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Richter und Polizei sollt Ihr in allen Euern Toren für Euch einstellen – PARASCHA SCHOFTIM

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Richter und Polizei sollt Ihr in allen Euern Toren für Euch einstellen

Die Ausdrucksweise der Tora ist oft unklar oder ungenau, da sie auf vielen Ebenen gleichzeitig spricht:

„Richter und Polizei sollt Ihr in allen Euern Toren für Euch einstellen….sie werden das Volk mit gerechter Rechtsprechung urteilen“ (16:18).

Auf höchster Ebene handelt es um musar (Sittlichkeit und Moral).

Dieser Passuk (Vers) spricht über die hohen Anforderungen, die wir von jedem Menschen erwarten, dass er sie erfüllt.

Musar-Sefarim (Bücher) beginnen mit der Frage, weshalb der Satzabschnitt „Richter und Polizisten sollt Ihr für Euch einstellen“ im Singular steht,

obwohl es eine Gemeinschaftsaufgabe ist, eine Richterschaft und eine Polizeiorganisation ein zu richten.

Der bekannte Kabbalist Rav Chaim Vital besagt, dass dieser Passuk auch zu jedem als Individuum spricht, da wir viele Öffnungen („Toren“) in unserem Körper haben.

Die Sinnesöffnungen werden in der Tora auch als Tore bezeichnet.

Es gibt ein Tor (Öffnung, Sinnesorgan) zum Sehen,

Eines zum Hören,

Eines zum Riechen,

Eines zum Tasten und

Eines zum Sprechen.

Über all diese „Tore“ muss der Mensch Richter oder Wächter einstellen, um fest zu stellen, ob er mit seinen Sinnesorganen richtig umgeht.

Oft sind diese „Tore“ nämlich die Öffnungen zur Sünde.

Dieses steht auch im Sohar, dem kabbalistischen Hauptwerk: „Das menschliche Haupt hat sieben „Tore“:

zwei Augen,

zwei Ohren,

zwei Nasenlöcher und einen Mund“.

Bei allem, was wir sehen, müssen wir überlegen, ob das wohl ist, was HaShem von uns möchte, dass wir WAS sehen und dass WIE wir es sehen.

Genau so wie Laschon Hara – üble Nachrede – besteht, gibt es auch eine schlechte oder verkehrte Art, die Dinge zu betrachten.

Wenn wir es einfach ausdrücken, bedeutet das die geläufige Fragestellung des „halb leeren oder halb vollen Glases“.

Sehen wir nur die negativen Seiten unseres Daseins und der unserer Umwelt oder haben wir auch einen Blick für das Positive?

Denke ich: „ Was bin ich durch HaShem gesegnet, da ich dieses oder jenes habe“ oder denke ich: „Welch ein Elend, da ich dieses habe und jenes nicht“?

POSITIV BETRACHTEN

Das positive Betrachten ist ein Ergebnis von oder die Ursache des positiven Denkens.

Letztens musste ich eine Schluss-Zusammenfassung über eine Person

für die rückwärtige Außenseite eines Buches schreiben, die in dieser Biografie beschrieben wird.

Du kannst etwas Kritisches schreiben,

aber es kann auch Positives sein.

Und ich meinte, was ich schrieb. Auf was fokussiere ich mich?

Ich machte es wie folgt: „Niemand, der Herrn X begegnete, wird ihn jemals wieder vergessen. Er ist der Ghandi des Judentums, mit seiner Friedfertigkeit, seiner Ruhe und seiner ansteckenden Umsicht,

die er schon allein nur durch seine Anwesenheit voll verbreitet.

Die Liebe und Integrität, die dieser Mann ausstrahlt, sind lediglich die Merkmale eines tiefen innerlichen Edelmutes, einer unfassbaren Liebe zu seinen Mitmenschen,

einer enormen Lebensweisheit, eines breiten Blickfeldes, einer weitumfassenden Bildung und eingeprägten Erfahrungen, als Folge von dem Allen, was er in seinem Leben mitgemacht hat.“.

Das nenne ich positiv auf andere Menschen schauen.

Und das ist eine absolute Mizwa!

Um über das „schauen“ zu sprechen:

manche Dinge darfst Du aus halachischer Vorschrift (das Jüdische Gesetz) nicht mal betrachten,

zum Beispiel Vorgänge, die zu ehelicher Untreue führen,

sowie andere Gegebenheiten, die Du noch nicht einmal in Betracht ziehen möchtest, da Du hiervon unnötig ängstlich oder depressiv wirst.

Dieses Letztere hat nicht nur einen negativen Einfluss auf Dein Leben als Ganzes, sondern kann Dein Judentum auch fürchterlich negativ beeinflussen.

POSITIV ZUHÖREN

Positiv zuhören ist vielleicht noch wichtiger.

Wir wissen alle, welchen Einfluss negative Erzählungen auf andere Menschen haben kann.

Wenn über Jemand „Laschon Hara“ (üble Nachrede) erfolgt, muss man seine Ohren fest verschließen,

da hier ein verheerender Einfluss von aus geht.

„Laschon Hara“ wird selbst durch die Thora verboten.

Petzen Piesacken (in der Schule oder wo anders) ebenfalls auch.

Piesacken Petzen ist übrigens meistens eine Nebenwirkung von bösem Gerede.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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