in , ,

Die Familie im Mittelpunkt – Parascha Achare Mot

Die Familie im Mittelpunkt - Parascha Achare Mot
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Die jüdische Ehe I

Die Familie im Mittelpunkt

In der Geschichte des Jüdischen Volkes war es gerade die Familie und nicht die Synagoge, die als die fundamentale Einheit im Jüdischen Leben betrachtet wird.

Die bedeutendsten und grundlegendsten Erfahrungen im Jüdischen Leben werden innerhalb der Familie gebildet. Die Synagoge spielt lediglich eine zweite Geige. Deshalb wird die Ehe nicht der freien Wahl eines jeden Einzelnen überlassen.

Die Ehe ist Pflicht und der Talmud (B.T. Schabbat 31a) beschreibt, dass die ersten drei Fragen, die in der künftigen Welt an den Menschen gestellt würden, lauten: „Hast Du aufrichtig und ehrlich gehandelt? Hast Du Dir Zeit genommen, um Tora zu lernen? Hast Du eine Familie geschaffen?“.

 

·      Laut der Tora ist die Ehe nicht nur auf das Körperliche ausgerichtet. Das bedeutet, dass zwei Menschen es verstehen, eine Beziehung so erfolgreich auf zu bauen, dass sie wie eine Einheit denken und agieren und als eine Einheit ihr Leben teilen möchten und zu einander finden, um Kinder auf die Welt vor zu bereiten.

·      Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist einmalig. Nur diese Partnerschaft beinhaltet das Potential von Schöpfung in sich, vom Schaffen neuen Lebens, EINE der Eigenschaften von G“tt selber.

·      Wie komplexer die Art des Lebens, desto mehr notwendig, andauernd und intensiv die Verbindung, die sich zwischen Eltern und Kind entwickelt.

·      Da Tiere ihren Kindern wenig bei zu bringen brauchen, keine Tradition durch das Geben haben, besteht auch kein Bedarf, ihre Kinder zu erziehen. Es besteht kein Bedarf an einem Familienleben, denn es bestehen keine Traditionen, keine Beziehungen, keine Disziplin, kein Ziel und keine Ideale.

·      Das Menschenkind ist gerade so hilflos, weil es so viel zu erlernen und zu lernen hat. Traditionen, Ideale und Ziele. Deshalb spielen die Eltern eine so überaus wichtige Rolle beim erlernen und lehren, beim Inspirieren und beim Motivieren.

·      Die Tora beschreibt den Menschen als ein sprechendes Wesen und darin äußert sich das Besondere des Menschen. Das Sprachvermögen ermöglicht es dem Menschen, zu Kommunizieren und sein geistiges Potential zu entwickeln.

·      Die Ehe ist ein Zwiegespräch. Bei der Schöpfung des Menschen sah G“tt, dass es nicht gut ist, dass der Mensch allein lebt. Der Mensch soll einen Partner finden, mit dem er das Menschliche und das Religiöse Gut, im Gespräch mit einander, versuchen kann, es zu erreichen.

 

·      Disziplin und Erhabenheit

Probleme unglücklicher Ehen stehen heutzutage im Mittelpunkt des Interesses. Die Folgen schlechter Ehen sind nicht zu übersehen. Die Tora ist unser Lebensgesetz und es würde schon als sehr oberflächlich erscheinen, wenn wir behaupten müssten, dass es für diese Lebensfragen innerhalb des Judentums keinen Platz geben würde.

Die Jüdische Lehre wäre kein Lebensgesetz mehr, wenn sie nicht alles, was mit Ehe und Familie zu tun hat, regeln und disziplinieren würde und es oberhalb des Tierischen auf eine heilige Ebene erheben.

Die Symbolik der Jüdischen Ehe unterstützt beide Säulen der Jüdischen Moral: Selbstbeherrschung und Erhabenheit.

Jede Ehe wird innerhalb der Gemeinschaft in Anwesenheit von zwei Zeugen  geschlossen, die die Jüdische Gemeinschaft vergegenwärtigen. Die Ehe ist eine Angelegenheit des Volkes, da der Fortbestand des Jüdischen Volkes hiervon abhängt. In der parallelen Denkweise des Judentums symbolisiert die Ehe hier auf Erden auch die Beziehung zwischen G“tt und dem Menschen.

 

·      Der Ring

Für die Jüdische Hochzeit oder Trauung ist ein Ring absolut unentbehrlich. Der Ring muss das Eigentum des Bräutigams sein und unwiderruflich der Braut übereignet werden. Ohne Ring gibt es keine gültige Chuppa.

Laut einer alten Jüdischen Tradition darf man jedoch anstatt des Ringes auch jeden anderen wertvollen Gegenstand zur Schließung einer Ehe verwenden. Als das Jüdische Volk das Volk G“ttes wurde, war es mit Braut und Bräutigam vergleichbar. Daher sehen wir, dass bevor die Israeliten Ägypten verließen, G“tt ihnen allen Reichtum von Ägypten zur Einsegnung der Verbindung zwischen IHM und dem Jüdischen Volk  schenkte (Schemot/Ex. 12:36). Genau wie eine Braut, wurde das Jüdische Volk durch G“tt nicht „gekauft“, sondern die Übertragung des Geldwertes bewerkstelligte eine Statusänderung innerhalb des Auserwählten Volkes.

 

·      Weshalb also dann doch ein Ring heutzutage? Es scheinen Beweise dafür zu geben, dass bereits zur Zeit des Propheten Nechemia (Nehemia) mit einem Ring geheiratet wurde (7:46). Man behauptet wohl, dass die Tora selber mit einem Trauring verglichen wird, mit dem G“tt Israejl an sich band. Die Offenbarung auf dem Berge Sinai wird als eine „Eheschließung“ betrachtet.

·      Genau wie die Tora ohne ein Ende ist – denn sobald man fertig ist, muss man von Neuem anfangen – ist auch der Ring ohne Anfang oder Ende. Daher kommt es, dass man beim Anfang einer Beziehung einen Ring bevorzugt, der für die Ewigkeit bestimmt ist.

 

·      Nicht graviert oder mit einem Diamanten

Der Grund für die Verwendung eines Ringes erscheint einfach; die Frau kann diesen immer mit sich tragen und zeigen, dass sie verheiratet sei. Aber es gibt noch mehr.

Ein Ring bildet auch ein Glied in einer Kette; durch die Trauung werden Mann und Frau ein Glied der Kette der Generationen, die den Anfang der Schöpfung mit der Zeit des Maschi’ach verbindet.

Aber die Aushändigung des Rings ist auch die Übertragung von Recht zum Bestimmen, das Sagen haben; als Pharao den Jossejf anstellte, gab er ihm einen Ring (Bereschit/Gen. 41:42). Hiermit bestätigt der Mann, dass seine Frau ab jetzt seinen Haushalt lenkt. Ab diesem Moment wird ihr Leben geteilt.

Zu letzt symbolisiert der Ring Schutz. Genau wie der Ring den Finger umschließt, steht der Mann wie eine beschützende Mauer rund um seine Frau.

Auch in der Tora stehen die gegenseitigen Verpflichtungen zwischen dem Allmächtigen und Israel.


Dieser Artikel ist von der “Die jüdische Ehe“-Reihe:

Die jüdische Ehe I – Die Familie im Mittelpunkt

Die jüdische Ehe II – Der Ring

Die jüdische Ehe III – Die Ketuba

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Der Ring - Parascha Achare Mot

Der Ring – Parascha Achare Mot

DAS OMER ZÄHLEN III