).

Im letzteren Fall bleibt er an seinen Herkunftsort gebunden, weil er noch nicht in einem neuen Jüdischen Ort angekommen ist, wo er sich an den örtlichen Minhag (Brauch) anpassen konnte.

Die Chanukkia muss auch nicht ein Ganzes bilden. Am zweiten Abend können Sie zwei Whiskygläser nehmen, sie teilweise mit Wasser füllen, Öl hinzufügen – Öl schwimmt auf dem Wasser – Dochte hineinlegen und anzünden! Am sechsten Abend ist es zum Beispiel sogar erlaubt, einen Teller mit Öl zu füllen und die sechs Dochte auf dem Teller zu drapieren, so dass sie alle angezündet werden können. Damit das Feuer aber nicht wie eine “Fackel” aussieht, muss eine Trennung zwischen den Dochten vorgenommen werden.

Abstand und in einer geraden Linie

Auch bei Kerzen sollte man auf einen Abstand von mindestens einem Zoll (2 cm.) zwischen den Kerzen achten. Die Kerzen oder Öllampen müssen in einer geraden Linie stehen, da Lichter in einem Kreis gestellt einer “Fackel” ähneln. Es stimmt zwar, dass Kerzen oder Öllampen, die in einem ausreichenden Abstand zueinanderstehen, nicht als Fackel betrachtet werden können, aber viele Poskim (Rechtsgelehrte) empfehlen dennoch eine gerade Linie. Es ist daher besser, eine Chanukkia nicht zu verwenden, in der die Lichter in einem Halbkreis stehen. Es wird auch empfohlen, die Lichter in einer geraden Linie zu platzieren und darauf zu achten, dass nicht ein Licht leicht rückwärts und eine andere leicht vorwärtsgerichtet ist.

Von 8 zu 1 oder von zu 8?

In diesen Rahmen passt auch eine halachische, gesetzliche Frage. Zwischen den berühmten Schulen von Schammai und Hillel (1. Jh. n. d. Z.) gibt es Meinungsverschiedenheiten über die Reihenfolge, in der die acht Lichter angezündet werden sollen (B.T. Schabbat 21a).

Bait Schammai ist der Meinung, dass die Lichter zu Chanukka in absteigender Reihenfolge, von 8. bis zur 1. Kerze, angezündet werden sollten.

Bait Hillel ist jedoch der Meinung, dass die Lichter in einer aufsteigenden Reihenfolge, von 1 bis 8, gezündet werden müssen, weil wir immer höher und höher aufsteigen wollen, wenn wir unser spirituelles Licht verbreiten.

Der berühmte Rabbiner Shlomo Zevin sieht diese Meinungsverschiedenheit zwischen Bait Schammai und Bait Hillel vor dem Hintergrund der Frage, was genau die Chachamim (Weisen) im Sinn hatten, als sie vor 2185 Jahren die Mitzwa der nerot Chanukka (Lichter von Chanukka) setzten. Meinten sie damit, dass wir Feuer entfachen würden, oder meinten sie, dass wir Licht schaffen würden?

Feuer oder Licht?

Das Licht symbolisiert G`ttes Licht der Thora, das die Seele des Menschen vollständig erleuchten kann. Wenn ein Jude dafür sorgt, dass das Torah-Licht vollständig auf ihm ‘scheint’, dann wird dieses Licht schließlich überall die Dunkelheit durchbrechen und so automatisch, dass Böse ‘entfernen’.

Das Feuer symbolisiert jedoch die Vernichtung des Bösen. Sie “verbrennt” das Böse im Menschen. Wenn man das Böse in sich selbst “verbrennt”, beschleunigt man die Zeit, in der alles Böse in der Welt wie durch Feuer vernichtet werden wird.

In der Tat brauchen wir beide Kräfte, sowohl das Feuer als auch das Licht. Aber die Schulen von Hillel und Schammai unterschieden sich darin, was am stärksten am wichtigsten ist.

Bait Schammai – lechumrah (zur Erschwerung) – meint, der Mensch könne nicht durch das Licht der Thora beeinflusst werden, bevor das Böse verschwunden ist. Wenn das Böse vernichtet ist – symbolisiert durch das Feuer – wird sich der Mensch dem Guten nähern.

Bait Hillel – lekula (für Erleichterung) – glaubt, dass das Licht der Thora bereits das Böse ersetzt. Ein kleines Licht lässt bereits eine Menge Dunkelheit verschwinden. Jedes kleine Licht kann langsam größer werden, so dass überall ein Lichtermeer durchbrechen wird.

Feuer und Licht

In der Zeit der Makkabäer traten beide Phänomene zutage: Feuer und Licht.  Zuerst benutzten die Makkabäer Feuer, um die Unreinheit der hellenistischen Kultur zu zerstören. Mit flammendem Feuer kämpften sie für die Thora, sowohl gegen die syrischen Hellenisten als auch gegen die Juden, die die griechische Kultur er- und behalten wollten.

Nachdem jedoch “die Unreinen in die Hände der Reinen, die Bösen in die Hände der Guten fielen und alles Böse vernichtet war, wandten sie sich dem Licht zu”. Das Licht der Thora brannte wieder im Heiligtum und im ganzen Land.

Bait Schammai und Bait Hillel waren sich auch in der Frage, welchem Ereignis in späteren Generationen gedacht werden sollte, nicht einig.

Bait Schammai betonte die Zerstörung des Bösen und Unreinen in der Welt, während Bait Hillel meinte, das Wichtigste sei, das Licht der Thora durchdringen zu lassen. Natürlich war der Kampf notwendig, und so kämpften sie. Aber dieser Kampf war nicht das Wichtigste.

Der Krieg zwischen den Makkabäern und den Hellenisten sollte nicht als ein Symbol für die Zukunft angesehen werden. Die Mittel sollten – aufgrund der zeitlichen Umstände – nicht für das Ziel der Zukunft eingesetzt werden. Die Thora, die schließlich überall ihr Licht verbreitet, ist die Lektion für die Zukunft. Und die Halacha, das Gesetz für die Praxis, folgt der Haltung von Bait Hillel.

Betonung des Negativen

Wenn laut Bait Schammai das zerstörerische Feuer die wichtigste Lektion für spätere Generationen ist, dann wird die Betonung auf das Böse gelegt. Bei dieser Argumentation ist es logisch, dass am ersten Abend acht Flammen brennen, die die vielen bösen Mächte symbolisieren, die zerstört wurden.

Dieses Feuer wird jedoch jede Nacht kleiner, bis alles Böse vernichtet ist und alles Feuer verschwunden ist, weil alles Böse verschwunden ist.

Laut Bait Hillel ist der Sieg des Lichts jedoch das Symbol von Chanukka. Das Torah-Licht – anfangs noch klein – wurde allmählich größer. Der Weg des Zadik (Gerechten) ist wie ein Licht, das immer größer und größer wird.

Chanukka und Maschiach

Eine andere Interpretation der Machlocket, Meinungsverschiedenheit, ein noch tieferer Einblick in die verschiedenen Richtungen von Bait Schammai und Bait Hillel ist ebenfalls möglich. Viele ihrer Meinungsverschiedenheiten sind Ausdruck unterschiedlicher theologischer Ansätze. Und dies betrifft oft die Beziehung zwischen der Gegenwart – der Zeit vor der Ankunft des Maschiach – und der glorreichen Zukunft, der Ära des Maschiach.

Ausblick auf die Zukunft

Bait Schammai sieht die Ära nach dem Kommen des Maschiach als das ultimative Ziel der Schöpfung. Die vormessianische Ära ist nur die Vorbereitung auf die Zeit nach der Ankunft des Maschiach. Nach Ansicht von Bait Schammai sollte das ganze Leben im Zeichen dieser Zukunftserwartung stehen.

Die Thora, das Gesetz des Lebens, sollte zur Zeit des Maschiachs auf diese Weise und zielgerichtet interpretiert werden. Obwohl die Realität des Augenblicks in eine andere Richtung weisen mag, wird ihr nicht viel Wert beigemessen. Das Einzige, was wirklich zählt, ist die Zukunft. Nach einer alten jüdischen Tradition ist der Maschiach potenziell in jeder Generation präsent. Dieser potentielle Präsenz ist alles, was zählt, und diese Erwartung muss das Leben beherrschen.

Diese Lebenseinstellung von Bait Schammai führte zu einer Interpretation, die den “potenziellen” Aspekten des Gesetzes auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit schenkte als den “realen”.

Realität nach Bait Hillel

Bait Hillel legt jedoch mehr Wert auf die Realität, auf die Fakten, wie sie sich wirklich manifestieren. Die Anhänger Hillels warteten ebenfalls ungeduldig auf die Ankunft des Maschiach. Aber sie legten mehr Wert auf die gegenwärtige, harte Realität, wie sie dem Durchschnittsmenschen erscheint. Die meisten Menschen erleben die Welt nicht als von einer “messianischen” Erwartung durchdrungen oder völlig beherrscht von der Ankunft der Maschiach.

Nach Ansicht von Bait Hillel zählt nur die Realität. Dieses Lebensgefühl erstreckt sich auch auf die Auslegung der Thora. Auch hier geht es eher um die Interpretation der Alltagswirklichkeit. Bait Hillel folgt der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit bestimmt die Deutung der Dinge.

Bait Schammai betrachtet die Realität nicht als halachisch entscheidend. Es sind die möglichen Seiten des Falles, die die halachischen Folgen bestimmen.

‘Ideologische’ Meinungsverschiedenheit

Bait Schammai sah es so: Als dieser eine Krug mit Öl am ersten Abend nach der Wiedereinweihung des Tempels zu der Menora gebracht wurde, bestand die Möglichkeit des Wunders von acht Tagen. Dann – wie sich 164 vor der Zeitrechnung nachträglich herausstellte – konnte das Öl noch acht Tage lang brennen. Am zweiten Tag nach der Reinigung und Weihe des Tempels gab es im Krug nur die Fülle für das Wunder von sieben Tagen.  Deshalb sollten wir nach Ansicht von Bait Schammai zur Erinnerung an dieses Wunder die Lichter in absteigender Reihenfolge, von 8 bis 1, anzünden.

Bait Hillel achtet jedoch darauf, wie sich die Sache in der Realität darstellte. Die wundersame Brenndauer des Öls nahm von Tag zu Tag zu, das Wunder nahm von Tag zu Tag zu. Deshalb sollte man, so Bait Hillel, jeden Tag ein Licht mehr anzünden, um daran zu erinnern.

In der Zeit des Maschiach wird die Halacha im Einklang mit der Erklärung von Bait Schammai stehen. Denn dann wird das G‘ttliche Potenzial der Welt für alle sichtbar.

Sieben, acht oder neun Arme?

Im Mittelpunkt des Chanukka-Festes steht die Chanukkia, der Kerzenständer am Fenster, der der Menora ähnelt, die im Bait HaMikdasch, dem Tempel, stand. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen der heutigen Chanukkia und der damaligen Menora. Die Menora im Tempel hatte sieben Arme, die Chanukkia von heute hat acht. Der Unterschied zwischen sieben und acht Armen verdient unsere Aufmerksamkeit. Ich bringe Sie zu den Ursprüngen der Chanukkia zurück.

Die Tempel-Menora

Die sieben Arme der Tempel-Menora stehen den sieben Schöpfungstagen gegenüber. Wir leben in einer dreidimensionalen Welt. Unser Universum hat drei Dimensionen: Länge, Breite und Höhe. Da jede Dimension in zwei Richtungen verläuft, gibt es in unserer physischen Welt sechs “Richtungen”: nach oben, unten, links, rechts, vorne und hinten. Deshalb wurde die Welt in sechs Tagen geschaffen. Auf diese Weise verstehen wir die Bedeutung des siebten Schabbattages. Die sechs Richtungen können so verstanden werden, dass sie alle von einem zentralen Punkt aus erfolgen. Dieser zentrale Punkt, der alle Dimensionen verbindet, wird in Zeitdimensionen durch den Schabbat repräsentiert.

Der Schabbat vereinigt alle Kräfte unserer dreidimensionalen Welt. Die Zahl sieben symbolisiert die Vollkommenheit der irdischen Schöpfung. Nach sechs Tagen war die Welt fertig. Indem er sich am siebten Tag ausruhte, gab G’tt ein zentrales Ziel bei der Schöpfung und all unserem irdischen Streben vor. Die sechs Arme, die aus der zentralen Halterung der Tempel-Menora hervorgehen, symbolisieren diese Einheit und geben unserem Glauben einen Sinn.

Wir sehen die Kräfte des Universums nicht als unverbundene, getrennte Einheiten, sondern als alle aus der Einheit hervorgehend, die der Welt ihren Zusammenhalt verleiht: G’tt. Dies war auch der Kriegsschrei der Makkabäer: “Wer ist wie Du unter den Mächten, o G`tt. 

Abgötterei ist Uneinigkeit

Der klassische Götzendienst hatte für alle irdischen Phänomene einen eigenen Gott. Es gab einen Gott der Weisheit, einen für die Liebe, einen anderen für die Schönheit – jedes Geschehen hatte seinen eigenen Gott. Wir sehen jedoch alles, was mit der ursprünglichen Einheit der Dinge zu tun hat. Für uns ist die “Vergötterung” einer Macht oder Kraft (des Mammons, der Schönheit, der Kraft, des Körpers usw.) abgesehen von ihrem Ursprung wirklich Götzendienst. Der “Kulturkampf” mit den Griechen, die versuchten, die Juden zum Polytheismus zu überreden, war, kurz aber prägnant zusammengefasst, der Kampf gegen die Einheit, der die Menora ausstrahlte.

Deshalb erhielt die Wiederzündung der Menora im Tempel nach ihrer Weihe durch die griechischen Syrer besondere Aufmerksamkeit.

Philosophie contra Jüdische Weisheit

Die Menora symbolisierte auch die Ausstrahlung der G’ttlichen Weisheit. Die Hellenisten versuchten, die Juden von der Überlegenheit ihres philosophischen Systems zu überzeugen. In der Menora waren die Lichter oben auf den Haltern, um uns zu zeigen, dass es eine G’ttliche Weisheit gibt, die über die Grenzen der sieben Schöpfungstage hinausgeht.

Gleichzeitig bedeutete der Sieg der Makkabäer, dass wir die G’ttliche Weisheit der Thora höher werteten als selbst die schönsten menschlichen Philosophien. Die Flammen der Menora symbolisieren unsere Verbindung mit dem Höheren. Sie steht für die “Erleuchtung”, die uns durch die Thora gegeben wurde. Die Hellenisten wollten genau dieses Licht auslöschen. Das Öl der Menora muss rein sein. Die Hellenisten wollten auch unsauberes Licht im Tempel nutzen, aber sie versuchten, das reine G’ttliche Licht auszulöschen. Es wurde ein unberührter Krug mit Öl gefunden, mit dem die Menora auf wundersame Weise sogar acht Tage lang brennen konnte.

Acht ist übernatürlich

Sieben symbolisiert die Vollkommenheit der Welt. Die Acht symbolisiert das Übernatürliche, die Macht über die irdische Schöpfung. Aus diesem Grund trug der Hohepriester acht Gewänder, während er im Tempel diente. Auf diese Weise wies er darauf hin, dass der Jüdische Geist höher reicht als die Welt der Menschen.

Es ist kein Zufall, dass die Brit-mila, die Beschneidung, der unauslöschliche Bund der Juden mit G’tt, ebenfalls am achten Tag angesetzt wurde. Die Nachkommen Awrahams sollten die Welt in Trance versetzen können. Chanukka ist das jüngste jüdische Fest und wurde zu einer Zeit ins Leben gerufen, als die Prophezeiung bereits nicht mehr im Jüdischen Volk war. Dennoch blieb der Jude eng mit der G’ttlichkeit verbunden.

Olivenöl

Nur das reinste Öl sollte in der Menora verwendet werden (Exodus 27:20). Der Midrasch sieht darin folgenden Gedanken: Das Jüdische Volk wird mit einer Olive verglichen. Olivenöl brennt nur nach einem Prozess des Auspressens und Zerdrückens gut. Dasselbe kann man vom Jüdischen Volk sagen. Unsere Geschichte lehrt uns, dass wir trotz aller Verfolgungen unseren Glauben nie aufgegeben haben. Vielleicht können wir es noch stärker ausdrücken: Unser geistiges Licht leuchtet am hellsten, wenn man versucht, uns in eine Ecke einzudringen.

Es gab nur Öl für eine Nacht. Wie viel Unterdrückung können wir ertragen? Wir haben viele “Nächte” überlebt; ein wenig Vertrauen und Zuversicht hat uns über Jahrhunderte erhalten. Das Öl brannte länger als von den Menschen erwartet. Vor vielen Jahren schon wunderte sich der Historiker Mark Twain über die geistige Flexibilität des Jüdischen Volkes.

Gesalbt

Aber es gibt noch mehr: Öl wird auch zur Salbung und Weihe von Königen und Priestern verwendet. Das Wort Maschiach bedeutet der mit Öl Gesalbte. Chanukka würde uns durch die letzte Galut (Diaspora) bis zur Zeit des Maschiach begleiten. Das neunte Licht ist die Erfüllung. Der ‘Schammasch’ bedeutet Diener, die Rolle, die das Jüdische Volk in jener glorreichen Zukunft haben wird, wenn es in der Lage sein wird, seinen G’tt ungestört im dritten Tempel, bimhera bejamenu, bald in unseren Tagen, amen, zu dienen.

EINE ELEKTRISCHE MENORA?

Wir kennen die schönen Lichter der Menora. Die beste Art, die Mitzwa zu erfüllen, ist natürlich Olivenöl. Viele benutzen auch Kerzen. Eine sehr moderne Frage ist, ob für die Menora elektrisches Licht, Gas-, Neon- oder LED-licht verwendet werden kann.

Diese Frage wird in der Gemara natürlich nicht beantwortet. Aber die modernen Poskim (Dezisoren, Entscheidungsträger) diskutieren diese Frage im Detail.

Eine vernünftige Behandlung dieses komplizierten Problems erfordert einige vorläufige Fragen.

VIELE FRAGEN

-Die Chachamim haben befohlen, an Chanuka Lichter an zu zünden. Wird ein elektrisches Licht als Licht im Sinne der Halacha betrachtet, obwohl es kein Öl und keinen Docht gibt?

-Man könnte sich auch fragen, ob der Glaskolben einer Glühlampe kein Hindernis darstellt, weil die “Flamme” jetzt nicht im Freien brennt.

-Kann elektrisches Licht als Feuer betrachtet werden? War es die Absicht der Chachamim im Jahr 164 v.d.Zw. und späteren Generationen, dass LICHT oder FEUER gezündet würde? Man könnte weiter zwischen einer Glühlampe und beispielsweise Neonlicht oder LED-licht unterscheiden.

-Elektrisches Licht wird von einer Stromquelle (Kraftwerk) von draußen brennen gelassen. Die Halacha schreibt vor, dass es in der Menora genug Brennstoff für eine halbe Stunde geben muss. Reicht der Menora Elektro-Strom für eine halbe Stunde? Würde es einen Unterschied zwischen Gleich- und Wechselstrom geben?

-Da der Verbraucher für seinen Strom auf ein Kraftwerk angewiesen ist, über das er nicht verfügen kann, kann es zu einer Abhängigkeit von anderen kommen, was beispielsweise der Aussprache einer Beracha im Wege steht.

-Darüber hinaus wird das elektrische Licht nicht eingeschaltet, wie dies beispielsweise bei einer Kerze der Fall ist. Die Zündung erfolgt viel indirekter: Man schließt einen Stromkreis, durch den Strom durch Leitungen in der Lampe fließt, so dass diese aufleuchtet. Wäre es auf diese indirekte Weise möglich, der Zündpflicht (Sie selbst und direkt) nachzukommen?

-Da es einen deutlichen Unterschied zwischen elektrischem Licht und dem Licht der Menora im Tempel gibt, könnte man sich fragen, ob die Anforderung, dass die Chanuka – Lichter dem Licht der Menora im Tempel ähnlich sein müssen (vorausgesetzt, dass dies der Fall ist) erfüllt wird.

-Die Chachamim haben vorgeschrieben, ein Chanuka-Licht anzuzünden, gleichzeitig aber verboten, es in eine Fackel zu verwandeln. Sollte der Metalldraht in einer Glühbirne als “Fackel” angesehen werden?

Das sind eigentlich zu viele Fragen, um sie kurz zu beantworten. Darüber hinaus ist diese Frage in der halachischen Literatur sehr unterschiedlich.

Nur entzünden

Rav J. Bresil zum Beispiel glaubt, dass die Chachamim, die die Mitzwa der Menora einführten, lediglich beabsichtigten, sie zu entzünden. Aber was und wie gezündet werden sollte, wurde nicht geregelt. Deshalb hält er es nicht für ein Hindernis, eine Menora mit elektrischem Licht zu beleuchten. Anscheinend geht er davon aus, dass elektrisches Licht auch als Licht zu betrachten ist.

der Talmud erwähnt eine Menora hinter Glas 

Der Or Chadasch glaubt auch, dass elektrisches Licht grundsätzlich erlaubt sein sollte, obwohl es besser ist, Olivenöl zu verwenden. Er hält es nicht für unbequem, dass ein Glas an einer Glühbirne ist, da der Talmud selbst eine Menora hinter Glas erwähnt, wie sie derzeit in einem Glashaus auf der Straße in Israel beleuchtet wird.

Doppeldraht in der Glühbirne

Das Or Chadasch untersucht weiter, ob eine Glühbirne nicht als “Fackel” betrachtet werden sollte. Er zeigt an, dass der Draht in der Glühbirne ein Doppeldraht ist. Er sieht dies jedoch nicht als Hindernis an, da sich das Verbot einer “Fackel” auf den Fall bezieht, dass verschiedene Kerzen gegeneinandergehalten werden. Der Draht der Glühlampe muss jedoch mit einem doppelt gefalteten Docht verglichen werden, der für die Verwendung zugelassen ist.

Rav Jitzchak Schmelkisch 

Rav Jitzchak Schmelkisch ist jedoch der Ansicht, dass die Menora nicht mit elektrischem oder gasförmigem Licht beleuchtet werden sollte, da Olivenöl nicht verwendet wird und auch, weil diese Art von Licht das ganze Jahr über verwendet wird, so dass es keine eindeutigen Erwähnungen von Pirsum Hanes gibt – Ankündigung des Wunders.

Kupferdraht nicht als Docht

Rav Elijahu Klotzkin glaubt aus anderen Gründen, dass eine elektrische Menora nicht geeignet ist: Der Kupferdraht in der Glühbirne kann nicht als Docht bezeichnet werden, weil er eine harte Sache ist (und sich nicht selbst verbrennt). Von einer Flamme ist keine Rede mehr und Rav Klotzkin glaubt, dass die Menora heute ähnlich wie die Menora im Tempel angezündet werden sollte. Nach Ansicht der letzteren Autorität wäre es auch nicht möglich, eine Beracha über das Anzünden einer elektrischen Menora auszusprechen, da der Zündvorgang nur indirekt durchgeführt wird.

ausreichend Kraftstoff?

Darüber hinaus sei die Forderung, dass zum Zeitpunkt des Anzündens ausreichend Kraftstoff für eine halbe Stunde Verbrennung vorhanden sei, in der Elektro-Menora nicht erfüllt. Rabbi Schalom Wieder denkt aus einem ganz anderen Grund, dass man seine Pflicht nicht mit einer elektrischen Menora erfüllen kann:

gemeinsame Anstrengung

Wenn man diese Menora anzündet, kann man nicht sagen, dass der Ba’al Habait – der Hausherr – die Menora selbst anzündet. Das Einschalten der Lichter ist das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung der Person, die zu Hause den Knopf dreht, und der Arbeiter im Kraftwerk.

Rav Ovadja Josef 

Rav Ovadja Josef, der emeritierte Oberrabbiner der sephardischen Juden in Israel, glaubt, wenn man kein Öl oder keine Kerzen hat, kann man eine elektrische Menora anzünden, obwohl von keiner Beracha die Rede sein kann. Eine elektrische Menora muss auch an einem Ort aufgestellt werden, an dem normalerweise keine elektrische Beleuchtung für das Haus vorhanden ist, damit klar ist, dass dieses Licht speziell für Chanuka beleuchtet wurde.

Rabbi Schalom Wieder denkt aus einem anderen Grund, dass man seine Pflicht nicht mit einer elektrischen Menora erfüllen kann: Wenn man diese Menora anzündet, kann man nicht sagen, dass der Ba´al-Habait – der Hausherr – die Menora selbst entzündet. Das Einschalten der Lichter ist das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung der Person, die zu Hause den Schalter umlegt, und der Arbeiter im Kraftwerk. Keine der Parteien kann ohne Kooperation auskommen, von der anderen Partei, um sicherzustellen, dass die Menora leuchtet:

Zwei Aktoren

Die Arbeiter des Kraftwerks können den Lichtschalter im Haus des Ba’al Habait nicht drehen und der Ba’al Habait hat keinen Einfluss auf die Stromerzeugung. Wenn die Arbeiter im Kraftwerk nun nichtjüdisch sind, gibt es eine gemeinsame Beleuchtung von jemandem, der der Mitzwa von Chanukka verpflichtet ist, und von jemandem, der dazu nicht verpflichtet ist. Auf diese Weise kann man seine Pflicht, eine Menora anzuzünden, nicht erfüllen.

 Gewissheit für eine halbe Stunde Brennstoff

Rav Jitzchak Sternhell aus New York ist jedoch der Ansicht, dass der Mangel an Kraftstoff in der Menora selbst kein Hindernis ist. Ihm zufolge ist die Hauptsache, dass es Gewissheit gibt, dass die Menora (bewertet ab dem Moment, an dem sie angezündet wird) für mindestens eine halbe Stunde brennt. Auch die Tatsache, dass eine elektrische Menora der Menora im Tempel nicht ähnelt, ist kein großes Problem. Einer der Unterschiede wäre zum Beispiel, dass die Flamme, in der Tempelmenora, das Öl verbraucht, was bei einer elektrischen Menora nicht der Fall ist.

Licht ohne Öl auch im Tempel 

Rav Sternhell stellt dieses Argument beiseite, weil unsere Menora nicht in jeder Hinsicht der Menora im Tempel entsprechen muss. Er zitiert auch einen Midrasch, der zeigt, dass es auch im Tempel vorkam, dass ein Licht brannte, ohne dass das Öl verbraucht wurde. Dies war eines der Wunder im Tempel. Dennoch ist er der Meinung, dass eine Beleuchtung mit Olivenöl sicherlich vorzuziehen ist.

Kaf haChaim 

Im Werk Kaf haChaim wird jedoch argumentiert, dass an das Wunder nur unzureichend durch eine elektrische Lampe erinnert wird.

Wechselstrom

Rav Schlomo Zalman Auerbach, der große Halachist aus Jeruschalaim, glaubt, dass ein elektrisches Licht nicht gleich einer Flamme ist. Es wird auch kein Kraftstoff verbraucht. Diese beiden letzten Anforderungen können von der Menora aus dem Tempel abgeleitet werden.

Mangel an ausreichend Treibstoff

Er geht auch auf die Anforderung ein, dass zum Zeitpunkt der Beleuchtung ausreichend Kraftstoff in der Menora vorhanden sein muss. In Israel wird Wechselstrom verwendet, wobei ungefähr 50-mal pro Sekunde keine Spannung in den Stromkabeln vorhanden ist. Dies könnte als ein Mangel an ausreichend Treibstoff angesehen werden. Rav Auerbach glaubt daher, dass eine elektrische Menora ihre Pflicht gegenüber der Chanuka-Mitzwa nicht erfüllen kann.

ein helles Licht anzünden

Rav Ja’akov Schlomo Holzberg meint jedoch, dass es bei den Chachamim hauptsächlich darum ging, ein helles Licht anzuzünden, was mit Sicherheit bei einer (hellen) Glühbirne der Fall ist. Die Tatsache, dass kein Öl verwendet wird, ist nicht zu beanstanden, denn in West- und Osteuropa pflegten die Menschen, zur Zeit des Rabbi Mosche Isserles – im 16. Jahrhundert – bereits Kerzen anzuzünden, was unter anderem zeigt, dass die Hauptsache ist, dass ein helles Licht leuchtet.

Rav B. Ezrieel erläutert, ob eine elektrische Lampe überhaupt Licht heißt. Ihm zufolge wird der Draht in der Glühbirne nur erhitzt, aber es gibt kein echtes Brennen.

Stromausfall

In Reaktion auf den Bedarf an ausreichend Brennstoff zum Zeitpunkt der Beleuchtung stellt Rav A. D. Burak fest, dass im Kraftwerk ungefähr 60-mal pro Sekunde wieder Strom erzeugt wird. Man könne das mit jemandem vergleichen, der einen Docht anzündet und in kurzen Abständen Öltröpfchen in die Menora tropft. Die Mizwa wird auf diese Weise nicht erfüllt. Er ist auch besorgt über Ausfälle, z.B. Stromausfall.

Keine Beracha ohne Grund

Rav S. Levin glaubt, dass Störungen in der Stromversorgung keine ernsthaften Einwände darstellen: Dies ist selten und es besteht daher keine Befürchtung, dass es eine “Beracha ohne Grund” (beracha levatala) geben würde, wenn eine elektrische Menora benutzt würde. Rav Levin vergleicht dies mit der Beracha, die über die Schechita – das rituelle Schlachten – gesprochen wird. Auch hier besteht die Möglichkeit, dass sich das geschlachtete Tier nach der Untersuchung nicht als zur Verwendung zugelassenes, treife, herausstellt. Trotzdem wird eine Beracha ausgesprochen.

Feuerzündens am Schabbat

Ihm zufolge gibt es auch keine Mängel in der Beleuchtung, da Rabbi Chaim Ozer Grodzinsky aus Wilna entschieden hat, dass jemand, der am Schabbat ein elektrisches Licht anzündet, das Verbot des Feuerzündens am Schabbat verletzt. Er argumentiert jedoch, dass die Tatsache, dass eine elektrische Menora, der Menora aus dem Tempel nicht ähnelt, ein Einwand sein könnte. Selbst nach jenen Poskim, der elektrisches Licht für die Schabbatkerzen erlaubt, kann es sein, dass es nicht erlaubt ist, elektrisches Licht für die Menora zu verwenden. Am Schabbat ist die Hauptsache, dass es LICHT gibt, um den “Oneg-Schabbat” – die Freude am Schabbat – zu erwecken. Bei Chanuka geht es darum, sich an das Wunder zu erinnern. Dafür müssen wir mit Olivenöl zünden.

Batterie angetrieben

In Bezug auf die Anforderung, dass genügend Kraftstoff in der Menora vorhanden sein muss, könnte man sich fragen, was die Halacha wäre, wenn die Menora von einer Batterie angetrieben würde. Mit einer Batterie – sofern noch genügend Strom vorhanden ist – entfallen die bisherigen Nachteile von Kraftwerken. Der Ba’al Habait hat auch die Energie selbst geliefert.

Dochte aus Baumwolle oder Leinen

Nach dieser Reise zurück zur Gemara; Die Eröffnungsmischna des Kapitels, das sich mit den Bestimmungen von Chanuka befasst, sprach von den Dochten, die man für Schabbatlampen verwenden könnte. In der Gemara wurde darauf hingewiesen, dass für die Menora alle Arten von Dochten – auch solche von minderer Qualität – verwendet werden könnten. Dennoch stellt die Mischna Berura fest, dass Dochte aus Baumwolle oder Leinen vorzuziehen sind.

jede Nacht neue Dochte?

Ist es obligatorisch, jede Nacht neue Dochte zu gebrauchen? Einige Poskim glauben, dass es besser ist, alte Dochte wiederzuverwenden, weil zuvor benutzte Dochte besser brennen. Andere Poskim empfehlen jedoch, jeden Abend neue Dochte einzusetzen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

EIGENTLICH WAR DAS WUNDER DES KRÜGLEIN MIT ÖL NICHT SO ERFORDERLICH

Chanoch Lana’ar Al Pi Darko – erziehe jeden nach seinem Können und seinem Niveau – Parascha Wajeschew