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KADDISCH 4 KAPITEL 2

KAPITEL 2

DIE FORMALEN ASPEKTE DES KADDISCH

2.1 EIN MINJAN FÜR DAS KADDISCH

Das hebräische Wort Minjan bedeutet wörtlich: Zahl, wird aber in der Regel speziell im Hinblick auf die erforderliche Anzahl erwachsener Männer angewandt, die anwesend sein müssen, um verschiedene Teile des Gebets sprechen zu können. Dewarim SchebiKeduscha, wie Kaddisch und Barchu, erfordern die Anwesenheit von zehn jüdischen Männern (vgl. B.T. Brachot 21b, Megilla 23b und Sanhedrin 74b).

Die Voraussetzung, dass mindestens zehn Männer in der Schul anwesend sein müssen, gilt hauptsächlich für den Beginn eines Dawar SchebiKeduscha. Wenn man zum Beispiel mit einem Kaddisch in Anwesenheit eines Minjan begonnen hat, aber einige die Synagoge während dieses Kaddisch verlassen, dann ist es erlaubt, das Kaddisch weiter zu sprechen. Dennoch müssen mindestens sechs Männer in der Schul anwesend bleiben.

Die Poskim sind unterschiedlicher Meinung darüber, ob es erlaubt ist, das Kaddisch – ohne Minjan – zu sprechen, wenn das Gebet, das mit dem Kaddisch abgeschlossen werden soll, mit der erforderlichen Anzahl von Personen begonnen hat. Rema (O.Ch. 55:3) und Magen Awraham halten dies bei einer Dawar SchebiKeduscha und im Schacharit für zulässig, bei dem die Wiederholung des Schmone Esre in Anwesenheit von zehn Männern und im Mincha das stille Schmone Esre mit einem Minjan begonnen wurde (Mischna Berura 53:18, 19 und 22). Diese Regel gilt nur für das verpflichtende Kaddisch nach dem Tefilla, nicht aber für das Kaddisch nach dem Alenu, Mismor-Kaddisch oder dem Lernkaddisch – Kaddisch Derabbanan.

Wie lautet die Halacha, wenn das betreffende Gebet, das Rezitieren eines Mismors oder das Lernen ohne Minjan begann, aber zur Zeit des Kaddisch, dass diese Teile abschliesst, schon der Minjan anwesend ist? Taz (O.Ch. 55:3) und Magen Awraham (O.Ch. 69:9 und 134:1) stimmen in diesem Punkt nicht überein.

Taz ist der Meinung, dass in einem solchen Fall das Kaddisch gesprochen werden kann, aber Magen Awraham verbietet dies. In O.Ch. 134:1 sagt Magen Awraham, dass man, wenn es keinen Minjan für das Aschre im Mincha gab, man erst zusammen im Minjan ein Mismor sprechen muss, bevor man das sogenannte Aschre-Kaddisch spricht. Es ist auch nicht recht, etwas ohne einen Minjan zu lernen und dann zehn Männer für das Lernkaddisch zu versammeln.

Im Allgemeinen folgt man der Meinung des Magen Awraham. Nur beim Barchu-Kaddisch nach dem Psuke Desimra und im Maariw folgt man der erleichternden Deutung des Taz (vgl. Mischna Berura O.Ch. 55:2).

Die Frage, ob ein Kind – zusammen mit neun Erwachsenen – zu einem Minjan gezählt werden kann, ist Thema umfangreicher Responsa-Literatur. Tosafot (B.T. Brachot 48a) weist auf eine Entscheidung von Rabbenu Tam hin, die besagt, dass man ein Kind – wenn nötig – zu einem Minjan zählen kann, aber zudem auch darauf, dass man in einem solchen Fall einem Kind nicht einen Chumasch auszuhändigen braucht.

Die meisten Rischonim entscheiden anders. R. Josef Karo (O.Ch. 55:4) sagt für die praktische Ausübung, dass das Mitzählen eines Kindes (das auf jeden Fall älter als 6 Jahre sein muss) vor den Augen der großen Poskim keinen Gefallen gefunden hat. Rema fügt hinzu: “Auch nicht, wenn das Kind einen Chumasch in der Hand hält. Einige erlauben es jedoch in Notfällen”. Magen Awraham erwidert darauf: “Und dann auch ohne einen Chumasch”.

Magen Awraham sagt weiter, dass es derzeit üblich ist, ein Kind mit einem Chumasch in der Hand zu einem Minjan zu zählen. Laut R. Joel Sirkes muss dieser Chumasch eine auf Pergament geschriebene Schriftrolle sein; ein gedruckter Chumasch ist nicht ausreichend. Die Mischna Berura entscheidet über das Mitzählen eines Kindes zu einem Minjan wie folgt: “Viele spätere Gelehrte (Acharonim) gestatten auch in Notfällen nicht, ein Kind unter dreizehn Jahren zu einem Minjan zählen” (O.Ch. 55:20). In der Praxis ist die Auffassung der Mischna Berura ausschlaggebend.

2.2 DIE KÖRPERHALTUNG BEIM KADDISCH

2.2.1 Stehen

Rema notiert (O.Ch. 56:1), dass man beim Antworten auf das Kaddisch und jedes Dawar SchebiKeduscha (wie Barchu etc.) stehen muss. Magen Awraham und Ba’er Hetev (beide 56:4) zitieren zu dieser Frage aus den „Darche Mosche“: “Maharil schreibt, dass er nicht beim Kaddisch und Barchu aufzustehen pflegt; nur bei den Kaddischim, bei denen er schon wegen des vorangegangen Gebetes (z.B. nach dem Schmone Esre) stand. Bei der Antwort ‚Amén jehé sch’mé rabba’ ist es jedoch üblich, aufzustehen (und so fand ich es bei Mordechai)’.

Um die Ansicht, dass man während des Kaddisch stehen muss, zu stützen, verweisen die Erklärer auf eine Begebenheit aus dem Tanach hin, die durch einekal wachomer” Argumentation im Talmud (B.T. Sanhedrin 60a) für das ganze jüdische Volk gilt: “In Schoftim 3:20 heißt es: „Und Ehud war zu ihm gekommen, da er sass in dem kühlen Söller, der für ihn allein war. Und Ehud sprach: „Ein Wort G’ttes habe ich an dich“. Wenn bereits Eglon, der König von Moab, der doch ein Nichtjude war und den G’ttesnamen nur aus Beschreibungen kannte, sich erhob, um die Worte G’ttes zu hören, wie viel mehr sollten wir uns erheben, wenn wir den G’ttesnamen vernehmen!“.

R. Joel Sirkes sagt daher, dass man nach der Halacha bei den Tefillot stehen sollte, für die ein Minjan vorgeschrieben ist, wie Kaddisch, Keduscha und Barchu. Weil für das Kaddisch ein Minjan vorgeschrieben ist, muss dies stehend gesprochen werden, ebenso wie die Engel G’tt stehend heiligen. Magen Awraham und Mischna Berura (O.Ch. 56:8) kommen beide zu dem Schluss, dass die Gemeinde bei den Worten ‚Amén jehé sch’mé rabba’ stehen muss.

2.2.2 Verbeugungen

Raschi ist der Meinung, dass man sich während des Kaddisch vier- bis fünfmal verbeugt. Das erste Mal bei ‘Jitgadal wejitkadasch sch’mé rabba’, das zweite Mal bei ‘ba’agla uwisman kariw’, das dritte Mal bei ‘wejischtabach’ bis zum Ende der ‘sieben lobenden Verben’ (bis einschließlich ‘wejithalal’) und das vierte Mal bei den Worten ‚tuschbeachta wenèchèmata’. Diese vier Verbeugungen haben den Charakter des Hischtachavot (Niederknien).

Laut Raschi ist die Verbeugung bei ‚ossè schalom’ freiwillig. Nach Ansicht dieses mittelalterlichen Gelehrten stehen die vier verpflichtenden Verbeugungen den vier G’ttesnamen gegenüber (Maleachi 1:11) entgegenstehen: „Denn vom Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergange ist groß mein Name unter den Völkern, und an jeglichem Orte wird geräuchert, dargebracht meinem Namen, und zwar reine Opfergabe; denn groß ist mein Name unter den Völkern, spricht der Ewige der Heerscharen (Zewaot)“. Der Name Zewaot wird zu den verpflichtenden Verbeugungen nicht hinzugezählt, da er nur ein Ehrenname für G’tt ist, was den freiwilligen Charakter der fünften Verbeugung erklärt.

Im Schulchan Aruch (O.Ch. 56:4) steht, dass man sich verbeugen muss bei den Worten:

1. jitgadal wejitkadasch

2. jehé sch’mé rabba

3. jitbarach

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4. berich hu

5. Amen am Ende des Kaddisch, was jedoch nur eine freiwillige Verbeugung darstellt.

Der Gaon von Wilna (O.Ch. 56:10) meint, dass man sich während des Kaddisch gar nicht verbeugt, weil die Verbeugungen während Gebeten von den Chachamim präzise festgelegt wurden, und für das Kaddisch-Gebet diesbezüglich keine Angaben gemacht wurden.

R. J. M. Epstein ist jedoch der Meinung, dass es sich hierbei nicht um wirkliche Verbeugungen handelt, sondern um leichte Beugebewegungen. Er schließt mit der Bemerkung, dass der “Brauch ist, sich ein wenig bei den Worten von Rav Nachschon zu beugen”, auf dessen Tradition Raschis Ansicht basiert.

Unser Minhag folgt dieser letzten Ansicht. Am Ende des Kaddisch geht man nach den Worten ’jehé sch’mé rabba min schemaja’ drei Schritte zurück und man spricht ‘ossè schalom bimromaw“. Obwohl viele dies nicht beachten, darf man `ossè schalom bimromaw’ erst sprechen, wenn man drei Schritten rückwärts gegangen ist (Magen Awraham O.Ch. 123:2).

2.2.3 Die drei Schritte rückwärts

Rabbi Jaakov ben Ascher (O.Ch. 123) sagt, dass man am Ende des Schmone Esre oder Kaddisch gebeugt drei Schritte zurück geht. R. Josef Karo bemerkt, dass dieses Gesetz aus dem Talmud (B.T. Berachot 53b) stammt, Rabbi Jehoschua Ben Levi sagt darin, dass man zuerst drei Schritte zurück geht, bevor man von der Schechina Abschied nimmt. Sollte man dies nicht tun, wäre es besser gewesen, wenn man überhaupt nicht gedawent hätte!

Im Schulchan Aruch (O. Ch. 123 :1) wird weiter ausgelegt, dass man nach diesen drei Schritten (während man noch gebeugt steht) sein Gesicht nach links wendet und die Worte “ossè schalom bimromaw’ ausspricht, danach wendet man sein Gesicht nach rechts und spricht die Worte „hu ja’assè schalom”; danach verbeugt man sich tief, so wie ein Diener, der sich von seinem Meister verabschiedet.

Zu den drei Rückwärtsschritten merkt R. Josef Karo (O.Ch. 123) an, dass man zuerst mit dem linken Fuß einen Schritt zurück geht, und danach mit dem rechten Fuß. Obwohl im Judentum im Allgemeinen die “Priorität” auf der rechten Seite liegt (und man sich nach diesen drei Schritten erst nach rechts wenden müsste; vgl. B.T. Joma 55b), verbeugt man sich zuerst nach links, weil man sich während der Zeit des Schmone Esre und Kaddisch in G’ttes unmittelbarer Nähe befindet. Zuerst wendet man sich nach rechts der Schechina zu, die von der Sicht des Menschen aus betrachtet links ist. Diese Betrachtungsweise gilt auch für die Verbeugung nach rechts.

Gründe für Rückwärtsschritte

R. Josef Karo (O.Ch.123) nennt mehrere Gründe für die drei Rückwärtsschritte, die alle von einer tiefen Symbolik zeugen.

Zuerst erwähnt R. Josef Karo, dass die drei Schritte den drei Meilen gegenüber stehen, die die Juden bei der Offenbarung auf dem Berg Sinai zurückgewichen waren. Die Juden konnten die starke Kraft der Keduscha (Heiligkeit) bei der Offenbarung auf dem Berg Sinai kaum ertragen und die Ehrfurcht vor dem G’ttlichen Wesen ließ sie zurückweichen.

Ein zweiter Grund ist, dass Mosche Rabbenu drei Stadien (Choschech, Anan und Arafel) durchlaufen musste, bevor er mit der Schechina sprechen konnte. Nach dem Ende seines Gesprächs mit G’tt musste er diese drei Stufen wieder hinabsteigen”, um in die gewohnte Welt einzutreten. Unsere Gebete sollten auch von einer so hohen Qualität sein, dass wir wirklich in Ehrfurcht G’ttes aus einer höheren Welt in die tägliche Realität zurückkehren.

Rabbenu Hai Gaon betrachtet die drei Rückwärtsschritte aus einem ursprünglicheren Kontext. Die Gebete stehen den täglichen Opfern im Tempel gegenüber. Als der Kohen den Altar mit den Opfergaben betrat, wendete er sich nach rechts und nach der Opferung nach links. Zwischen dem Altar und der Kewesch (der Treppe zum und vom Altar) gab es drei Reihen von Steinen, die der Kohen rückwärts hinabschritt. Mit unseren drei Schritten nach dem Gebet folgen wir den Bräuchen der Kohanim, um uns an den Ursprung und die starke Bedeutung unserer Tefillot zu erinnern. Unsere Gebete nehmen die Stelle der ehemaligen Tempelopfer ein.

Rabbenu Manoach bezieht die drei Schritte auf die hohe Keduscha, die von uns während des Gebets erwartet wird. Für die Engel kennen wir für Füße drei Begriffe; um uns an die Keduscha des Gebets zu erinnern, gehen wir drei Schritte zurück.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum verschiedene Poskim denken, dass zu viele Rückwärtsschritte, nicht nur die drei verpflichtenden, als eine Form des Stolzes angesehen werden. Jetzt ist auch ersichtlich, warum die drei Rückwärtsschritte mindestens eine Fußlänge pro Schritt betragen müssen. Dies entsprach der Art und Weise, wie die Kohanim im Tempel gingen.

2.3 UNTERBRECHUNG DES SCHMONE ESRE FÜR DIE ANTWORT „AMÉN JEHÉSCH’ME RABBA“

Die große Keduscha, die dem Kaddisch zugeschrieben wird, ist auch für folgende Bestimmung wichtig: Darf man das Schmone Esre mit den Worten ‘amén jehé sch’mé rabba’ unterbrechen, um mündlich oder in Gedanken auf den ersten Teil des Kaddisch zu antworten? Basierend auf einem Vermerk im B.T. Berachot 21 b `die Halacha ist nicht so’ (d.h. man sollte das Schmone Esre nicht unterbrechen, um `’amén jehé sch’mé rabba’’ zu antworten) sagt Maimonides (Yad, Tefilla 10:16), dass man das Schmone Esre nicht unterbrechen sollte, um `’amén jehé sch’mé rabba’’ zu antworten.

Strittig jedoch ist die Frage, ob man das Schmone Esre schweigend „unterbrechen” darf, indem man den Worten des Chasan und der Antwort der Gemeinde aufmerksam zuhört. Raschi meint, dass man das Gebet unterbrechen muss, um das Kaddisch anzuhören. Die Tosafisten Rabbenu Tam und Rabbenu Yitzchak sagen, dass man nicht einmal unterbrechen darf, um dem Kaddisch stillschweigend zuzuhören, weil dies als eine Unterbrechung des Schmone Esre, wegen des Prinzips ‘shome’a ke’one’ – (andächtiges) Zuhören ist gleich antworten – angesehen wird.

Rabbenu Hai Gaon und R. Isaak Alfassi sind der Meinung, dass dieses Prinzip hier nicht als Unterbrechung gilt, denn die Regel “aufmerksam zuhören ist gleich antworten” wird nur dann als Pause betrachtet, wenn es sich gebetsfremde Worte und Handlungen handelt. Da ‘amén jehé sch’mé rabba’ eine Lobpreisung enthält, ist es erlaubt, das Schmone Esre dafür zu ‘unterbrechen’.

Die Halacha (O.Ch. 104) lautet, dass man das Schmone Esre-Gebet schweigend unterbrechen darf, um dem Kaddisch andächtig bis zu dem Wort ‘da’amiran’ zu folgen, wonach man mit seinem Schmone Esre fortfährt (Magen Awraham 104:7). Das Schma darf unterbrochen werden, um ‘amén jehé sch’mé rabba mewarach le’alam ule’almé almaja’ (aber nicht weiter!) zu antworten, und man schweigt, bis zu den Worten ‘da’amiran be’alma’, worauf man Amen sagt. Danach geht es mit dem Schma weiter.

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