in

Bedeutung der Teffilin – Parascha Bo

Bedeutung der Teffilin - Parascha Bo
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Die Tefillin sind zwei schwarze Kästchen, an ihnen befinden sich die Gebetsriemen.

Die Tefillin werden Mittig oberhalb der Stirn und vor der Biege des linken Armes befestigt, an dessen Innenseite, zum Herzen hin gerichtet. Sie enthalten vier Paraschot (Teile aus der Tora), mit schwarzer Tinte auf weißem Pergament geschrieben.

 

1.      Eine Einheit mit dem Körper: Hauttransplantation

Die Tefillin werden aus Kuhhaut hergestellt. Die Haut ist auch Bestandteil des menschlichen Körpers. Dieses betont, dass die Botschaft der Tefillin, wie bei einer Hauttransplantation, eine Einheit mit dem menschlichen Körper bilden soll.

Der Mensch muss sich mit irdischen Mitteln über seine tierische Beschaffenheit hinaus lösen. Als körperliches Wesen gibt es keinen anderen Weg dazu. Alles was wir machen, ist körperlich: sprechen, denken, essen und schlafen. Nur mit dem Körper können wir die Ge- und Verbote von und für G“tt vollziehen. Die Tefillin verleihen einen körperlichen Halt zur Erlangung eines Gleichgewichtes. Ein Zuviel an Materie unterbricht die Verbindung mit G“tt. Deshalb muss alles in der Tefillin von koscheren Tieren stammen.

 

2.      Zeichen

Die ersten zwei Teile der Tora, die sich in den Tefillin befinden, werden laut unserem Minhag (Brauch) nicht täglich gesprochen, aber wo anders schon.

In Exodus 13:1-10 und 13:11-16 wird zur Erinnerung an den Tod der Erstgeborenen in Ägypten, der unmittelbaren Ursache für die Entscheidung von Pharao, die Juden ziehen zu lassen, das Gebot erteilt, jeden Erstgeborenen, sowohl Mensch wie Tier, an HaSchem (G’tt) zu widmen.

Der zweite Bereich geht tiefer auf die Heiligung der Erstgeborenen ein: er ist eine Loslösung. Das G“tt Geweihte wird frei gekauft, bevor es für säkulare Zwecke verwendet werden darf.

Wenn Dein Sohn Dich danach befragt, sollst Du antworten: „mit Starker Hand und mit ausgestrecktem Arm hat HaSchem uns aus Ägypten hinaus geführt, aus dem Haus der Sklaverei“, genau so, wie auch die Hagada über Pessach erzählt. „Und es wird ein Zeichen auf Deiner Hand sein und als Totafot, als ein Krönchen zwischen Deinen Augen, denn HaSchem hat uns mit einer starken Hand aus Ägypten hinaus geführt“. Die Tefillin erinnern uns an den Exodus.

 

3.      Die Verlobung

Sobald wir die Tefillin angelegt haben, sprechen wir, während wir die drei Windungen um den Mittelfinger machen, den nachfolgenden Textteil aus Hosche’a (2:21-22): „Ich binde Dich ewiglich an MICH, und ICH werde Dich an MICH binden mit Rechtschaffenheit, mit Gerechtigkeit, mit Mildtätigkeit und mit Gnade, ICH binde Dich an mich mit Vertrauen (Emuna) und Du wirst HaSchem verspüren“. Das „Binden“ ist hier nicht als Brith (Bund) gemeint, sondern als „Eras“, Verlobung. Das Band der Liebe zwischen HaSchem und Seinem Volk wird hier erkennbar.

Hier spricht der Prophet G“ttliche Worte aus. Aber wir sind es auch, die sie morgens aussprechen. Wir kommen in Verbindung mit HaSchems Gerechtigkeit, mit Rechtschaffenheit, mit Mildtätigkeit und mit Gnade. Während wir das machen, laden wir eine enorme Verantwortung auf uns. Es ist jedoch genau diese Verantwortung, an die wir, als freie Menschen, gebunden sind. Nur freie Menschen können ihren freien Willen befolgen. Dieses verlangt viel. Zu allererst, dass das Denken Bestand hat. Wäre das nicht der Fall, würden wir andauernd mit uns selbst im Widerspruch sein.

 

4.      Der Schöpfer

Ein intelligentes Wesen kann so nicht leben, es sei denn, es bekennt sich zum Nihilismus. Nihilismus ist jedoch eher eine Entschuldigung für eine andauernde Entsagung des Lebens, die Hoffnung und die Liebe zu leben. Das mündet in ewige Trauer und schließlich in Menschenhass. Sich daraus zu lösen, lautet die Anweisung. Nur dann können wir entdecken, wer wir selbst sind.

 

Hierzu benötigen wir HaSchem. Den Kern des Verhaltens uns selbst gegenüber können wir erst verstehen, wenn wir die Liebe, die HaSchem uns zuteil werden lässt, erblicken. Diese können wir äußern, indem wir Liebe für HaSchem empfinden, sicherlich, aber an erster Stelle für unseren Nächsten oder Nächste. Das Gebot: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, ist an erster Stelle immer ein Gebot, Dir selber Liebe zu gewähren.

Wie kann ein Mensch sich selbst lieben? Indem er den Willen G“ttes befolgt. Dieses erscheint einem vielleicht wie ein sich im Kreis drehen, aber bei näherer Betrachtung ist G“tt die Quelle aller Dinge. Wir gedenken G“tt mit dem Tragen der Tefillin nicht nur als unseren Befreier, sondern auch als Schöpfer.   

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Wieso bevorzugte Josseif den Benjamin? – Parascha Wajigasch

DIE ERSCHEINUNG G“TTES VOR DEN ERZVÄTERN ALS BEISPIEL FÜR MOSCHE UND FÜR DAS VOLK - Parascha Wajera

DIE ERSCHEINUNG G“TTES VOR DEN ERZVÄTERN ALS BEISPIEL FÜR MOSCHE UND FÜR DAS VOLK – Parascha Wajera