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DIE HALACHA VON TISCHA BE’AW UND DIE HAFTARA CHASON

DIE HALACHA VON TISCHA BE’AW UND DIE HAFTARA CHASON
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DIE HALACHA VON TISCHA BE’AW UND DIE HAFTARA CHASON

HALACHA: TISCHA BE’AW

Kommenden Samstagabend Motsa’ej Schabbat, am Anfang von Tischa beAw, zieht man bei Einbruch der Nacht seine Schuhe aus.

  • Es ist üblich, den Parochet des Aron  Hakodesch zu entfernen
  • In der Synagoge brennt weniger Licht
  • Man dawwent Ma’ariv langsam mit einer weinerlichen Stimme, wie das Trauernde tun.
  • Nach der Schemonej Esrej setzt man sich mit wenig Beleuchtung auf den Boden, um Ejcha und Kinot (die Klagelieder) lesen zu können.
  • Man spricht Ejcha und die Kinot langsam und in einen traurigen Ton.
  • Während der Lesung von Ejcha hält man zwischen jedem Satz kurz an und noch etwas länger zwischen jedem Hauptteil. Jedes Mal, wenn der Chasan das Wort Ejcha liest, steigert er seine Stimme ein wenig. Der letzte Satz eines jeden Hauptteils wird mit lauter Stimme gesprochen.
  • Beim Schlafen soll man etwas weniger bequem liegen. Wenn man zum Beispiel gewohnt ist, auf zwei Kissen zu liegen, verwendet man jetzt nur EIN Kissen.
  • Sonntag, während Schacharit, legt man keine Teffilin an, denn die Teffilin werden eine „Verzierung“ genannt. Man hängt sich auch keinen großen Tallit um, da es geschrieben steht (Ejcha 2:17): „Er riß seine königliche Bekleidung ein“ so der Targum (Targum ist die aramäische Übersetzung und Erklärung der Thora).
  • Man hat nur einen kleinen Tallit umgehängt, ohne Beracha. Man geht etwas früher zur Schul und zündet dort insgesamt keine Lichter für den Chasan an. Man dawwent langsam und mit einem traurigen Ton.

Achtung: für die geltende Halacha sollte man seinen eigenen Rabbiner befragen, da sich viele praktische Einzelheiten von Kehila zu Kehila unterscheiden können. In dieser Halacha-Ecke erfolgen überwiegend nur die allgemeinen Regeln.

DIE HAFTARA SCHABBAT CHASON : Jesaja Hauptteil 1 Chason Jeschajahu

Die Vision des Propheten Jesaja

Mosche Rabbejnu hatte deutliche Visionen mit großer Transparenz  in eine „aspaklaria me’ira“ und konnte die Zukunft und das Himmlische Geschehen hell erkennen. Auch die ersten Propheten, die wir die Nevi’im Rischonim nennen, hatten eine viel klarere Übersicht, als die späteren Propheten, die die Nevi’im Acharonim genannt werden. Je weiter wir uns von der Offenbarung auf dem Berg Sinai befinden, desto trüber wird unsere Wahrnehmung.

Vater und Sohn: Nicht nur Jeschaja, sondern auch dessen Vater Amots war ein Navi, ein Prophet. Dieses sollte der Größe von Jeschajahu keinen Abbruch tun, der aus eigener Kraft eine besonders hohe prophetische Ebene erreichte. Jeschajahu war außerordentlich bescheiden und demütig, wodurch er sich besonders nahe zu HaSchem befand. In den Jüdischen Quellen wird er in dieser Hinsicht mit Mosche verglichen. Seine Bescheidenheit garantierte seine Nähe zum Höchsten.

Der Adel: Jeschajahu war ein Neffe von König Amatsija. Jeschajahu hatte vor der Elite und dem Adel keine Angst und konnte denen gnadenlos die Meinung sagen. Er wurde auch nicht erniedrigt, wie später Jirmijahu, da er Beziehungen oder Verbindungen zum Hof hatte.

Vier Könige: wir lesen die letzte Strafprophetie, die Vision, die Jeschaja, der Sohn von Amots, über Jehuda und Jeruschalajim hatte, als Usia, Jotam, Achas und Chiskia über Jehuda regierten. Diese Haftara wir meistens durch den Rabbiner vorgelesen. Jeschajahu war ein Einwohner von Jeruschalajim und wusste wie kein anderer, was zu seiner Zeit verkehrt war und worin seine Zeitgenossen versagten.

Die Zeit: Jeschajahu lebte während der Zeitspanne von vier Königen, da sie nicht sehr lange regierten und Jeschajahu mittlerweile hundertundzwanzig Jahre alt wurde. Er sprach seine Prophetien ungefähr einhundertundfünfzig Jahre vor der Churban Habajit, vor der Verwüstung des ersten Tempels, aus.

Der Name: Die Vision heißt in Hebräisch Chason, da sie eine „harte“ Vision über das Fehlverhalten des Jüdischen Volkes war (es gibt unterschiedliche Bezeichnungen für eine Vision wie Dibbur, Massa, Newua usw., die alle eine unterschiedliche Nuance her geben): „Ich habe meine Kinder erzogen und zu Erwachsenen werden lassen. Sie haben sich jedoch gegen Mich erhoben. Ein Rind erkannt seinen Meister, ein Esel erkennt sein Futtertrog. Israel fehlt es jedoch an jeglicher Einsicht, Mein Volk lebt in Unwissenheit“.

Undeutlich: Neben Härte in Verbindung mit der Zerstörung des Bejth Hamikdasch, hat das Wort „Chason“ auch eine Nebenbedeutung von „undeutliche Vision“. Die Propheten werden schon mal unterteilt in „Ro’im“, die klarer Sehenden und in „Chosim“, die weniger klarer Sehenden. Eine klare Sicht heißt „Aspaklaria me’ira“. Eine weniger klare Sicht heißt „Aspaklaria sche’ena me’ira“. Dieses verweist auf unterschiedlichen Ebenen von Prophetie und auf verschiedene Abstufungen von Transparenz.     

 

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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