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Wie wachsen wir in unserer Religion? – Parascha Wajeze

Wie wachsen wir in unserer Religion - Parascha Wajeze
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Wie können wir uns voll und ganz in das Judentum einfühlen und es uns zu eigen machen? Wie können wir unsere Energie für mehr Inspiration öffnen? Wie viel Mühe müssen wir aufwenden, um Raum für einen totalen Neuanfang in unserer religiösen Erfahrung zu schaffen? Kann uns dabei eine höhere Vorstellungsebene helfen? Na’ase venischma’ – tun und dann wirst du verstehen: Werden wir es besser verstehen, wenn wir alles tun?  Schöpferische Kraft ist nicht nur ein Geschenk. Was müssen wir denn tun?

Tiere mit Sprenkeln als Gehalt

Diese Fragen kamen mir in den Sinn, als ich noch einmal las, wie Yaakov, unser dritter Erzvater auf gesprenkeltes Vieh stieß. Yaakov hatte mit seinem Schwiegervater Lavan vereinbart, dass er die neugeborenen Tiere mit Sprenkeln als Gehalt erhält. Was hat Yaakov getan? “Er legte die Stäbe, die er geschält hatte, in die Tränke, wo die Herde zum Trinken kam, gegenüber der Herde, damit sie erhitzt würden, wenn sie zum Trinken kamen” (Gen. 30,38).

spirituelle genetische Manipulation

Raschi (1040-1105) erklärt, dass, wenn die Weibchen die gefleckten Stöcke sahen und zurücksprangen, die Männchen sie bespringen konnten. Dann brachten die Schafe und Ziegen gefleckten Junge zur Welt, die wie die Ruten aussahen. Eine Art spirituelle genetische Manipulation.

Wie Einstein sagte: Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Fantasie ist die Voraussetzung für Innovation, erhöht unser Einfühlungsvermögen, macht uns nachdenklicher, zukunftsorientierter, entspannter und erweitert unseren Horizont. Das aktuelle Wissen erhält neue Dimensionen. Fantasie macht uns glücklicher.

Vorstellungskraft im positiven und negativen Sinne

Ya‘akov benutzte die Kraft der Fantasie. Das Vieh betrachtete die fleckigen Stäbchen während der Empfängnis. Dies beeinflusste das Aussehen ihrer Nachkommen.

Wir können unsere Vorstellungskraft im positiven und negativen Sinne einsetzen. Am Arbeitsplatz wird Tagträumen nicht geschätzt, obwohl es enorm zur Problemlösung und zum kreativen Denken beitragen kann.

Das Judentum missbilligt schlechtes, negatives Denken, ist aber ein großer Verfechter des kreativen und vertiefenden Denkens. Erinnern wir uns an den Exodus aus Ägypten. Dies kann uns einen enormen “Kick” in unseren täglichen Gebeten geben.

Eine fromme Person kann als jemand beschrieben werden, der seine ,,geistigen Kräfte” vollständig unter Kontrolle hat. Er kann seine Fantasie auffordern, Bilder wie die Offenbarung auf dem Har-Sinai (Berg-Sinai) und dem Beit HaMikdasch (Tempel) zu evozieren.

Das Geistige sehen

Wenn Sie die Kabbalat-Tora (Empfang der Tora) am Berg Sinai vorstellen – stellen Sie sich vor, wie alle um den Berg herum standen, wie sie die Geräusche ‚sahen‘ (Normalerweise sieht man keine Geräusche, aber beim Empfang der Thora waren die Juden auf einer so hohen Ebene, dass sie geistige und spirituelle Angelegenheiten, die normalerweise nur gehört werden können, als harte Realität sahen) und wie sie ohnmächtig wurden, als sie Haschem sprechen hörten.

Vorstellungskraft in den Zukunftsversprechen

Aber viel wichtiger ist für mich die Verwendung unserer Vorstellungskraft in den großen Zukunftsversprechen, die sich allmählich nähern: das Kommen des Maschiach, die Erweckung der Toten, unser totales Bewusstsein für G’ttes unmittelbare Nähe. Wir können solche erhöhten Geisteszustände nicht wirklich verstehen. Unsere Gelehrten betonten die Bedeutung unserer Vorstellungskraft. Wir können die Visionen unserer glorreichen Zukunft nur dann spüren, wenn wir uns ein lebendiges Bild davon machen können, indem wir Erfahrungsbilder aus der Gegenwart mit ungezügelten spirituellen “Highlights” von G’ttes unermesslicher Güte und Größe kombinieren.

Gebetserfahrung vertieft

Wenn wir uns das vorstellen können, wird unsere Gebetserfahrung vertieft, wir werden uns endlich auf unsere Gebete in der Synagoge konzentrieren können und in unserer jüdischen Erfahrung wachsen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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