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VIELE FRAGEN UND ANTWORTEN AUF SCHWIERIGE PASSAGEN – Parascha Toldot

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בסייד      

Parascha Toledot  (Bereschit/Genesis 25:19-28:10)

Es gibt viele Fragen in dieser Parscha, die beantwortet werden müssen! Teil 1 FÜNF FRAGEN

Frage 1: “Und dies sind die Generationen von Jitzchak, dem Sohn Awrahams. Awraham brachte Jitzchak zur Welt” (25:19). Raschi merkt an, dass es seltsam ist, dass die Abstammung von Jitzchak zweimal wiederholt wird: Wenn Jitzchak der Sohn Awrahams ist, dann ist es logisch, dass Awraham ihn hervorgebracht hat. Warum diese Wiederholung?

Antwort 1: Im Midrasch Tanchuma heißt es, dass Awraham selbst von den Worten der Leetsanim (Witzbolde und Kritiker) beeinflusst wurde, dass Jitzchak nicht das echte Kind von Awraham und Sara sei, weil Sara sehr lange unfruchtbar war. Die Kritiker glaubten, dass Sara von Awimelech, dem König der Philister, schwanger war, von dem sie kurz zuvor gekidnapt worden war.

Aber das ist schwer zu verstehen, denn Awraham war ein Prophet und wusste mit Sicherheit, dass Awimelech Sara nicht einmal berührt hatte.

Doch Awraham befürchtete, dass Saras Kind von Awimelechs Umfeld beeinflusst, worden sein könnte. Da Sara schwanger wurde, kurz nachdem sie Awimelechs Palast verlassen hatte, könnte sie während des Zusammenlebens an den König der Philister gedacht haben, was einen gewissen Einfluss auf die Gesichtszüge des Embryos gehabt haben könnte. Deshalb hat G’tt dafür gesorgt, dass sich Jitzchak und Awraham wie zwei Erbsen einer Schote gleichen. So wurde ein für alle Mal klar, dass Sara chas weschalom nicht einmal an Awimelech gedacht hatte.

Frage 2: “Und die Kinder kämpften in ihr” (Gen. 25:22). Was fürchtete Rivka so sehr, dass sie HaSchem um Rat fragte?

Antwort 2: Als Rivka an den Türen der Thora-Lehrhäuser von Schem und Ewer vorbeiging, versuchte Ja’akow ihren Körper zu verlassen. Aber als sie an den Götzentempeln vorbeikam, versuchte Esau, herauszukommen. Riva war sehr besorgt darüber, dass sie ein Kind in sich trug, das unschlüssig war. Sie fürchtete, ein Kind zu bekommen, das sowohl die Thora-Lehrhäuser als auch die Götzentempel besuchen würde. Sowohl G’tt als auch Ba’al zu dienen, wird vom Propheten Elijahu als “Doppelgesichtigkeit” abgelehnt. Heuchelei steht im Judentum noch tiefer als Apostasie. Rivka wurde durch die Ankündigung HaSchems beruhigt, dass sie nicht nur ein Kind, sondern Zwillinge in ihrem Leib hatte, von denen das eine zum Götzendienst und das andere zum Thoralernen neigte. Ein schwacher Trost. Dennoch fühlte sie sich beruhigt, dass sie keine gespaltene Persönlichkeit in sich trug.

Frage 3: “Zwei ‘ge’im’ Völker (Vornehme) sind in deinem Schoß” (Gen. 25,23). Wer sind diese beiden Ge’im und warum zitiert Raschi dawke diese Übersetzung/Erklärung?

Antwort 3: Im Talmud (B.T. Awoda Zara 11a) wird erklärt, dass diese beiden “Vornehme” der edomitische (römische) Antoninus und Rabbi Yehuda Hanassi – der Herausgeber der Mischna – waren, auf dessen Tisch es weder im Sommer noch im Winter an Rettich und Salat fehlte. Beide waren sehr reich. Der Talmud will damit deutlich machen, dass Esau zwar diese materielle Welt erben würde und Ja’akow die zukünftige Welt, dass sie aber nicht unbedingt immer auf entgegengesetzten Seiten stehen würden. Manchmal wäre es möglich, dass Ja’akow auch an den Segnungen dieser Welt teilhaben würde. Letztendlich geht es um die kawana, die Absicht bei der Verwendung von Materie. Esau nutzte seine irdischen Segnungen hauptsächlich für seine Leidenschaften, während Ja’akow versuchte, alles Physische in das Zeichen des Himmlischen zu stellen. Rabbi Yehuda Hanassi teilte den gleichen Reichtum wie Antoninus, aber er verwendete seinen Reichtum für höhere Zwecke. Kurz vor seinem Tod hob er den Finger zum Himmel und erklärte, dass er diese Welt nie selbstsüchtig genossen habe, nicht einmal mit seinem kleinen Finger.

Frage 4: “Und zwei Völker werden sich von deinen Eingeweiden trennen” (25:23). Warum mussten sich Esau und Ja’akow unmittelbar nach ihrer Geburt trennen?

Antwort 4: Raschi erklärt, dass sich die Wege von Ja’akow und Esau sofort nach der Geburt trennen würden, Esau zum Bösen und Ja’akow zum Guten. Warum hatten Zaddikim wie unsere Erzväter Awraham und Jitzchak Kinder wie Esau und Jischmael? Der Zohar (Mystik) weist darauf hin, dass die Kraft der Sitra Achra und Tuma (unreine, okkulte Kräfte) umso stärker wird, je mehr Chajut – Lebenskraft der Keduscha (Heiligkeit) sie anziehen kann. Awraham und Jitzchak waren die Inspiration für die Weihe an das himmlische Erbe. Keduscha (Heiligkeit) hat durch sie einen Wert in der Welt.

Deshalb wurden ihnen dawke Kinder geboren, die sich weigerten, der Linie der Keduscha zu folgen und die Tuma anzogen. Jede Aktion löst eine Reaktion aus. Mit der Keduscha unserer Awot (Erzväter und -mütter) wurde Klal Jisrael (das Jüdische Volk) aufgebaut. Das ruft natürlich Gegenkräfte auf den Plan. Das erklärt, warum es Tuma in der Welt gibt. Je mehr Keduscha, desto mehr Tuma wird erzeugt, um Gut und Böse im Gleichgewicht zu halten, so dass der freie Wille gewährleistet ist. “Ze le’umat ze asa Elokim – G’tt schuf Keduscha und Tuma – zu gleichen Teilen, um dem Menschen die freie Wahl zu geben. Je größer der Jetser tov – die Neigung zur Erhebung, desto stärker der Jetser hara – die irdischen Begierden.

Frage 5: “Bitte gib mir etwas von dem Roten zu essen” (25:30). Der hebräische Wortlaut des Satzes “Gib mir etwas zu essen” zeigt, dass Esau gegen seinen Willen aß.

Frage 5a. Warum bat Esau nicht um eine richtige Se’uda (Mahlzeit) mit Fleisch und Wein?

Frage 5b. Außerdem ist es seltsam, dass Ja’akow das Erstgeburtsrecht für Linsen zu kaufen scheint, die gar nicht ihm gehören, sondern seinem Vater und seiner Mutter.

Frage 5c. Wie kann man ein Erstgeburtsrecht verkaufen? 

Frage 5d: Warum war Esau 50 Jahre später wütend auf Ja’akow, als dieser sich als Esau verkleidete und den Segen Jitzchaks für die Erstgeborenen erhielt? Hatte er sein Erstgeburtsrecht nicht richtig verkauft?

Antwort: 5c und 5a. Wahrscheinlich ist mit dem Verkauf des Erstgeburtsrechts gemeint, dass Esau jede Form von ruchniut (Spiritualität) mied und sie auf Ja’akow übertrug. Als Gegenleistung wollte er die gesamte gaschmiut (Materie) dieser Welt. Kurz vor dem “Deal” zwischen Ja’akow und Esau starb Awraham. Ja’akow kochte ein Linsengericht, um seinem Vater Jitzchak nach dessen Tod eine erste se’udat hawra’a (Mahlzeit der Stärke und des Trostes) anzubieten. Linsen ähneln etwas Rundem, das sich dreht. Ja’akow gab also seinem Vater Jitzchak einen Hinweis. So wie die Linse rund ist, dreht sich die Trauer wie ein Rad durch die Welt.

Aber Esau hatte keinen Glauben an die Vorsehung G’ttes und keinen Glauben an die zukünftige Welt. Tatsächlich weigerte sich Esau, diese Linsen während der Trauerzeit zu essen, weil dies ein Zeichen dafür gewesen wäre, dass er an die Ewigkeit der Seele und die zukünftige Welt glaubte. Schließlich musste Esau diese Linsen essen, weil es im Haus nichts anderes gab.

das Recht, die Opfer zu bringen

Als Ja’akow sah, dass Esau die Linsen als Zeichen der Trauer über den Verlust der geistigen Botschaft Awrahams verschmähte, wenig Gefühl für geistige und religiöse Angelegenheiten aufbrachte und schon gar nicht an die Ewigkeit der Seele glaubte, bat er ihn, sein Erstgeburtsrecht zu verkaufen. Dies bedeutete, dass Esau das Recht, die Opfer zu bringen, auf Ja’akow übertrug. Darauf antwortete Esau: “Ich werde bald sterben, wozu brauche ich das Erstgeburtsrecht? Esau glaubte, dass er sterben würde und dass es keine zukünftige Welt gäbe (chas weschalom).

unsere materielle Welt hemmungslos zu genießen

Antwort 5b: Er empfand nichts für geistige und nichts für religiöse Angelegenheiten. Stattdessen wollte er das “Recht”, unsere irdische materielle Welt hemmungslos zu beherrschen und zu genießen: “und er verachtete das Erstgeburtsrecht”, weil er dachte, es sei nichts wert. Deshalb “verkaufte er es an Jaakow”.

Die Linsensuppe war nicht der Preis für das Erstgeburtsrecht, denn Ja’akow sagt später: “Verkaufe mir heute das Erstgeburtsrecht, das dir gehört”. Es wird nicht eindeutig erwähnt, dass das Erstgeburtsrecht anstelle der Linsen verkauft wird. Ja’akow bot Esau eine große Geldsumme für das Erstgeburtsrecht. Die Linsen waren lediglich eine Art “Business-lunch” oder Zeugnis für die Gültigkeit des Verkaufs. Die Linsen mögen der Grund dafür gewesen sein, dass Esau sein Erstgeburtsrecht verkaufte, aber bestimmt nicht der Preis für den Verkauf.

Diese Welt war nie Teil der Abmachung gewesen

Antwort 5d: Als Ja’akow später die Beracha (den Segen) erhielt, war es klar, dass Esau nicht wütend sein konnte, weil Ja’akow ihn betrogen hatte. Aber als Jitzchak Ja’akow auch irdische und materielle Segnungen gab, wurde Esau wütend und dachte, er sei betrogen worden, weil er Ja’akow gerade “diese Welt” im Tausch gegen das Erstgeburtsrecht (für die Opfer) abgekauft hatte. Esau war wütend, weil Ja’akow drohte, ihm auch diese Welt wegzunehmen. Aber das war nie Teil der Abmachung gewesen…

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

GUTE LEUTE UND KLATSCHTANTEN – Parascha Toldot 

VIELE FRAGEN UND ANTWORTEN ZU SCHWIERIGEN PASSAGEN TEIL II – Parascha Toldot