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Verbot der G-tteslästerung und der üblen Nachrede

Noach Kuzari
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Verbot der G´tteslästerung

Ben Noach: G´tteslästerung gilt als eine Form der Rache. Da der Mensch G-tt nicht schaden kann, ist es das Einzige, was G-tt schaden kann, Ihn zu verfluchen. G´tteslästerung ist nicht nur das buchstäbliche Fluchen G-ttes, sondern umfasst auch jede Aussage, die von der Allmacht von G-tt ablenkt. Wie sieht das Judentum das?

Rabbi: Wenn jemand verletzt wird, kann er den verbalen Angreifer ausschimpfen, um die Rechnung zu begleichen. Wenn ein schwerwiegenderes Ereignis eintritt, fühlt sich das Opfer möglicherweise aufgefordert, den Täter physisch anzugreifen, um Zufriedenheit zu erlangen. Aber mit G-tt kann man physisch nichts anfangen. Ihn zu verfluchen ist daher ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Art und Weise, wie Menschen von G-tt behandelt werden. Es kann sogar so weit gehen, dass man die Existenz G-ttes vollständig leugnen und ihn sozusagen “töten” will.

Auch Klatsch und Tratsch ist G´tteslästerung

Leben und Tod liegen in der Hand der Zunge “(Sprüche 18:21) ist nicht nur biblisch, sondern auch eine sehr aktuelle und praktische Wahrheit. Die Sorgfalt im Umgang mit der eigenen und fremden Seele wird durch nichts so leicht untergraben wie durch das Wort. Die Art und Weise, wie wir über uns und die Welt um uns herum denken, spiegelt sich in der Art und Weise wider, wie wir sprechen.

Wer wütend ist, schwört schnell. Wer konsequent und von ganzem Herzen schwört, ist in spiritueller Not. Wer ein guter Mensch sein will, muss an erster Stelle gut zu sich sein: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” (Lev. 19:18). Jeder Mensch trägt einen Funken G´ttlichkeit in sich. Wenn Menschen über ihren Nachbarn klatschen, ist dies auch eine Form des G-tteslästerung. Vielleicht ist es noch schlimmer. G-tt ist unverletzlich, aber unser Nachbar kann äußerst verletzlich sein. Deshalb warnt die Tora viel häufiger vor menschlicher G´tteslästerung als vor echter G´tteslästerung. Beide Formen böswilliger Sprache haben dieselbe böswillige Wurzel.

Einfluss des Anderen minimieren

Mit böswilliger Sprache und Fluchen möchte man den Einfluss oder die Anwesenheit des “Anderen” verbal minimieren oder vollständig auslöschen. In beiden Fällen ist es ein Versuch, das G´ttliche aus unserer Mitte zu entfernen. Und das ist eine extrem schlechte Sache, der sich jeder, jeden Tag widersetzen muss – mit sich selbst und mit anderen.

“Die Welt ist erfüllt von G´ttes Herrlichkeit” (Jesaja 6: 3). Der große Segen, den die Religion bietet, ist die ständige Praxis, die eigenen Gedanken und damit die eigene Einstellung so zu ordnen, dass wir dieses “Gute” tatsächlich erleben können. Nur eine Haltung der Dankbarkeit gegenüber G-tt wird dies bewirken, denn “du öffnest deine Hand und befriedigst alles, was lebt” (Psalm 145). Nur wenn wir G-tt dankbar sind, können wir verstehen, dass alles, was wir haben und erreichen, für uns da ist, um G-tt und anderen Gutes zu tun. Wir selbst werden (glücklicher), wie wir es mit unserem Segen tun, damit umzugehen.

Das Fluchverbot gilt

Ben Noach: Wie lauten die Regeln dieses Verbots?

Rabbi: Es ist verboten, G-tt zu verfluchen oder in irgendeiner Weise seine Größe und seinen Glauben an ihn zu gefährden.

Ob man G’tt beim Namen nennt oder einen anderen Ausdruck verwendet, um sich auf ihn zu beziehen, spielt keine Rolle. Alle Formen der G´tteslästerung sind verboten.

Das Erkennen von götzendienerischen Praktiken als Wahrheit ist eine ernsthafte Form der G´tteslästerung, auch wenn die Götzen selbst nicht verehrt werden. Götzendienst und G-tteslästerung sind sehr verwandt, weil beide G-tt leugnen.

Es ist gut für Noachiden, mehr zu tun, als vom Gesetz erwartet wird. Obwohl es Noachiden nicht strengstens verboten ist, eine andere Person zu verfluchen, ist es gut, es zu lassen. Die negative Darstellung von Mitmenschen kann ein Charaktermord sein, der einem Mord gleichkommt. Darüber hinaus wurde der Mitmensch auch nach G-ttes “Gleichnis” erschaffen. Man verflucht G-tt indirekt, wenn man einen anderen verflucht.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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