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Die Spione ließen sich vom Sichtbaren blenden – PARASCHA SCHLACH LECHA

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Die Spione ließen sich vom Sichtbaren blenden – PARASCHA SCHLACH LECHA

Die Spione ließen sich vom Sichtbaren blenden

In unserem Wochenabschnitt lesen wir davon, wie Mosche Spione aussandte, die das Land Kanaan auskundschaften sollten. Die meisten kehrten mit Horrorberichten zurück.

Der Fehler der Spione wird auf vielfältige Weise erklärt. Einige unserer Weisen sehen darin einen Mangel an G’ttvertrauen. Andere argumentieren, dass die Spione Angst hatten, unter dem neuen Anführer Jehoschua ihre Spitzenjobs als Stammesfürsten zu verlieren.

Mystiker deuteten an, dass die Israeliten eine großartige Zeit in der Wüste hatten: Manna fiel vom Himmel, Wasser kam aus Mirjams Felsen, sie wurden von den begleitenden Wolken beschützt und konnten den ganzen Tag lang Tora lernen.

Doch in Eretz Israel würden sie Tag für Tag viele Stunden arbeiten müssen: Es sei »ein Land, das sein Volk verschlingt« (4. Buch Mose 13,32) – sie fürchteten, vom Irdischen aufgesogen zu werden und keine Zeit mehr für die geistige Entwicklung zu haben.

Aber wir können es auch anders sehen: »Die Städte sind sehr befestigt« (13,28). Der Midrasch Tanchuma (Schelach 8) fragt: »Warum folgt die Passage über die Spione direkt dem Abschnitt über Mirjams Aussatz? Weil sie für die üble Nachrede (Laschon hara) bestraft wurde, die sie über ihren Bruder Mosche sprach. Die Spione sahen dies und zogen keine Lehre daraus.

Weil die Laschon hara der Spione schwer war, wurden sie hart bestraft: Sie mussten ein Jahr lang in der Wüste bleiben, für jeden Tag, an dem sie das Land ausgekundschaftet hatten. Alle Menschen zwischen 20 und 60 Jahren würden in der Wüste sterben und Eretz Israel nie sehen.

Auch Mirjam und Aharon, die auf sehr subtile Weise schlecht über Mosche redeten, standen sofort schweren Anschuldigungen gegenüber: »Warum habt ihr euch nicht gefürchtet, über Meinen Diener Mosche zu sprechen?

Wie konnten Mirjam und Aharon sich nur so geringschätzig über ihren Bruder Mosche äußern? Wenn sie ihn ausreichend wertgeschätzt hätten, wäre ihnen nicht einmal ein negativer Gedanke gekommen, geschweige denn hätten sie etwas Abfälliges über ihn gesagt. Aber das war ihr Manko: Sie schätzten Mosche gering und achteten seine außergewöhnlich großen Qualitäten nicht.

Kann man die Bestrafung der Spione mit Mirjams Bestrafung vergleichen? Die Spione sprachen über ein Stück Land, aber Mirjam sprach über den Mann G’ttes, den größten Propheten, den wir je gekannt haben.

Mirjam und Aharon redeten Laschon hara über Mosche wegen der äthiopischen Frau, die er geheiratet hatte. Raschi (1040–1105) erklärt hierzu, dass wir die Erwähnung einer äthiopischen Frau nicht wörtlich nehmen sollten. Mosche hatte nur eine einzige Frau, Zippora, eine Midjanitin.

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Laut Raschi sprachen Mirjam und Aharon über die Tatsache, dass Mosche mit seiner Frau keinen Kontakt mehr hatte und sich vollständig seinen g’ttlichen Offenbarungen widmete. Das war subtile Diffamierung.

Die Tora erwähnt, dass Mirjam für ihre Verleumdung mit Lepra bestraft wurde (12,10). Mosches Frau war eine sehr zurückhaltende und fromme Frau, innerlich sehr rein. Doch weil Mirjam sich innerlich verunreinigte, wurde die Lepra zu einem äußeren Symptom dessen.

Die Spione litten unter dem gleichen Problem. Sie konnten die großen Qualitäten von Eretz Israel nicht ausreichend wertschätzen. Sie glaubten, dass Israel ein Land sei, das »seine Bewohner verschlingt« (13,32). Die bösen Spione sahen nur die negativen Seiten von Eretz Israel und konnten – trotz des abschreckenden Beispiels von Mirjam – nicht von ihr lernen. Wahrscheinlich schauten sie vor allem auf das Äußere der Dinge.

Wir können daraus lernen, dass wir nichts nach seinem Aussehen beurteilen sollten. Wir müssen die Dinge eingehender betrachten. Was an der Oberfläche schlecht aussieht, kann innen großartig sein.

Die Spione blickten nur auf Äußerlichkeiten. Mosche bat sie, sich das Land und die Städte anzusehen, in denen die Bewohner des Landes lebten, ob sie nun offen oder befestigt waren. Mosche gab ihnen ein Zeichen. Wenn sie in offenen Städten leben, sind sie stark. Aber wenn sie in ummauerten Städten leben, sind sie schwach. Es ist genau das Gegenteil von dem, was wir denken: Eine Festung sieht aus, als sei sie schwer zu erobern, daher neigt man zu der Annahme, wer darin wohnt, sei stark.

Doch Mosche wollte den Spionen klarmachen, dass sie nicht nur auf den Auftritt setzen sollten. Aber die Spione sündigten und blickten nur auf das Äußere. Sie kamen mit entsprechenden Beschreibungen nach Hause: »Die Städte sind stark befestigt« (13,28). Die Menschen dort seien stark, weil sie in gesicherten Städten leben. Die Spione haben einen großen Fehler gemacht. Sie schauten nicht unter die Oberfläche.

Wie kommen wir zu dieser psychologischen Erkenntnis? Ab 13,18 wird klar: »Du wirst das Land betrachten, was es ist, und die Menschen, die darin leben. Ob stark oder schwach, ob wenig oder viel. Ob stark oder schwach.« Mosche gab den Spionen ein Zeichen: Wenn sie in offenen Städten leben, sind sie stark, weil sie auf ihre Stärke vertrauen. Aber wenn sie in befestigten Städten leben, sind sie schwach.

Widersprüche

In all den Widersprüchen, die die Tora erwähnt (ob es wenig oder viel ist, ob es gut oder schlecht ist, ob man in offenen oder geschlossenen Städten lebt, ob es fett oder mager ist), gibt es immer das Wort »oder«, außer in dem Fall: ob es stark oder schwach ist. Das Wort »oder« erscheint dort nicht im hebräischen Original – obwohl wir es so übersetzt haben. Die Tora sagt wörtlich in etwa: Ist es stark? Ist es schwach?

Man kann dies lesen als: Das Starke, das ist das Schwache. Und dies bedeutet, dass alles, was stark aussieht, letztlich ein Zeichen von Schwäche ist. Das war der Hinweis, den Mosche ihnen mit auf den Weg gab.

Zweifellos waren die Beobachtungen der Spione richtig. Natürlich waren die Menschen dort groß. Aber das bedeutet nicht, dass G’tt nicht eingreifen kann. Die Spione ließen sich vom Sichtbaren blenden – und das, obwohl sie die übernatürliche Kraft des G’ttlichen während des Exodus und in der Wüste erlebt hatte. Sie hätten aus ihren Beobachtungen andere Schlüsse ziehen müssen.

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