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Über und zwischen den Engeln – Parascha Wajera

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Parscha Vajera (Bereesjiet/Genesis 18:1 – 22:24) 

Avraham hatte sich soeben beschnitten. Er bemühte sich jedoch enorm, es den drei Engeln: Raphael, Michael und Gavriel, die ihm durch ihren Besuch beehrten, bestens ergehen zu lassen.

Eine alte Überlieferung, der Midrasch, vermerkt, dass die Urenkelkinder die Thora erhielten, da Avraham sich so ins Zeug gelegt hatte, die Engel zu bewirten und zu betreuen.

 Die Engel protestierten

Als Mosche den Berg Sinai bestieg, um die Thora zu erhalten, protestierten die Engel. Sie fragten G“tt: „Was macht so ein Sterblicher zwischen uns? Welches Recht hat er, die Thora zu empfangen?“.

Da ließ G“tt Mosche dem Avraham ähneln und konfrontierte die Engel damit: „Ist das nicht dieser Mann, in dessen Haus Ihr gegessen habet?“. G“tt sprach zu Mosche, dass er die Thora nur wegen der uneingeschränkten Gastfreundschaft von Avraham empfangen hätte.

Als die Engel Avraham besuchten, berichtet die Tora, dass „sie über ihm standen“ (Gen. 18:2). Sie befanden sich in der Tat auf einer höheren Ebene. Aber etwas weiter steht in der Tora, dass „Avraham über ihnen stand“ (Gen. 18:8).

Wer stand nun über wem?

Avraham war in ihren Augen anfänglich klein. Die Engel meinten, dass Avraham lediglich ein geringwertiges menschliches Wesen sei.

Aber nachdem sie sahen, wie gastfreundlich er war, schien er doch höher als sie zu stehen. Avraham machte auf die Engel einen tiefen Eindruck.

Was erzeugte bei den Engeln die geänderte Sichtweise? Avraham war 100 Jahre alt, krank durch die Beschneidung und schwach. Es war die heißeste Zeit des Tages und doch saß er am Eingang seines Zeltes und wartete auf Gäste.

Was tut ein normaler Mensch unter diesen Umständen? Die meisten Menschen würden sich aufs Bett legen und jedenfalls nicht auf die Suche nach potenziellen Gästen gegangen sein.

Er stellte die Bedürfnisse anderer über sein eigenes Interesse 

Aber Avraham „schärfte seinen Blick und sah die Engel oberhalb von sich stehen“ (18:2). Er stellte die Bedürfnisse anderer über sein eigenes Interesse. Gäste zu empfangen war in seinen Augen so wichtig, dass alle menschlichen Schwächen hierfür zurückzustehen hätten.

Nach seiner Beschneidung hatte Avraham alle seine zweihundertachtundvierzig Körperteile vollständig unter Kontrolle. Avraham entstieg seinen menschlichen Einschränkungen. Alle seine eigenen Begehrlichkeiten waren einem höheren Ziel untergeordnet.

Dieses verwunderte die Engel. Sie glaubten, über Avraham zu stehen, aber als sie von ihm fort gingen, wurden sie sich bewusst, dass Avraham höher als sie stand.

Avraham war ein sehr besonderer Mensch. Er bleibt – selbst gegenwärtig – noch ein leuchtendes Beispiel für seine Urenkelkinder!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

SUBJEKTIVE UND OBJEKTIVE EMPFEHLUNG – Parascha Wajera

SODOM, JUDENTUM UND DIE TODESSTRAFE