in

GESCHICHTE: Mischkan und Mikdasch – GEBET TEFILLA – Teil 12

image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

In der ersten Ordnung, ein Heiligtum zu bauen, verwendet die Tora nicht das Wort Mischkan, sondern Mikdasch. Mischkan bedeutet Wohnort, Residenz der G´ttlichen Majestät. Bald nach dem Exodus beschloss G’tt, unter dem jüdischen Volk zu leben. Dies war eine Wiederbelebung des Himmels, eine Gnade von oben. Welche Rolle spielte das jüdische Volk dabei? Ihre Aufgabe war es, diese Keduscha, diese Heiligkeit, auf der ganzen Welt zum Leuchten zu bringen. Deshalb wird der Mischkan Mikdasch genannt, ein Ort, von dem aus Keduscha für die Menschen, also Heiligkeit ausstrahlt wird.

Zentral geregelt

Die Struktur und Architektur des Tabernakels lehrt uns, damit umzugehen. Wie gehen wir damit um, wo liegt der Schwerpunkt? Das Tabernakel war als zentraler Opferplatz gedacht. Von nun an durften die Opfer nicht mehr privat erbracht werden, sondern an einem zentralen Ort und nur noch durch ein Korps von Kohanim, Priestern, die von den Levi’im, den Leviten, unterstützt wurden. Das Opferereignis wurde reguliert und kontrolliert.

Allerheiligste

Wichtiger aber war der zentrale Fokus. Was war zentral für dieses neue Heiligtum? Das Allerheiligste war nicht für die Opfer gedacht. Im Allerheiligsten befand sich die Heilige Bundeslade mit den Steintafeln und der Tora-Schriftrolle, die Moses geschrieben hatte.

Das war kein Zufall. Wir haben heute nicht mehr die Opfer und die Stiftshütte. Aber die Tora ist immer bei uns geblieben. Die Tora ist unsere ewige Verbindung zu G-tt. Der Aron Hakodesh, die Heilige Bundeslade, musste Träger haben, weil die Tora als unsere transportable Heimat mit uns überall und immer durch dieses bittere Galut (Exil) in alle Winkel der Erde gezogen wurde. In den letzten 2000 Jahren haben wir den Globus bereist. Aber weil die Tora überall mit uns hinging, blieben wir das Volk der Juden.

Gebrochene Dimensionen gebrochene Abmessungen

In der Heiligen Bundeslade lagen die Steintafeln und die Torarolle von Mosche. Im Gegensatz zu allen anderen Objekten in der Stiftshütte war die Heilige Bundeslade das einzige Objekt, bei dem nur halbe Einheiten in Länge, Breite und Höhe (2,5, 1,5 und 1,5 Ellen) angewendet wurden.

Rabbenoe Bachja (Spanien, 14. Jahrhundert) geht davon aus, dass auch in der Beschreibung der Größen und anderen Details der Gegenstände aus der Stiftshütte eine tiefe symbolische Bedeutung liegt.

1. In der Heiligen Lade lag nur die schriftliche Lehre. Dies ist nur die Hälfte ohne die mündliche Lehre, den Talmud.

2. Ein Tora-Gelehrter muss bescheiden und offen sein. Die halben Einheiten der Arke symbolisieren die Zerbrochenheit und Offenheit der Person, die die Tora erwerben möchte. Die zerbrochenen Dimensionen zeigen auch, dass der Tora-Gelehrte sich einfühlsam in seine Mitmenschen einfühlen muss, die in ihrem Leid zerbrochen sind.

Im Zohar (Mystik) wird das Herz mit einer Note verglichen. Das Knacken einer Nuss ist das Durchstoßen unserer defensiven psychologischen Mauer, unserer Unempfindlichkeit und unseres Desinteresses für die anderen, was uns ermöglicht, offen für moralisches Wachstum und Sensibilität gegenüber anderen Menschen zu sein.

SYMBOL FÜR DEN MENSCHEN

Das Heiligtum war ein Symbol der Menschheit. Das sagt die Tora: “Mache mich zu einem Heiligtum, damit ich in dir leben kann.” Die Gegenstände des Mischkans erinnerten an verschiedene Organe des menschlichen Körpers: Die Stützbäume entsprechen den Rippen, Vorhänge ähneln der Haut. Das Kior, das Becken entspricht der Körperflüssigkeit, das Ketoret, der Weihrauch mit dem Geruch. Die Menora (Kronleuchter) symbolisiert den Geist des Menschen, der Schulchan (der Tisch) den Magen. Die Engel mit ihren ausgebreiteten Flügeln erinnern uns an die Lunge, der Aron, die heilige Lade, sieht aus wie das Herz.

Auf diese Weise repräsentiert das Heiligtum den Menschen. Das war die Absicht des Mischkan, des Tabernakels, des tragbaren Schreins in der Sinai-Wüste, der später zum Tempel in Jerusalem wurde. G‘tt will mit den Menschen und in den Herzen der Menschen leben!

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Die Opfer (Fortsetzung) – GEBET TEFILLA – Teil 11

GEBET AM PLATZ DER OPFER – GEBET TEFILLA – Teil 13