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SCHAWUOT – Eine Lektion für die Ewigkeit: Nur durch G-tts Gegenwart können wir uns...

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SCHAWUOT – Eine Lektion für die Ewigkeit: Nur durch G-tts Gegenwart können wir unser menschliches Potenzial voll ausschöpfen!

Eine Lektion für die Ewigkeit: Nur durch G-tts Gegenwart können wir unser menschliches Potenzial voll ausschöpfen!

Wir gehen 3335 Jahre zurück in die Zeitrechnung, zurück zu einem wilden, unwirtlichen Ort: Midbar Sinai, der Sinai-Wüste, wo nichts wächst oder blüht. Ein Donnerknall bei klarem Himmel, gewaltige Blitze entladen sich, das am Meisten herausragende Ereignis der Menschheitsgeschichte wird sich vor den Augen von mehr als 1.200.000 erwachsenen Zeugen im Anschluss abspielen.

Aber, wo ist das Jüdische Volk? Der Midrasch vermerkt den Höhepunkt von „Chutspe“: am Tage, an dem das Jüdische Volk zu Mamlechet Kohanim – ein Königreich von Priestern – und Goi Kadosch – ein heiliges Volk- erwählt werden sollte, hatte man sich verschlafen!

SCHÄRFERE SICHTWEISE

Die Paschtanim, die einfachen Erklärer kommentieren es damit, dass die Juden von der Wüstenwanderung müde waren. Nach einer ausgiebigen Nachtruhe hofften sie, für die G“ttliche Offenbarung (durch HaSchem) gut vorbereitet zu sein. Andere Meforschim – Kommentatore – gehen mehr in die Tiefe; dass die Juden sich kurz vor Matan Tora (der Übergabe der Thora) verschliefen, kann nicht nur eine Folge der langen Wüstenwanderung sein. Die Juden verschliefen sich bewusst, da sie meinten, die Offenbarung G“ttes in schlafendem Zustand besser erfahren zu können als im wachen Dasein.

Im Wachzustand kann unser Bewusstsein nur Vorgänge verarbeiten, die wir sinnbildlich wahr nehmen. Im Schlummerzustand sind wir manchmal im Stande, etwas von erhabenen Welten zu erfassen. Die meisten Propheten sahen nur Visionen in ihren Träumen. Ein Traum heißt in Iwrith „Chalom“ und ähnelt dem Wort „Chalon“ – Rahmen. In unseren Träumen wird uns schon mal, wie durch ein Fenster, ein Blick in Himmlische Sphären gegönnt.

FEHLERHAFTE ANNÄHERUNG

Die Juden im Sinai wollten von dieser einmaligen Erfahrung so viel wie möglich „mitnehmen“ und glaubten, dass sie gut daran täten, schlummernd und schlafend zu verbleiben. Mosche Rabejnu weckte sie auf, da die Essenz des Judentums nun nicht ausgerechnet aus fantasievollen und träumerischen, spirituellen Spiegelungen besteht. Das Judentum ist eine Religion der wachsamen Wirklichkeit und soll mitten im vollen Leben seine Anwendung finden. Um diese fehlerhafte Annäherung zu berichtigen, lernen wir immer noch die ganze Nacht von Schawuoth hindurch.

NACHTS DURCHLERNEN

Hierzu wird ein spezieller „Tikun“ (Lernstoff) zusammen gestellt, in dem Passagen aus der Thora und Mischna (Mündliche Lehre), dem Sohar und einer Aufzählung aus den 613 Ge- und Verboten vor kommen. Jeder der Anwesenden trägt, wenn er an der Reihe ist, einen Teil aus diesem Tikun vor.

In der Kabbala wird auch aus einem anderen Grund dazu geraten, die Nacht im Wachsein und lernend zu verbringen. Die Thora ist die Zierde des Volkes Israel und die Offenbarung am Berge Sinai war im eigentlichen Sinn die Mitgift des Jüdischen Volkes. Die Schmuckstücke der Braut bereitet man in der Nacht vor der Hochzeit vor.

WOCHEN UND VERSPRECHUNGEN

Zu Schawuot im Jahr 2448 verband sich das Jüdische Volk mit G“tt auf die Ewigkeit und G“tt versprach dem Jüdischen Volk, es nicht gegen eine andere Nation auszutauschen. Rabbi Chaim Ibn Atar (1696-1743) meint deshalb auch, dass das Fest der Gesetzgebung an Stelle von Schawuot (Wochenfest) eigentlich Schewu’ot (Fest der Versprechungen) heißen müsste, da G“tt und das Jüdische Volk einander ewige Treue schwörten.

Zu Pessach haben wir Matzot, den Sederabend und 4 Becher Wein. Zu Sukkot kennen wir den Lulav (Feststrauss aus Pflanzenarten) und die Sukka (Laubhütte). Schawuot kommt wohl etwas armselig davon. Während dieses kurzen Festes gelten keine speziellen Gebote, die den spezifischen Charakter dieses Festes betonen. Unbeschadet hiervon haben sich im Laufe der Jahrhunderte jedoch zu Schawuot viele Minhagim (Bräuche) eingebürgert. Minhagim nehmen als Traditionen der Vorväter innerhalb des Jüdischen Volkes einen besonderen Platz ein.

MILCHIGE SPEISEN

So ist es ein Brauch, zu Schawuot milchige Speisen zu essen, bei dem der Käsekuchen (=Quarktorte) absolut nicht fehlen darf. Dieser Minhag enthält eine tiefgehende Symbolik mit allerlei Hinweisen zu den Geschehnissen, die vor dem Erhalt der Thora  erfolgten:

  • So den Zahlenwert VIERZIG des Wortes „Chalav“ (Milch), als Anspielung auf die vierzig Tage, die Mosche auf den Berg Sinai verbrachte.
  • Im Ge’ulat Israel steht ein anderer Grund: bis Matan Thora assen die Juden unreine und nicht-koscher geschlachtete Tiere. Als Folge hiervon war ihr Fleischbestand „trejfe“ geworden. Sie hatten keine andere Wahl, als milchige Speisen zu essen.
  • Das Sefer Matamim greift einen dritten Grund auf: am 6. Siwan (das Datum von Schawuot) wird Mosche durch die ägyptische Prinzessin Batja – einer Tochter des Pharaos- aus dem Nil gerettet. Mosche weigerte sich, sich von ägyptischen Ammen stillen zu lassen. Er wollte das nur von seiner Mutter Jocheved.

GESCHMÜCKTE SYNAGOGE

Ein anderer Brauch besagt, dass wir die Synagoge zu Schawuot mit Blumen und Pflanzen schmücken. Auch wieder ein Brauch mit tieferem Inhalt. So möchten Einige hier einen Hinweis sehen

  • auf das Schilfgras, in dem Mosche durch seine Mutter versteckt wurde. Mosche wurde am 7. Adar geboren. Seine Mutter konnte ihm 3 Monate lang zu Hause vor ägyptischen Soldaten versteckt halten. Am 6. Siwan – dem selben Datum, an dem 80 Jahre später die Thora-Übergabe erfolgen sollte – legte Jocheved Mosche in den Nil.
  • Andere sehen hierin eine Erinnerung an den Berg Sinai, der zur damaligen Zeit mit grünem Gewächs bedeckt war.
  • Einige sehen diesen Minhag im Midrasch angedeutet, der die große Bedeutung der Thora-Gesetzgebung für das Weltgeschehen betont:

„Sie kann mit einem König verglichen werden, der einen Ziergarten anlegte. Einige Zeit später schien sein Garten mit Dornen und Disteln überwuchert zu sein. Der König war im Begriff, den Garten wieder um zu pflügen, aber im letzten Augenblick entdeckte er eine wunderschöne Rose. Da sagte er: „ Zum Wohle dieser Blume soll der Garten gerettet werden!“ Der Garten ist die Welt, die G“tt geschaffen hat. Die Dornen und Disteln waren die Verdorbenen der Erde und die Rose ist die Thora. In diesem Midrasch wird die Hoffnung ausgesprochen, dass die Thora die Menschheit vor Schlechtem behüten wird. Als Erinnerung daran wird die Synagoge mit Pflanzen und Blumen geschmückt.

ÜBERTRIEBENES RÜCKEN IN DEN VORDERGRUND?

Es scheint oft so, als ob wir unsere Minhagim – die Sitten und Bräuche unserer Synagoge nicht zu vergessen – noch wichtiger finden als den Schulchan Aruch, den international gültigen Jüdischen Codex.

Ich muss jedoch zugeben, dass Minhagim in unserer Tradition einen wichtigen Platz einnehmen. Indem ein Minhag innerhalb des Jüdischen Volkes als ein solcher Eingang gefunden hat, kann dieser nicht so ohne weiteres abgeschafft werden. Sie sind – laut Rabbi Schlomo Ibn Aderet (1235-1310) –  bindend.

TIEFERER HINTERGRUND

Fast alle Minhagim enthalten einen tieferen, wenn nicht gar einen mystischen Hintergrund. Oft bringen Minhagim die tiefere Bedeutung der Begründungen der Gesetzesbestimmungen aus der Thora nach vorne.

Minhagim werden auf eigenes Drängen des Jüdischen Volkes eingeführt. Vielleicht nehmen die Minhagim deshalb auch so einen herausragenden Platz zu Schawuot ein. In den Minhagim zeigt das Jüdische Volk, dass es es nicht bei einer sklavenhaften Befolgung der von Oben vorgegebenen Regeln belässt.

In den Minhagim zeigen wir, dass wir bereit sind, in den Traditionen zu leben und diese erweitern möchten. Minhagim zeigen ein wirkliches Interesse an dem, was unseren Vorfahren in einer längst verflogenen Zeit mitgeteilt wurde.

Die Offenbarung am Berge Sinai war vornehmlich – wie das in der mystischen Literatur lautet – eine „Aktion von Oben“. Der Minhag stellt die „eigene Wirksamkeit“ des Jüdischen Volkes in den Vordergrund, eine Reaktion des Menschen auf Erden auf die Offenbarung am Berge Sinai.

SCHAVUOT WACHSTUM BEGEISTERUNG UND INSPIRIERENDE BRAEUCHE  

“Ist so etwas jemals passiert oder wurde so etwas jemals gehört? Haben andere Menschen jemals die Stimme G-ttes mitten im Feuer sprechen hören, wie ihr es gehört und überlebt habt? ” (5. Mose 4: 32-33).

Viele neue Ideen entstanden mit der Tora-Gebung auf dem Berg Sinai (vor 3335 Jahren).

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Rav J. Sacks fasst es kurz zusammen:

ein Königreich der Priester und ein heiliges Volk

-Zunächst wurde ein politisches Gremium geschaffen: eine von G-tt geführte Nation von Bürgern mit einer schriftlichen Verfassung (der Tora) und einer einzigartigen Mission: “ein Königreich der Priester und ein heiliges Volk zu sein”.

Ausübung von Macht an moralische Grenzen gebunden

-Die Tora bindet die Ausübung von Macht an moralische Grenzen. Damit setzte sich zum ersten Mal das Gesetz über die Macht durch. Jeder Tyrann war völlig gesetzlich gebunden. Jeder Despot konnte gerügt werden. Superwichtig! Jeder hatte das Recht, unmoralische Befehle zu missachten.

Verwaltung nur mit Zustimmung des Volkes

-G-tt hatte die Juden gefragt, ob sie sein Volk sein wollten. Verwaltung und Regierung werden nur mit Zustimmung des Volkes ernannt. Ohne sie gibt es keine legitime Ausübung von Macht, selbst wenn sie der Schöpfer von Himmel und Erde ist. Ohne die Zustimmung des Volkes hätte die Offenbarung nicht stattgefunden.

G-tt konsultierte bei der Übergabe der Tora zuerst die Frauen

-Frühzeitige Demokratien (zum Beispiel Athen) gewährten nur den Mächtigen und Reichen politische Rechte. Frauen, Fremde, Kinder und Sklaven nahmen nicht teil. In Westeuropa erhielten Frauen erst im 20. Jahrhundert Stimmrechte. G-tt konsultierte bei der Übergabe der Tora zuerst die Frauen, “so solt ihr zum Haus von Ja’akov sagen” – das sind die Frauen. Unsere Verfassung schließt alle ein. Staatsbürgerschaft ist bei uns etwas Universelles. Es hat Tausende von Jahren gedauert, bis wir hier in Westeuropa – der Wiege der “Zivilisation” – so weit gekommen sind. Schavuot – das Fest der Tora – ist die perfekte Gelegenheit, sich mit sehr grundlegenden Fragen zu befassen.

Größter gemeinsamer Bindungsteiler

Das Festhalten an der Tora wird manchmal als das Geheimnis des jüdischen Überlebens bezeichnet. Die Tora ist der größte gemeinsame Nenner, der die Menschen zusammenhält. Die historische Analyse scheint dies zu bestätigen:

1.    Eine gemeinsame Heimat fehlt seit 2000 Jahren.

2.    Der jüdische Staat hatte nie eine bedeutende militärische oder politische Macht.

3.    Selbst im Goldenen Zeitalter von König David oder Salomo wurde Israel von Reichen wie Ägypten, Assyrien und Babylonien attackiert.

4.    Das globale Judentum hatte auch keine gemeinsame Sprache. Schon in biblischen Zeiten wurde Hebräisch als Umgangssprache durch Aramäisch ersetzt. Teile vom Tenach, ein Großteil des babylonischen Talmud und der ganze Sohar sind auf Aramäisch geschrieben. In den Tagen von Sa‘adja Gaon (892-942) und Maimonides (1140-1205) sprachen die meisten Juden Arabisch, während später Jiddisch und Russisch oder Englisch, auch deutsch, vorherrschten.

5.    Während der langen Diaspora gab es auch keine gemeinsame einheitliche Kultur, beispielsweise Küche.

6.    Erst jetzt wird die große kulturelle Kluft zwischen aschkenasisch-europäischem und sephardisch-orientalem Judentum in Israel allmählich, auch in der Sprache, überwunden.

Die verbindende Inspirationsquelle war die Tora

Die endlose Reihe von Verfolgungen und Pogromen ist nur eine negative Identifikation mit der eigenen Gruppe. Die verbindende Inspirationsquelle war die Tora und Tradition, für die viele Juden bereit waren, sogar ihr Leben zu geben.

„Siehe, ein Volk, das getrennt lebt“

Unser “Anderssein” im Glauben und Handeln, unsere geistige Unabhängigkeit ist nicht unsere Schwäche, sondern unsere Stärke. Der heidnische Prophet Bileam sah es richtig: „Siehe, ein Volk, das getrennt lebt; es wird nicht zu den Nationen gezählt“ (Bemidbar 23: 9). Nur so können wir ein “leuchtendes Beispiel” für die Nationen sein. Wachstum im Judentum ist das höchste Ziel

Auserwählt sein ist kein Privileg

Auserwählt sein ist nur eine Verantwortung. Am Fuße des Berges Sinai wurde die Tora bedingungslos angenommen. “Na’asse Venischma” – zuerst werden wir es tun, später können wir die Gebote verstehen. Dies scheint ein unlogischer Ansatz zu sein. Normalerweise möchten wir Aufträge enthalten können, bevor wir sie ausführen können.

parallelistische Philosophie

Das Judentum verwendet eine parallelistische Sicht des Menschen; spirituelle Konzepte werden oft durch körperliche Prozesse veranschaulicht. Damit der Körper richtig funktioniert, müssen zuerst Nahrung und Sauerstoff aufgenommen werden, bevor man einen Einblick in den Verdauungsprozess und die Atmung erhält. Das Studium von Nahrung und Sauerstoff kann Nahrung und Atmung nicht ersetzen.

Der Kern von Religion und Tora ist rein spirituell

Gleiches gilt für die “jüdische Neschamma” (Seele): Wenn er gesund bleiben will, müssen wir zuerst die Zutaten nehmen, die unser Schöpfer am besten kennt und die im Tora-Rezept vorgeschrieben sind. Nur dann können wir auf geistige Genesung hoffen.

All diese verschiedenen “jüdischen” Kulturformen sind schön und gut, aber ohne eine solide Grundlage ist unsere Kontinuität nicht garantiert! Schavuot hat keine konkrete Symbolik, weil der Kern von Religion und Tora rein spirituell ist. Das ist das oberste Bestreben des Judentums und muss es auch bleiben.

Eine Lektion für die Ewigkeit: Nur durch G-tts Gegenwart können wir unser menschliches Potenzial voll ausschöpfen!

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