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Emotionale Logik – Parascha Korach und Schalom Bait

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Emotionale Logik – Parascha Korach und Schalom Bait

Zahlreiche Argumente

In unserem Wochenabschnitt organisiert Korach einen Aufstand gegen Mosche und Aharon. Raschi begründet seinen Aufstand damit, dass er viele Argumente hatte, um zu beweisen, dass Mosche Rebbenu die Gesetze ausgedacht und nicht von G´tt bekommen hatte:  

Mosche Rabbenu lehrte, dass der Tallit (ein Gewand mit Schaufäden) einen Tchelet-Faden (ein spezieller bläulicher Farbton) enthalten muss, um die Mizwa vollkommen zu erfüllen (heutzutage gibt es diesen Farbton nicht und man wird ihn erst wieder finden, wenn der Maschiach kommt). Auch ein Gewand, welches vollkommen aus Techelet besteht, benötigt Tchelet-Fäden. Korachs Frage darauf war, wie es sein kann, dass ein Gewand, welches vollkommen aus Tchelet besteht dennoch einen Tchelet-Faden benötigt, wenn bei einem vollkommenen weißen Gewand ein blauer Faden ausreicht, um das Gebot vollständig zu erfüllen.

Ein starkes Argument, nicht wahr? Korach war ein großer Gelehrter und sein Argument klingt logisch. Dieses Argument stand im Einklang mit seiner Philosophie: כל העדה כולם  קדושים – “Denn die ganze Versammlung ist heilig und warum erhebet ihr (Mosche und Aharon) euch über die Gemeinde G-ttes?” 

Korach kam übrigens nicht allein, denn er wurde von 250 Mitgliedern des Sanhedrin begleitet und sie alle hatten logische Argumente und dennoch finden wir nicht, dass Mosche auf ihre Fragen einging oder irgendwie versuchte, diese zu beantworten oder zu widerlegen.

Würde Logik helfen?

Wir denken, dass es leicht gewesen wäre, ihre Argumente zu widerlegen, denn schließlich geht es bei dieser Mizwa darum, zum Gewand einen blauen Faden beizufügen, unabhängig davon, aus welchem Material das Gewand gemacht ist und solange man es nicht tut, hat man seine Pflicht nicht (vollkommen) erfüllt. 

So denken wir, doch Mosche Rabbenu wusste es besser. Er verstand, dass es Korach und seinen Mitstreitern nicht um die Halacha ging und ihre zahlreichen Argumente nur ein Vorwand für den Aufstand waren. In Wahrheit ging es hier um Emotionen und ein verletztes Ego!

Gefühle werden rationalisiert

Dies ist eine sehr wichtige Lektion über Beziehungen:

Sehr oft werden Gefühle rationalisiert. Tiefe emotionale Verletzungen werden auf irreführende Weise verbalisiert, dass es so scheint, als ginge es um eine logische Debatte, obwohl der Ursprung des Problems in Wahrheit rein emotional ist.

Wann immer Sara* ihre Eltern besuchen wollte, wehrte sich ihr Ehemann Mosche* heftig. Stets fand er neue Gründe, nicht zu gehen. “Es wird zu spät werden, die Kinder brauchen ihren Schlaf, ich darf meine Chavrusa (Tora-Lernen mit dem Partner)  nicht verpassen” usw. Sara dachte immer, dass sie mit Mosche streiten und jedes seiner Argumente widerlegen muss, bis ihr schließlich klar wurde, dass es ihm niemals um dieses oder jenes Argument ging und es einfach daran lag, dass er keine Freude daran hatte, seine Schwiegereltern zu besuchen!

Verschiedene Sprachen

Wenn wir Emotionen mit Logik verwechseln und infolgedessen eine Debatte auslösen, dann kann dadurch ein ernsthafter Streit entstehen. Wenn Menschen über Ideen diskutieren, dann haben sie möglicherweise unterschiedliche Positionen, dennoch sind sie (in der Regel) bereit dem Gesprächspartner zuzuhören. Wenn einer amerikanisches Englisch spricht und der andere britisches Englisch spricht, dann wird es möglicherweis einige Missverständnisse geben, aber letztendlich werden sie einander verstehen.

Falls die Debatte von Emotionen angetrieben wird, dann wird es kein gegenseitiges Verständnis geben! Wenn einer Französisch spricht und der andere Deutsch, dann wird es kein gegenseitiges Verständnis geben, weil sie verschiedene Sprachen sprechen. Mosche Rabbenu verstand, dass es völlig überflüssig ist, mit Korach zu diskutieren und ihm das Gebot von Tchelet zu erklären, weil Korach nicht die Sprache der Tora sprach, sondern die der Emotionen und seines verletzten Egos.

Worte: Die Spitze des Eisbergs

Emotionen sind sehr persönlich. Zwei Menschen werden niemals die gleiche Episode auf die gleiche Weise erleben. In meinem Buch “How to Get Along With Everyone” (Wie kommt man mit jedem zurecht) habe ich geschrieben, dass manche Menschen emotional stärker veranlagt sind als andere, doch auch wenn zwei Menschen die gleiche Gefühlsintensität haben, werden sie ihre Reaktionen und Gefühle trotzdem unterschiedlich erleben. Aus diesem Grund ist es nicht möglich über das zu diskutieren, was dem Menschen sehr am Herzen liegt, weil er emotional denkt und nicht rational.

Der Chazon Isch schreibt: “Es ist nicht meine Art, mit jemandem zu debattieren.” Er erklärte, dass viele Argumente unter der Oberfläche liegen, weil alle unsere Meinungen von vielen zugrunde liegenden Themen geprägt, dass es wirklich unmöglich ist, mit dem zu streiten, was aus dem Mund von jemandem kommt. Es ist einfach zu viel, was darunter verborgen ist…

Der eiskalte Logiker

Doch Menschen interpretieren dies oft falsch. Ich höre oft, wie sich die Menschen über jemanden beschweren: “Mit ihm kommt man nicht weiter – er denkt zu logisch. So sehr ich auch versuche, mit ihm zu reden und ihm klarzumachen, wie ich mich fühle, verwendet er immer wieder technisches und logisches Denken und bringt dafür Beweise. Er ist die Logik selbst und hat keinerlei Emotionen”. Leider habe ich diesen Ausdruck schon oft gehört, aber es ist wirklich ein Fehler.

Wenn jemand übermäßig logisch denkt, was bedeutet, dass man eine Stunde lang mit ihm debattieren kann und er dann immer noch an seiner Position festhält; ist das Logik oder sind es Emotionen? Ist es denn logisch, so stur zu sein?!

Wenn Sie jemanden sehen, der sich oft wiederholt und stets versucht sich selbst zu beweisen – ist das wirklich logisch? Möglicherweise erscheint dieses Verhalten als logisch und vielleicht er denkt von sich ein logisch denkender Mensch zu sein. Jedoch ist es in Wahrheit keine Logik, sondern Emotionen.

Die wahre Ursache

Ich habe diese Geschichte vom Sohn des Skolyer Rebbe gehört. Ein Mensch geriet in der Synagoge in einen Streit und verursachte während des Gebets eine Szene. Nach dem Gebet rief der Skolyer Rebbe z”l seinen Sohn zu sich und beauftragte ihn, Geld unter die Tür dieser Person zu legen. Der Sohn wunderte sich über diesen Auftrag, denn der Mann hatte nicht wegen Geld geschrien. Doch sein Vater, der Skolyer Rebbe, sagte ihm, wenn sich ein Jude beschwert, dass ist es seine Tasche, welche sich beschwert und höchstwahrscheinlich lässt sich sein seltsames auf Geldnot zurückführen!

Sie sehen jemanden, der sich über etwas beschwert – er ist leidenschaftlich und er debattiert. Was tun manche Menschen? Sie beginnen mit ihm zu streiten.

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Aber er macht weiter, weil er emotional verärgert oder finanziell herausgefordert ist. Wenn Sie diese Emotionen ansprechen oder ihm das geben, was ihm fehlt, dann wird er aufhören, das Gebet in der Synagoge zu stören. Er hat sich nicht wegen Ihrer Meinung beschwert, sondern weil ihn etwas quälte.

Überempfindlichkeit

Wenn Sie jemandem ein gutes Gefühl geben und ihm/ihr zeigen möchten, dass Sie ihn verstehen, dann müssen sie die zugrundeliegenden Emotionen anzusprechen. Auf diese Weise kommen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter, als mit ihr zu diskutieren. Leider gewöhnen sich die Menschen, über Emotionen zu debattieren und sie tun es einfach weiter. Leider kenne ich Menschen, die zwanzig Jahre hintereinander diesen Fehler immer wieder machen. Jeden Tag streiten sie weiter, ohne zu verstehen, was der Ursprung der Streites ist.

Wenn sich jemand ständig von Ihnen beleidigt fühlt, dann ja, es könnte sein, dass er überempfindlich ist. Beachten Sie jedoch, dass man Überempfindlichkeit nicht wegdiskutieren kann. Wenn jemand sehr sensibel ist, dann ist dieses Gefühl ein Fakt und man kann die Gefühle von jemandem nicht ändern. Wenn wir das Verhalten einer Person ändern möchten, man müssen wir verstehen, dass man sich mit den Emotionen befassen muss und nicht mit Debatten.

Kontrolle geltend machen

Kürzlich habe ich mich mit einer Situation zwischen einem Vater und seinem 18-jährigen Sohn befasst. Der junge Erwachsene versuchte vergeblich seinem Vater zu erklären, dass sein Erziehungsstil falsch ist: „Keiner meiner Freunde wird von ihren Vätern kontrolliert. Du kontrollierst mich ständig.” Der Vater begann darüber zu debattieren und es entstand ein ganzer Streit.

Was er nicht erkannte, war, dass das Bedürfnis seines Vaters seinen erwachsenen Sohnes zu kontrollieren nur ein Mittel war, um seine Autorität zu behaupten und ihm das Gefühl zu geben, respektiert und ernst genommen zu werden und nicht weil er es wirklich angemessen fand, seinen Sohn zu kontrollieren.

Wenn der Sohn seinem Vater von Anfang an den richtigen Respekt erweisen würde, hätte er nicht das Bedürfnis gehabt, seinen Sohn auf diese Art und Weise zu plagen.

Alle Argumente des Vaters, wie “Die heutige Generation..”, “Ich kann dir nicht vertrauen” und “Schau, wie du dich bewiesen hast” sind nur eine Maske für seine Emotionen und seinen verletzten Stolz.

Worum geht es wirklich?

Vor nicht allzu langer Zeit war ich in einen Fall involviert, bei welchem sich ein Kind vom Judentum entfremdet hatte. Einer der Brüder hatte ein besseres Verhältnis zu ihm, als seine Eltern und kümmerte sich um ihn.

Doch er wurde ständig von seinen Eltern beschuldigt, weil er sich gut mit ihm verstand. “Was glaubst du, wer du bist?”, “Wir denken, du machst einen großen Fehler, weil du ihn dadurch ermutigst das Falsche zu tun.” waren Kommentare, welche er oft hörte. Es war sehr gespannte und herausfordernde Situation.

Ich versuchte dem älteren, wohlmeinenden Bruder zu erklären, was wirklich geschah. Ich sagte ihm: “Ich sehe, wie du deinen Bruder behandelst und du machst einen großartigen Job. Ich glaube nicht, dass deine Eltern dagegen sind, was du tust. Es ist nur, dass sich sich von der Tatsache herausgefordert fühlen, dass du eine so gute Beziehung zu deinem Bruder hast und sie nicht. Wenn du anfängst, ihnen mehr Anerkennung zu schenken und sie einzubeziehen, dann werden sie anfangen, dich zu verstehen und dafür zu schätzen, dass du mit deinem Bruder in Verbindung bleibst. Probier es aus!”

Es hat funktioniert. Plötzlich wurde er zu ihrem „Ansprechpartner“ und Vermittler zwischen ihnen und dem Bruden. Er war derjenige, an den sie sich wandten und mit dem sie die Dinge diskutierten. Auf diese Weise wurde die Situation gelockert und man konnte gemeinsam dem Kind helfen, auf den richtigen Weg zu finden.

Was hat Mosche getan?

Wenn wir uns diesen “Debatten” zuwenden und anfangen, über einen Tallit aus Techeilet zu debattieren, dann kommen wir nicht weiter. Wenn Sie am Schluss Recht haben und Ihren Standpunkt beweisen, werden Sie ebenfalls nicht weiterkommen. Was tat Mosche Rabbeinu? Hat er Korach dazu gebracht, die Wahrheit zu sehen? Nein.

Mosche Rabbeinu wusste, dass Korach etwas sehr Falsches tat und das Diskutieren nicht helfen würde, also tat er, was er mit Korach zu tun hatte und das war sein Ende. Auch das ist eine Lehre. Tun Sie das, was zu tun ist, aber diskutieren Sie nicht. Das macht alles nur noch schlimmer, weil die Diskussion dadurch in die Frage wer hat Recht und Unrecht verwandelt und emotional noch herausfordernder wird. Dadurch wird wahrscheinlich mehr Schaden angerichtet. Dies ist eine wichtige Lektion, die wir hier von Mosche Rabbenu lernen können.

Chinuch: Erkläre nicht alles

In Bezug auf Erziehung der Kinder (hebr. “Chinuch haBanim”) möchten die Eltern fühlen, die Kontrolle über ihre Kinder zu haben. Sie fühlen sich durch das Verhalten ihrer Kinder (Wutanfälle oder Frechheit) herausgefordert und es muss behandelt werden.

Sehr oft verwenden wir dabei logisches Denken und fangen an, dem Kind zu erklären, wie unverschämt und wie unangemessen es sich verhält. Und dann wird es zu einem Thema: “Aber alle tun es… aber alle in meiner Klasse sagten… aber du verstehst es nicht, weil du älter bist.” Kommen Sie durch „Erklären“ weiter?

Fühlt sich Ihr Kind von Ihnen herausgefordert? Fühlt sich Ihr Kind emotional wohl? Stammt sein Widerstand und die Rationalisierung dessen, was er tut, aus einer logischen Überzeugung, mit welcher Sie nicht einverstanden sind, sodass Sie Ihrem Kind versuchen zu erklären, dass er falsch liegt?

Es geht darum, die Logik zu “übersehen” und tiefer zu suchen. Suchen Sie nach den Emotionen. Suchen Sie den Ursprung des Problems und bleibt Sie nicht bei den Symptomen stecken.

*Namen sind erfunden

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