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DAJENU UND DIE ZEHN PLAGEN – TEXT HAGADA – Teil 24

DAJENU UND DIE ZEHN PLAGEN - TEXT HAGADA - Teil 24
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“Kama ma’alot towot” – Viele Wohltaten

Wie viele Wohltaten hat G-tt uns gezeigt! Warum werden hier fünfzehn Ebenen von Güte beschrieben? Rabbi Mosche Feinstein antwortet mit einem Zitat aus der Episode von Jitro, der alles gehört hatte, was G-tt für Mosche und Israel getan hatte (Schemot/Ex. 18: 1-5). Warum folgte Jitro den Juden in der Wüste? Raschi antwortet: “Er hat von der Spaltung des Roten Meeres und dem Krieg gegen Amalek gehört.”

Rabbi Mosche Feinstein erklärt, dass jeder von etwas anderem berührt wird, wenn Menschen einen Veranstaltungsbericht mit allen möglichen inspirierenden Details hören. Einige finden den Sieg des Guten über das Böse, wie den Krieg gegen Amalek, am schönsten, andere sind am meisten beeindruckt davon, dass G-tt die Naturgesetze durchbricht, wie die Spaltung des Roten Meeres. Jede Sichtweise ist gültig. Deshalb werden alle fünfzehn Wohltaten in Duft und Farbe erwähnt!

Wenn er uns in die Nähe des Berges Sinai gebracht hätte, uns aber nicht die Tora gegeben hätte, wären wir immer noch dankbar gewesen.

Welchen Nutzen hätte es gehabt, am Berg Sinai zu stehen, ohne dass uns die Tora gegeben worden wäre? Ohne die Tora hätte es kein jüdisches Volk gegeben! Rabbi Aharon Kotler zitiert die Gelehrten, die uns erzählen, dass unsere Patriarchen Avraham, Jizchak und Ja’akov bereits alle Gesetze der Tora eingehalten haben, bevor die Lehre gegeben wurde. Ihre Aufrichtigkeit, Spiritualität und prophetischen Gaben ermöglichten es ihnen, G-ttes Wünsche aus eigener Initiative zu erkennen.

jemand, der etwas Obligatorisches tut, ist auf einer höheren Ebene als jemand, der etwas freiwillig tut

Aber, sagt Nachmanides, weil es nicht auf einer Offenbarung beruhte, waren die Gebote für die Patriarchen nicht wirklich verbindlich. Sie waren nur Ausdruck guten religiösen und moralischen Verhaltens. Gleiches gilt für die Juden am Fuße des Berges Sinai. Sie erlebten eine solche spirituelle Erhebung, dass sie die Wahrheiten der Tora sehen konnten, ohne dass G-tt dies ausdrücklich sagte. Wir wären also im Besitz der Lehren der Tora gewesen, aber nicht, weil sie von G-tt befohlen wurden. Wir würden auf das Niveau der Patriarchen kommen, die eine autodidaktische Religion ohne wirkliche Verpflichtungen praktiziert haben. Wir sind dankbar, dass er uns am Ende auch die Tora direkt gegeben hat, denn “jemand, der etwas Obligatorisches tut, ist auf einer höheren Ebene als jemand, der etwas freiwillig tut” (B.T. Kiddushin 31a).

Tiefere Einblicke in die Hintergründe der zehn Plagen

Am Sederabend erwähnen wir natürlich die zehn Plagen. Bei jeder Plage schütten wir ein wenig Wein aus unserem Weinbecher, um zu zeigen, dass wir uns nicht über die Strafen der Ägypter freuen, obwohl sie uns schwer unterdrückt und unsere Kinder getötet haben.

Aber was bedeuten diese zehn Plagen? Ist es mehr als nur eine Bestrafung? Ich werde Ihnen den Hintergrund der ersten Plagen skizzieren.

Wenn G“tt ein Volk bestraft, wird zuerst sein Götze angegangen. Die Plage mit dem Blut traf den Nil selber (die Ägypter hatten mit dem Nil einen ihrer Götzen), womit die Allmacht G“ttes bewiesen wurde, da ER die Natur beliebig verändern kann.

Außerdem bewirkte die Plage des Blutes, dass die Ägypter von den Bnej Jisraejl abhängig wurden, eine Vergeltung für ihren erniedrigenden Fremdenstatus.

Zudem konnten die Bnej Jisraejl vom großen Reichtum von Ägypten mitgenießen, der in den Jahren der Hungersnot angehäuft wurde.

Da sich trinkbares Wasser nur noch bei den Bnej Jisraejl befand, mussten die Ägypter bei ihren Sklaven Wasser kaufen. Auf diese Weise flossen viele Devisen aus der ägyptischen Schatzkiste an das Jüdische Volk.

Eine andere interessante Erklärung verweist auf den Umstand, dass Wasser in seiner natürlichen Umgebung kalt ist und Blut überwiegend warm.

G“tt wollte mit dieser ersten Plage zeigen, wie man aus dem ägyptischen Götzentum zu dem wahren Judentum der Bnej Jisraejl gelangen konnte.

Der erste Schritt ist, das eiskalte Desinteresse für alles, was mit Keduscha (Heiligkeit) zu tun hat, in eine warmblütige Begeisterung zu verwandeln.

Die zweite Plage, die Frösche, bildete eine in allen Bereichen des täglichen Lebens eingetroffene Invasion. Die Frösche befanden sich in den Öfen, in den Schlafräumen und selbst in den Mägen der Ägypter.

Die Frösche waren bereit, sich im Auftrag von HaSchem komplett zu opfern.

Die zweite Plage zeigt, wie die Natur im Dienste G“ttes steht – und kein selbständiges Leben führt – und das lehrt das Jüdische Volk, dass es zu einem gelungenen Start mit „Jiddischkeit“ viel Aufopferungsbereitschaft bedarf.

Die Frösche waren kleine Geschöpfe, die den Machthaben durch ihre irren Mengen einen enormen Schrecken einjagten. So wurde die Herzlosigkeit (der Ägypter) vergolten.

Mit den Läusen wurde die schwarze Magie der Ägypter entlarvt.

Die ersten beiden Plagen konnten die ägyptischen Zauberer noch nach machen.

Aber bei den Läusen mussten sie passen. In diesem Augenblick wurden die übernatürlichen anti-G“ttlichen Kräfte zunichte gemacht, d.h. zerstört. Nach der Läuseplage verloren die ägyptischen Bildschriftkundigen ihre Bedeutung.

Ein anderes Ergebnis dieser Läuseplage war, dass die Erde, also das Material Erde, sich in Läuse verwandelte. Diese Plage betraf die Erde, also den Lehm, aus dem am Anfang der Thorah für die verschiedenen mit Unglück behafteten Abenteuer der Menschheit das Material und die Steine gewonnen wurden: der Turm zu Babel und die Vorratstädte des Pharao wurden aus Lehm- und Schlammsteinen erbaut.

Die ersten zwei Plagen waren nur als Warnung gegen die ägyptischen Besitztümer gerichtet. Da Ägypten nicht auf diese Warnungen hören wollte, ging es ihnen persönlich selber an den Kragen.

Die Läuseplage gehörte zur Kategorie Schmerzen erleiden. Ägypten musste am eigenen Leib erfahren, was sie Anderen angetan hatten. G“tt wollte nicht bestrafen, sondern vielmehr erziehen.

Ägypten wollte jedoch nicht hören…

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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