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Kaddisch 7 Kapitel 4 KADDISCH-JATOM: DAS KADDISCH DER WEISEN; SINN UND BEDEUTUNG

KAPITEL 4

KADDISCH-JATOM: DAS KADDISCH DER WEISEN; SINN UND BEDEUTUNG

Der Inhalt des Kaddisch kann in zwei wichtigen Begriffen zusammengefasst werden:

1. Kiddusch Haschem: Heiligung des Namen G’ttes in der Gegenwart

2. Malchut Haschem: das Gebet für die Konstituierierung von G’ttes Alleinherrschaft in der Zukunft.

Im Mittelpunkt unserer täglichen Gebete stehen diese beide Bedeutungen des Kaddischs. Das Kaddisch schlägt die Brücke zwischen der Gegenwart und dem Versprechen einer erhabenenernenZukunft. Vielleicht ist dies der Grund, warum das Kaddisch das “Gebet für die Toten” par excellence wurde, weil im Kaddisch der tägliche Auftrag des gesamten Jüdischen Volkes (Kiddusch Haschem) und das glühende Verlangen nach der Verwirklichung des großen Versprechens (Malchut Haschem) prägnant zum Ausdruck kommt.

In einsamen Momenten werden viele von der Frage gequält, ob es möglich ist, dem Verstorbenen über den Tod hinaus zu danken und ihn zu lieben. Das Judentum beantwortet diese Frage positiv: Der Tod schränkt nicht die Möglichkeit ein, Gefühle der Dankbarkeit und Liebe zum Ausdruck zu bringen. Kinder können das Lebenswerk ihrer Eltern fortsetzen und weiter die Zukunft des jüdischen Volkes gestalten. Das Handeln der Menschen überwindet den Tod der Menschen! Das Kaddisch bewirkt, dass den Kindern bewußt wird, das sie das G’ttesfürchtige Werk ihrer Eltern fortsetzen können und wollen. Kinder legen in ihr Kaddisch den Gedanken, dass sie das Lebensziel der Eltern fortsetzen und weiter gestalten wollen; dies hat sogar etwas Unsterbliches… die Idee, das Lebensziel der Eltern über deren Leben hinaus unsterblich zu machen, indem sie es bekannt machen und erfüllt sehen. Im Geiste und nach dem letzten Willen des Verstorbenen spricht der Sohn, im Geiste des Verstorbenen antwortet die Gemeinde. Unter diesem Gesichtspunkt ist das Kaddisch sowohl das Gebet der Lebenden als auch das Gebet der Toten.

Denn nach unserer Auffassung erreicht die Seele des Verstorbenen ihren Ort der Glückseligkeit unter den Flügeln der G’ttlichen Majestät erst nach einer Zeit der Läuterung und Reinigung – weil der Weg von der Olam Haze (unsere Welt der Lüge, Täuschung und des Irrens) in die Olam Haba (die Welt der Wahrheit) über die Täler der Vergeltung führt ‘denn kein Mensch lebt als rechtschaffener Mensch auf Erden, dass er nur Gutes tun und nicht sündigen würde’ – deshalb muss das Kind während des Awel-Jahr zum Jahrzeittag hin, durch sein eigenes Verdienst versuchen, diese Zeit der Läuterung und Vergeltung zu verkürzen.

Das Kind zeigt durch einen guten Lebenswandel, das in ihm das Vorbild des Verstorbenen lebt; durch fleißiges “Lernen”, das zeigt, dass die Eltern durch ihre G’ttesfürchtige Erziehung ihren Anteil an der zukünftigen Welt erworben haben (vgl. B.T. Pessachim 113a), durch das Vorbeten, in dem der Chasan die Gemeinde zu andächtiger Besinnung auffordert, und durch das Sprechen des Kaddisch als Heiligung des Namens G’ttes in der Öffentlichkeit – Kiddusch Schem Schamajim berabim – trägt das Kind dazu bei, die Seele des Verstorbenen zur wahren Glückseligkeit zu erheben und verkürzt die Zeit, in der die Seele des Verstorbenen geläutert werden muss, bevor sie in die Olam Haba eintreten kann. “Bera Mezake Abba“ – der Sohn erarbeitet den Verdienst des Vaters.

Das Kaddisch ist ein spiritueller Handschlag zwischen zwei Generationen. Das Kaddisch verbindet zwei Generationen, zwischen denen es – im religiösen Sinne – keinen Generationsunterschied gibt. Welchen größeren Trost kann es für die nächsten Angehörigen geben, als das Wissen, dass die Bestrebungen und Ideale des Verstorbenen weiterleben und in den Bestrebungen seiner eigenen Familie fortgesetzt werden. Das Sprechen des Kaddischs durch enge Verwandte bedeutet Kontinuität, Fortsetzung des Lebensziels und -zweck des Verstorbenen; der menschlichste und höchst individuelle Charakter des Verstorbenen, seine höhere Berufung und seine tiefsten Werte werden so aus den Klauen eines Alles verzehrenden Todes gerettet.

Wie funktioniert all das? Die Jüdische Tradition weiß um den großen Einfluss, den Eltern auf ihre Kinder haben können. Die Zechut Awot, der Verdienst der Vorfahren, ist ein wichtiges Thema in der Rabbinischen Literatur. Gemeinsam bittet das Jüdische Volk um G’ttes Erbarmen und Mitleid als Anerkennung für die großen und gerechten Taten der Erzväter, von denen wir abstammen. Die Jüdische Tradition weiß auch, dass die Sünden der Eltern – unreine Motive, zielloses Leben oder andere tadelnswerte Verhaltensweisen – Auswirkungen auf die religiöse Einstellung der Kinder haben, manchmal über mehrere Generationen hinweg. Die Psyche eines Kindes bildet sich durch die Umgebung, in der es aufwächst. Dennoch gibt es in der religiösen Literatur kaum Hinweise, dass ein Vater seinen sich irrenden Sohn durch seine eigenen guten Taten retten könnte. Abraham konnte seinen Sohn Jischmael und Jizchak seinen Sohn Esau nicht retten.

Das Gegenteil ist jedoch möglich. Die Handlungen des Kindes können die Eltern, selbst nach ihrem Tod, befreien. Die religiösen, ethischen und sozialen Handlungen der Kinder können das Schicksal der Eltern in der Olam Haba erleichtern. Der Talmud bringt diesen Gedanken dem Ausspruch “Bera Mezake Abba” zum Ausdruck- ein Sohn kann für den Verdienst seines Vaters sorgen. An anderer Stelle drückt es R. Schimon bar Jochai wie folgt aus: „Ma zaro bechaim, af hu bechaim – solange die Kinder auf richtiger religiöser Art und Weise leben, lebt der Vater in ihnen weiter”. Diejenigen, die würdige Kinder hinterlassen, sterben nicht im Geiste. Ihre sterblichen Überreste sind mit Erde bedeckt, aber ihre Lebensweisheit verweilt bei den Lebenden. Dies wird die Verstorbenen als Verdienst angerechnet.

Eltern geben dem Leben ihrer Kinder Orientierung und Sinn. So wie ein Baum nach seinen Früchten und der Künstler nach seinen künstlerischen Leistungen beurteilt wird, so werden Eltern nach dem moralischen Erfolg ihrer Kinder beurteilt. Von König David wird gesagt, dass er ‚eingeschlief“ – was auf Kontinuität des Lebens hinweist – weil er einen würdigen Sohn zurückgelassen hat. Man sagt von Joaw, dass er “starb” – weil er keinen Sohn hinterließ, der seine moralische Größe erben konnte.

In diesem Sinne hat das Kaddisch einen tiefen Wert. Das Kaddisch bildet den Epilog des menschlichen Lebens. Stand das Leben des Verstorbenen primär im Zeichen des Guten und des Erhabenen, oder war es von Dummheit, Nutzlosigkeit, Leere und Schande beherrscht? In beiden Fällen zeigt das Kaddisch Wirkung. Einerseits gibt das Kaddisch Bestätigung für ein tugendhaftes Leben, andererseits schenkt es den Eltern Vergebung für Sünden, Schwächen und Verstöße.

Die Chachamim sagen, dass jeder seine Eltern auch noch nach ihrem Tod ehren muss. Das Kaddisch ist eine verbale Demonstration des tiefen und dauerhaften Respekts, den ein jüdisches Kind seinen Eltern entgegenbringt. Selbst die Zeitspanne, in der man das Kaddisch spricht, ist aufschlussreich. Die Jüdische Tradition basiert auf der Idee, dass durch und durch schlechte Menschen im Gehinnom für ein Jahr vor Gericht gestellt und bestraft werden. Dennoch sprechen die Kinder nur während elf Monaten das Kaddisch, wodurch unauffällig von den guten Seiten des verstorbenen Elternteils Zeugnis abgelegt wird.

Das Kaddisch ist keine individuelle Angelegenheit. Der Trauernde spornt die anwesenden Gemeindemitglieder an, am Kiddusch Haschem teilzunehmen – der Heiligung des Namens G’ttes. Der Trauernde ruft die Teilnehmer auf und ermutigt sie, gemeinsam mit ihm die Größe G’ttes zu verkünden. Es bekräftigt die Lebensheiligung der Eltern. Wenn die Eltern im Laufe ihres Lebens den falschen Weg gegangen sind und den Namen G’ttes (Chilul Haschem) entweiht haben, dann wirkt das Kaddisch-Gebet durch das Heiligen von G’ttes Namen von den Kindern, um Versöhnung für den Verstorbenen zu erbitten. Das Kaddisch ist kein explizites Gebet für die Rettung der Seelen der Verstorbenen, aber das Sprechen dieses hohen Gebets in der Öffentlichkeit zeigt, dass das Gute aus dem Verstorbenen hervorkommt und auf Erden besteht, was eine befreiende Wirkung hat.

Der Verdienst der Kinder ist historisch mit dem Kern des Kaddisch verbunden und auch mit dem Beantworten des Kaddischs der Gemeindemitglieder. Die Tradition erzählt von einem Gespräch zwischen dem Erzvater Jakob und seinen zwölf Söhnen am Ende des Lebens dieses dritten Erzvaters. Jakob fürchtete die Zukunft. Er hatte Angst, dass einige seiner Kinder den Weg ihres Onkels Esau oder ihres Großonkels Jischmael gehen würden. Würde einer seiner Söhne den Glauben der Väter ablehnen- vielleicht nur in seinem Herzen? Als er seine zwölf Söhne – die zukünftigen Ahnen – mit dieser Frage konfrontierte, sagten sie gemeinsam: „Schma Jisrael, Adonaj elohenu, adonaj echad – Höre Israel, der Ewige ist unser G’tt, der Ewige ist einzig!“

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Als er sich vom Verdienst seiner Kinder überzeugt sah, rief er voller Dankbarkeit „Baruch schem kewod malchuto leolam waed – Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches für alle Ewigkeit.“

Dieser dankbare Ausruf unseres Erzvaters Jakob wurde in unsere täglichen Gebeten aufgenommen, unmittelbar nach dem Anfangsvers Schma Israel. Dieser Satz, ins Aramäische übersetzt, ist fast identisch mit der Antwort der Gemeinde auf das Kaddisch: ’Jehé sch’me rabba mewarach le’alam ule’almé almaja: Möge Sein großer Name für immer und für alle Ewigkeit gelobt sein’.

Wenn der Tod in unseren Häusern Einzug hält, beendet er das physische Leben. Doch der Geist überlebt das Grab. Die Gedanken, Emotionen, Ansichten und Ideale der Erben zeugen vom unsterblichen Einfluss des Verstorbenen. Das Sprechen des Kaddisch verleiht dem Gefühl Ausdruck, dass das Leben des verstorbenen Elternteils die Verbreitung des Guten hervorhebt.

Aber das ist nicht das Einzige; das Kaddisch drückt auch ein Grundprinzip der Jüdischen Glaubenslehre aus: den Gedanken, dass scheinbar unverdienter Schmerz und unfassbare Tragödien durch eine Tat des Allwissenden G’ttes auf das menschliche Leben einwirken. Das Kaddisch – und das wird schon in sehr alten Quellen erwähnt – auch im Zidduk HaDin – ist eine Rechtfertigung des Todes als gerechte Entscheidung eines gerechten Richters. Das Zidduk HaDin wird bei der Beerdigung gesprochen und drückt den Gedanken aus, dass “der Ewige gegeben hat und der Ewige genommen hat. Möge der Name des Ewigen gepriesen sein”. Dieser Inhalt findet sich auch im Kaddisch wieder: “Möge Sein großer Name für immer und für alle Ewigkeit gelobt sein”. Wir erkennen, dass G’tt um unsere tiefsten Geheimnisse weiß; dass Er uns gerecht belohnt und bestraft; dass Er weiß, was für die Menschheit im Allgemeinen und die Trauernden im Besonderen das Beste ist; dass all’ Seine Handlungen auf das Wohl der Menschen gerichtet sind. Erst nach der Annahme des Todes als das gerechte und unvermeidliche Ende allen Lebens ist der Mensch in der Lage, sein Leben im Lichte des wirklichen Lebenszwecks zu führen. Nur durch das Bewusstsein, dass nur der Schöpfer in der Lage ist, den Schöpfungsplan zu überblicken, können wir weiterleben, ohne von unlösbaren Fragen gehemmt zu werden, die jeder Lebensart den Sinn nehmen. So sagen wir auch im Kaddisch: „Erhoben und geheiligt werde sein großer Name in der Welt, die er nach seinem Willen geschaffen hat”. Der Sinn und Zweck der irdischen Existenz geht über unser Verständnis hinaus. Wie können wir mit unserer begrenzten Auffassungsgabe die endlose Tiefe des G’ttlichen Willens beurteilen? Wenn wir von einer Tragödie getroffen werden, glauben wir, dass ein Gerechter G’tt gerecht gehandelt hat.

Für den Trauernden erfüllt das Kaddisch eine wichtige Funktion. Das Kaddisch spricht den Gefühlszustand des Trauernden an und heilt seine psychischen Wunden, lehrt ihn tiefsinnige Lehren über Leben und Tod und den Sieg über das Böse im Menschen und in der umliegenden Welt. Es ist sicher kein Zufall, dass das Kaddisch eine wichtige Rolle im Trauerprozess spielt. Das Kaddisch ist auch als Trost für diejenigen gedacht, die mit dem Mysterium des Todes konfrontiert sind. Aus der ältesten Quelle, in der über das Kaddisch der Trauernden diskutiert wird, geht hervor, dass der Chasan – derjenige, der den G’ttesdienst leitet – zur Rückseite der Synagoge geht, wo sich die Trauernden befinden und sie öffentlich mit dem “Wunsch für die Trauernden” und dem Kaddisch trösten.

Tröstlich und in einer Atmosphäre der Hingabe beginnt das Kaddisch mit der Erkenntnis, dass Sinn und Zweck der Welt im Allgemeinen und des menschlichen Lebens im Besonderen nur dem Schöpfer des Universums bekannt sind. Es endet mit der Hoffnung, dass Er, der in Seinen Höhen Frieden stiftet, der ganzen Menschheit Frieden stiften möge -‚osse Schalom bimromaw, hu jaasse Schalom’. Oberflächlich betrachtet bedeutet Frieden nur zwischenmenschliche Toleranz, aber das hebräische Wort Schalom bedeutet mehr. Es bezieht sich auf den inneren Frieden im Menschen, der sich auf einer bestimmten Ebene ‘verwirklicht’ hat, mit sich selbst und der Welt um ihn herum im Frieden ist, in Harmonie mit sich selbst und anderen lebt und auf einer bestimmten Ebene im Schöpfungsplan ‘ruht’.

Im Kaddisch bitten wir um den inneren Frieden, der dem Trauernden so fehlt. Wir bitten um diesen Frieden nicht nur für uns selbst, sondern auch für das Jüdische Volk in seiner Gesamtheit, das gemeinsam den Verlust des physischen Fundaments der nationalen Größe, des Tempels und der heiligen Stadt Jerusalem, beklagt. Einige Gelehrte glauben, dass das Kaddisch in einem Gebet der Männer der Großen Versammlung entstand, um die Bevölkerung in ihrer Trauer nach der Zerstörung des ersten Tempels (586 v.d.Z.) zu trösten. Der Trauernde ist von einer Gemeinschaft umgeben, die seine Gefühle teilt, denn auf der Makro- oder Mikroebene, mehr oder weniger bewusst, trauern alle nach der Zerstörung des Tempels um den gefallenen Zustand des Jüdischen Volkes.

Auch die im Kaddisch enthaltenen Werte bieten Trost. Im Kaddisch wird immer der positive Wert des Lebens betont. Die Worte “Leben” und „Frieden” kommen im Text mehrfach vor, und diese Werte verfehlen nicht ihre Wirkung auf den fassungslosen und depressiven Geist der Trauernden. Die ständige Betonung des Lebens lenkt den nach innen gerichteten Blick des Trauernden von seiner Beschäftigung mit den Toten auf die Lebenden, von der Krise auf den inneren Frieden, von der Verzweiflung auf die Hoffnung und von der Einsamkeit auf die Gemeinschaft.

In dem Moment, in dem das Vertrauen des Menschen in G’ttes Wirken in die Welt ernsthaft erschüttert wird, wenn er rebellische Gefühle gegenüber G’tt wegen des Todes entwickelt, der ihn getroffen hat, steht er auf, um den Schöpfer zu loben “Möge Sein großer Name erhoben und geheiligt werden, in einer Welt, die Er nach seinem Willen geschaffen hat”.

In dem Moment, in dem der Mensch sich auf das Himmlische Königreich, die Welt der Toten, das Schicksal seiner Lieben konzentriert, richtet das Kaddisch seinen Blick auf G’ttes irdische Königreich unter den Lebenden “Möge er Sein Königreich während deines Lebens und in deinen Tagen errichten”.

In dem Moment, in dem der Mensch von ängstlichen Gedanken über den Tod, das Grab und die Auflösung des Körpers überfallen wird, füllt das Kaddisch seinen Geist mit Leben, Begeisterung und Gemeinschaftssinn. Jeden Morgen und Abend wiederholt er die Worte Chaim – Leben – und Erhebung und betont den Sinn der Existenz. Wenn der Trauernde Desorientierung, innere Zerrissenheit, Rebellion und Schuldgefühle erlebt, nährt ihn das Kaddisch mit Gedanken an den ewigen und inneren Frieden und immer wieder den Frieden betont, den G’tt im Himmel stiftet und den Frieden, den G’tt Seinem Volk hier auf Erden bringt.

Man spricht das Kaddisch nie einsam. Normalerweise spricht man das Kaddisch zusammen mit anderen Trauernden. Dies führt (letzten Endes) zur Wiederherstellung der Verbundenheit mit der Gemeinschaft in einer Zeit, in der man sich meist einsam und hilflos fühlt. Der Trauernde lernt auf sanfte, aber eindringliche Weise, dass mehrere Menschen seine Erfahrungen und Gefühle teilen.

Ein großer chassidischer Rebbe lehrte einmal, dass der Tod eines jeden von G’ttes Geschöpfen eine Bresche in das Heer des erhabenen Königs schlägt. Der König aller Könige, der Allmächtige G’tt, ist nicht wie ein König aus Fleisch und Blut. Wenn ein irdischer König seine Heere auf das Schlachtfeld schickt, hat er nur das globale und große Ziel im Sinn. Er kennt seine Mannen nicht persönlich. Sie sind in ihren Uniformen kaum voneinander zu unterscheiden. Sie sind menschliche Maschinen, tragen ein Gewehr und tun ihre Pflicht. Wenn er ein halbes Regiment verliert, fühlt er sich miserabel, aber er trauert nicht um Menschen. Für den König aller Könige ist das anders. G’tt kümmert sich um jedes Individuum. Menschen sind weder Maschinen noch Zahlen. Wenn G’ttes Soldaten sterben, trauert Er um jeden Mann. Wenn ein Mensch stirbt, „vermindert“ sich sozusagen Sein Name, und es ist, als wäre Seine Heiligkeit befallen worden. Es entsteht eine Leere in Seinem Königreich. G’tt leidet gleichsam unter dem Verlust eines geliebten Menschen: Indem wir das Kaddisch sprechen, trösten wir den auch den Allmächtigen: jitgadal “Dein Name ist “vermindert”; möge dieser Name erhöht werden”, jitkadasch “Deinem Name wurde etwas seiner Heiligkeit genommen; möge dein Name geheiligt werden”, “Dein Königreich hat einen Verlust erlitten; möge Dein Königreich für immer regieren”: wejamlich malchuté.

Diese verbluffende Interpretation des Kaddisch als Versuch des Menschen, die Schechina quasi zu trösten, schenkt dem Trauernden selbst Trost. Zu wissen, dass G’tt sich um jedes Geschöpf kümmert und dass Er am Verlust jedes Seiner Geschöpfe teilhat, die alle nach Seinem Bild erschaffen wurden, ist eine Quelle der Wärme und des Trostes.

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