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Missgunst wird bestraft – Parascha Wajera

Missgunst wird bestraft - Zerstörung von Sodom und Amora
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Ein wichtiges Prinzip der Torah ist MIDDA KENEGED MIDDA (Eigenschaft gegen Eigenschaft): für alles gibt es eine Aufrechnung. Bist Du gierig, dann ist man seitens des Himmels auch gierig nach Dir.

Bist Du zu Deinen Mitmenschen gut, dann ist man von Oben auch freundlich zu Dir. Dieses Prinzip zeigt, dass es in dieser Welt keine Zufälle gibt. Wenn jemand belohnt wird, beruht das auf den guten oder weniger guten Taten des Menschen selber.

Im Geschehen um die Zerstörung von Sodom kommt dieses Prinzip regelmäßig zurück:

  • bei der Zerstörung von Sodom
  • bei der Frau von Lot, die zu einer Salzsäule erstarrt und
  • bei Lot, der seine Töchter schwängert.

Sodom und seine Umgebung waren so unmenschlich, dass sie das Leben nicht verdienten.

Da war einmal ein Mädchen freundlich zu einem armen Fremden, der großen Durst hatte. Sie gab ihm etwas zu essen und zu trinken. Sie wurde vor das Gericht gebracht.

Das Mädchen verdiente laut dem sodomschen Gesetz die Todesstrafe, da sie einem Fremden zu essen und zu trinken gegeben hatte. Die Sodomiten beschmierten sie mit Honig und legten sie vor einem Bienenkorb. Sie wurde zu Tode gestochen. Gerade weil sie so reich waren, vergaßen sie G“tt. Sie waren so gierig, dass sie es selbst den Vögeln nicht gönnten, dass diese ihre Nester auf den Zweigen der Bäume bauten. Alle Zweige wurden abgehackt.

Auch das Einladen von Fremden zu einem Abendessen oder generell zu einem Essen wurde schwer bestraft.

Eines Tages traf wieder ein Reisender ein. Er bekam nirgendwo etwas zu essen und wusste sich keinen Rat. Schließlich schloss er sich einer Hochzeitsgesellschaft an und setzte sich zu Tisch. Sein Tischnachbar fragte ihn, wer ihn eingeladen hätte. Aus Angst sagte der Gast: „Du hast mich doch eingeladen?“ Sein Tischnachbar geriet in Panik: „Niemand darf das hören. Sonst bekomme ich eine ganz schwere Strafe!“.

Er hatte solch eine Angst, dass er wegrannte. Daraufhin setzte sich der Reisende neben jemand Anderes und sagte das Gleiche. Auch der zweite Tischnachbar rannte hinweg. Das ging so weiter und der Reisende konnte das ganze Diner selber aufessen.

Sodom verdiente sein Ende. Lot und seine Töchter wurden durch einen Engel gerettet. Die Frau von Lot durfte sich nicht umdrehen und nach hinten blicken. Nun weil sie es doch tat, erstarrte sie zu einer Salzsäule. Sie hatte mit Salz gesündigt und wurde mit Salz bestraft.

Als die Engel in das Haus von Lot zu Besuch kamen, passte das seiner Frau überhaupt nicht. Sie versuchte auf verräterische Weise, ihren Mann bei der Obrigkeit zu denunzieren. Sie ging zu ihrer Nachbarin und sagte: „ Es sind Gäste in unser Haus gekommen. Leihe mir etwas Salz“. Auf diese Weise versuchte sie bekannt zu geben, dass ihr Mann, trotz des gesetzlichen Verbotes, Gäste eingeladen hatte.

Lot wohnte mit seinen Töchtern in einer Spelunke, nachdem sie Sodom verlassen hatten.

Lot`s Töchter befürchteten, dass sie kinderlos sterben würden. Sie dachten, dass niemand die Katastrophe der Zerstörung von Sodom überlebt hatte, bis auf sie und ihren Vater. Deshalb verführten sie ihren Vater. Lot wurde vollkommen trunken gemacht und schwängerte dabei seine Töchter.

Von der Älteren stammt Mo’av ab und von der Jüngeren Ammon. Sie waren die Vorläufer des Maschiach. König David, Großvater von Maschiach, war ein Urenkelsohn der Moabiterin Ruth. Rechave’am, Sohn von König Salomo und Enkelsohn von David, war ein Sohn von Na’ama, einer Ammonitischen Kriegsgefangenen. Von ihnen stammt der Maschiach ab.

Obwohl sie Unzucht betrieben, hatten die Töchter von Lot mit diesem Inzestvorgang lautere Absichten. Sie wollten die Erde wieder bevölkern.

G“tt beurteilte Lot`s Töchter nach ihren Absichten. Ihre Taten waren jedoch zu verurteilen. Deshalb durften die Kinder und Enkelkinder aus dieser Inzest-Beziehung nicht innerhalb des Jüdischen Volkes heiraten (Dewarim 23:4). „Kein Ammonit oder Mo’avit darf je in die Gemeinschaft aufgenommen werden (das heißt einheiraten)“.

Aber weshalb war Lot letztendlich Opfer dieser Inzest-Beziehungen? In der Vorgeschichte hatte Lot seine Töchter der Menge angeboten, als diese auf sexuelle Beziehungen mit Lot`s Gästen drängte. G“ttes Reaktion war: „Undenkbar! Normalerweise unternimmt ein Vater alles, um die Ehre seiner Töchter zu schützen. Lot bot sie der Menge an. Ich schwöre, dass Du durch sie irgendwann straucheln wirst“.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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